04.05.2016, 15:07 Uhr

Leserbrief – Kritk an der Politik

Ein Leser äußert sich kritisch zur
aktuellen Lage in unserem Bezirk

BEZIRK. Als langjährigem Beobachter der politischen Situation im Bezirk Scheibbs, ist es mir ein Anliegen, zu einigen Fakten Stellung zu beziehen.
So erfolgreich viele Firmen in Industrie und Gewerbe auch sein mögen, hinkt der Bezirk Scheibbs in vielen Bereichen im Vergleich zu anderen Bezirken in Niederösterreich hinterher (z.B. Lehrbetriebe, Kaufkraft, Fachkräfte, Betriebsgrößen, Pendlerbewegung, Abwanderung, Investitionen, Betriebsansiedlungen und -neugründungen, Beschäftigung, Bildung, EU-Förderwesen usw.).
Nicht mehr als ein Dutzend wirklich ausschlagebende Industrieunternehmen bestimmen im Bezirk den Arbeitsmarkt, neben zahlreichen Kleinbetrieben fehlt aber nach wie vor die Mittelstruktur bei Betrieben und Konsumenten. Wenn sich auch das Arbeitsmarktservice noch so sehr bemüht, die vorhandenen Zahlen positiv zu bewerten, so sollte man die Tatsachen doch realistisch betrachten – so hat man im Bezirk weit mehr Aus- als Einpendler, junge Arbeitskräfte wandern ab und bei den Arbeitslosen über 50 Jahren hat man die höchste Steigerung. Auch im Bildungswesen zeigen sich alarmierende Zeichen.
Wie enorm Gemeinden mit schwacher Struktur und Zielsetzung zum mäßigen Erfolg im Bezirk beitragen, zeigt sich am Beispiel der Marktgemeinde Gaming. Als flächenmäßig zweitgrößte Gemeinde im Land Niederösterreich, stellt sie nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein als kulturelles und gesellschaftliches Schwächeglied im Bezirk Scheibbs dar.
Zum wirtschaftlichen Abstieg durch zahlreiche Geschäfts- und Betriebsschließungen, kommt noch die Einschränkung durch verkehrtechnische Maßnahmen, die auch den Tourismus begrenzen. Die budgetäre Lage – in Form der Pro-Kopf-Verschuldung – trägt seinen Teil zur Misere in Gaming bei. Ebenso besagen die Zahlen der Statistik Austria weitere düstere Zahlen und Fakten bezüglich Abwanderung, Überalterung, Ausbildungsmöglichkeiten, Kaufkraft, Arbeitsplätze, Kultur, Tourismus, Wirtschaft und Lebensqualität für Gaming voraus.
Viele wichtige Projekte und Vorhaben bleiben in Gaming auf der Strecke, Kultur und Denkmäler verkümmern kläglich, bereits begonnenen Vorhaben fehlt es an Qualität und sie enden im Chaos – mit dieser Art der "Vernichtungspolitik" scheint man die Abwärtsspirale weiterzudrehen. So verspielen wir das Erbe unserer Ahnen, die Gaming nach dem Krieg wieder aufgebaut haben.
Wenn mehrere Gemeinden im Bezirk so sorglos handeln würden, dann sähe die Statistik wohl noch schlechter aus – ein zeitgemäßes Aufrütteln im Land NÖ wäre der richtige Weg, damit uns diese Strömung nicht noch weiter in den Abgrund ziehen wird.
Hermann Biber, Gaming
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