03.08.2016, 11:17 Uhr

Handel vor Ort contra Internet

Michael Lang, Geschäftsführer der HandyShop GmbH in St. Florian, über die Zukunft des Handels. (Foto: Foto: BRS)

Ausgenutzte Beratungen, zu wenig Wertschätzung: Netz-Käufe machen heimischem Handel zu schaffen.

ST. FLORIAN (ska). Handyshop-Chef Michael Lang im Interview über vermeintlich günstiges Online-Shopping, die Vorzüge einer Beratung vor Ort und die Datenschutzfalle bei Auslandskäufen.

BezirksRundschau: Herr Lang, "Fahr nicht fort, kauf im Ort" ist wohl auch Ihre Devise. Warum ist das heute wichtiger denn je?
Lang: Grundsätzlich bietet das Internet für alle Konsumenten und Unternehmer viele Möglichkeiten. Allerdings sehe ich die Gefahr auf jeden Fall gegeben, dass vor Ort Arbeitsplätze verloren gehen.

Trotzdem kaufen viele im Internet, im Glauben, dort sei alles billiger. Liegen sie falsch?
Immer wieder hören wir im Laden von Kunden, dass Produkte im Internet viel billiger sind. Zum Teil stellen wir dann fest, dass sie unwissentlich eben nach diesem Credo im Internet sehr teuer eingekauft haben. Das Internet ist ein Ausweichmarkt für jene, die schnell einkaufen. Sie kehren aber oft zurück, weil das Gerät nicht den Erwartungen entspricht oder die Qualität nicht die erhoffte ist. Viele erwerben aber auch das Gerät im Netz und kommen dann zu uns für eine kostenlose Dienstleistung.

Sie haben also das Gefühl, dass die Wertschätzung gegenüber dem Handel nachlässt?

In gewisser Hinsicht ja. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Täglich klopfen diverse Spendensammler für Vereinsfeste an unsere Tür – so viele, dass sie an einer Hand kaum abzählbar sind. Und jeder verlangt förmlich, dass wir etwas sponsern. Aber die Gesichter dazu sehen wir kaum in unseren Geschäften. Natürlich geben wir gerne etwas, wenn wir darin auch einen Sinn und Zweck für uns sehen – etwa eine Gegenleistung oder dass wir dadurch neue Kunden gewinnen können.

Von den Kleinen wird also verlangt, gekauft bei den Großen?
So ist es. Ich habe noch nie bei einem Vereinsfest eine Werbung von einem Internetanbieter oder einem Discounter hängen gesehen. Dass ein kleines Unternehmen vor Ort aber für ein Transparent oder eine Werbeeinschaltung zahlt, sei selbstverständlich.

Dennoch tritt Handyshop immer wieder als Sponsor auf.
Ja, weil es glücklicherweise Ausnahmen gibt, also Vereine, die uns zu schätzen wissen und Kunden zu uns schicken. Der Kontakt zu den Kunden ist uns einfach wirklich sehr wichtig. Doch auch das wird leider immer öfter ausgenutzt.

Inwiefern?
Durch Beratungsdiebstahl. Wir erleben es immer öfter, dass sich Kunden eine ordentliche Beratung samt "Touch & Feel" des Produkts bei uns holen und dann im Netz oder beim Mitbewerber kaufen. Auch wir haben Kosten, die vor Ort entstehen, wie etwa Personal und Miete. Ich kenne Händler in Tirol und Vorarlberg, die eine Beratungspauschale bei Nichtkauf einheben. Beim Kauf wird diese abgezogen. Für uns ist das zwar kein Thema. Aber: Der Handel vor Ort ist gezwungen, sich neu zu orientieren.

Auch hinsichtlich Datenschutz? Die meisten Menschen tragen heutzutage ihr halbes Leben mit in der Hosentasche.
Genau mit diesem Thema kann sich der örtliche Elektronik-Handel vom Kaufen im Netz abgrenzen. Etwa bei der Reperatur: Ein Smartphone muss oft in dem Land reklamiert werden, wo es gekauft oder bestellt wurde. Keiner weiß, welches Repaircenter gerade damit hantiert und was mit den Daten passiert. Wir bieten unseren Kunden höchstmögliche Transparenz und höchste Sicherheitsstandards.

Wie sehen Sie die Zukunft des Handels vor Ort im Hinblick auf das Internet?
Beides brauchen wir, um den Markt in Bewegung zu halten. Ich denke, dass die Vielfalt der Produkte kaum stationär geboten werden kann. Jedoch sollte jeder überlegen, ob es nicht vor Ort eine Alternative gibt. Der Kauf im Netz bringt keine Arbeitsplätze, auch wenn man sich den einen oder anderen Euro spart. Und: Vereine und Veranstalter leben vom Unternehmer vor Ort, der unterstützt. Tipp: Fragen sie vor Ort: Viele Preisunterschiede sind erklärbar, gerade bei elektronischen Produkten. Michael Lang
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