20.04.2016, 19:00 Uhr

"Wer übernimmt schon gern sinkendes Schiff?"

Petra Mairinger hat als designierte Bezirksparteivorsitzende viel Arbeit vor sich. (Foto: SPÖ)

Petra Mairinger wird neue SPÖ-Bezirksparteivorsitzende werden. Auf die 40-Jährige wartet viel Arbeit.

ST. FLORIAN. Im Interview spricht Mairinger über vorrangige Ziele, was sie antreibt und wo sie großen Handlungsbedarf sieht.


Sie sind nun neue Bezirksvorsitzende der SPÖ. Hand aufs Herz: War für Sie gleich klar, dass Sie dieses Amt übernehmen werden?
Derzeit noch designierte Bezirksparteivorsitzende, da ich in der Bezirkskonferenz noch bestätigt werden muss. Dass ich keine leichte Position übernehmen werde, war mir klar. Wer übernimmt schon gerne ein sinkendes Schiff? Deshalb habe ich mir mit meiner Entscheidungsfindung sehr viel Zeit gelassen. Zusätzlich wird aufgrund des Mandatsverlustes die politische Arbeit im Bezirk deutlich schwieriger. Ich möchte aber meinen Beitrag dazu leisten, die Partei wieder präsenter und attraktiver zu machen.

Was war Ihre erste, konkrete Amtshandlung?
Vorrangiges Ziel war die Erhaltung der bestehen Bezirksstruktur. Diesbezüglich waren interne Gespräche eine meiner ersten Aufgaben.

Für welche Art von Politik steht Petra Mairinger?
Ich stehe nach wie vor für eine offene Politik. Dafür ist es aber auch notwendig, auf die Menschen zuzugehen, zuzuhören und offene Diskussionen zuzulassen.

Zur Diskussion steht ja nach wie vor die Zusammenlegung der beiden Büros Schärding/Ried. Wie sieht hier die aktuelle Lage aus?
Es wird derzeit zu keiner Zusammenlegung der beiden Bezirksbüros kommen.

Fänden Sie eine Zusammenlegung gut?
Nein. Ohne ein funktionierendes Bezirksbüro ist die optimale Betreuung und Unterstützung unserer Funktionäre und Ortsorganisationen in ihrer politischen Arbeit kaum möglich. Aber meine persönliche Befindlichkeit wird eine Zusammenlegung nicht verhindern können, wenn wir weiterhin Wahlverluste hinnehmen müssen. Jetzt ist eine ordentliche, bürgernahe Politik gefragt – von der Basis bis zur Spitze.

Die SPÖ befindet sich ja derzeit in einer schwierigen Lage. Die Wähler laufen davon, schlechte Wahlergebnisse, finanziell wird’s nach der Wahl enger. Was muss jetzt passieren, damit eine Trendumkehr eingeleitet werden kann?
Österreich geht durch schwierige Zeiten und steht vor großen Herausforderungen. Die Unzufriedenheit bzw. die Politikverdrossenheit ist groß - auch in den eigenen Reihen. Eine Trendumkehr kann nur gelingen, wenn Vertrauen und Glaubwürdigkeit wieder gewonnen werden. Wie ich schon sagte, eine bürgernahe Politik ist notwendig.

Wie will Petra Mairinger die Bezirks-Partei wieder auf Vordermann bringen?
Vorrangiges Ziel muss sein, die Partei zu stabilisieren. Wir müssen alle im Bezirk an einem Strang ziehen, um etwas verändern und bewirken zu können.

Fakten statt Worte – was plant die SPÖ im Bezirk in Zukunft für Projekte? Wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Handlungsbedarf sehe ich vor allem in den Bereichen, die ein Garant für unser Wohlbefinden sind beziehungsweise unsere Lebensqualität beeinflussen. Das betrifft konkret die Themen Gesundheit, Arbeit, Wohnraum, Umwelt und Integration.

Apropos Handlungsbedarf: Es wird ja immer wieder von Gemeindezusammenlegungen gesprochen. Sie als St. Florianerin – was halten Sie davon?
St. Florian ist eine finanzkräftige Gemeinde mit über 3000 Einwohnern, die effizient arbeitet. Ich sehe hier keinen Grund für eine Gemeindezusammenlegung. Einer intensiveren Zusammenarbeit mit dem Ziel Synergien zu nutzen und Kosten zu sparen, stehe ich positiv gegenüber.

St. Florians SPÖ arbeitet ja bereits mit der Schärdinger SPÖ zusammen. Gibt es hier neue Ideen, wie diese Kooperation vertieft werden könnte. Was steht hier an?
Treffen mit benachbarten Ortsorganisationen werden regelmäßig abgehalten. Derzeit stehen aber noch keine konkreten Projekte an.

Frauen in die Politik – irgendwie scheint das nie richtig in Gang zu kommen. Was sagen Sie dazu? Wie wollen Sie als Bezirksvorsitzende künftige Frauen für die SPÖ gewinnen?
Da der Anteil der Frauen an der Bevölkerung mehr als 50 Prozent beträgt, sollten sie auch die Möglichkeit und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen erhalten, um aktiv mitgestalten und mitentscheiden zu können. Politik ist ein spannendes, aber hartes Geschäft, das vor allem zeitlich viel Aufwand fordert. Da ist es für Männer viel einfacher abends zur Sitzung zu gehen, weil nach wie vor, trotz Verbesserungen, die Frauen die Hauptlast in Sachen Familie und Haushalt tragen. Entscheidet sich eine Frau für eine Spitzenposition, muss sie sich oft dafür rechtfertigen. Mir ist nicht bekannt, dass je ein Mann gefragt wurde, wie er das bewerkstelligt. Ich kann Frauen nur ermutigen mitzumachen und sie in ihrem politischen Engagement unterstützen.

Wenn Sie für die Partei einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?
Offenheit für neue Ideen und Mut zur Umsetzung
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