05.04.2016, 09:53 Uhr

DAMALS: Inn-Insel Schwazer "Äuerl" und mehr

Inn-Insel Schwazer "Äuerl" um ca. 1960 (Foto: Sammlung Lorenzetti)

Inn-Insel Schwazer „Äuerl“

Schwaz hatte vor über 50 Jahren noch eine Inn-Insel: das sog. „Äuerl“ (vom Begriff Au abgeleitet), heute ist auf dieser Höhe die Autobahnzu- und Auffahrt bzw. die neue Feuerwehrzentrale. Vor der Innverbauung (Schwazer Umfahrungsstraße um 1953/54) gab es noch etliche Sandbänke entlang des Inn-Stadtgebietes und eben das „Eierl“, wie die alten Schwazer dazu sagen. Vom Dorrek-Ring aus über die Bundesstraße führte eine fahrbare kleine Holzbrücke über den Innfluss-Arm zum „Äuerl-Refugium“: mit Wohnhaus, großer Gärtnerei, einem Feldstück und zum „Indianerspielen“ (der nahen Dorrek- u. Freiheitssiedlung-Kinder) mit einem romantischen Baum- und Sträucher-Dickicht. Mit dem Bau der 3. Schwazer Brücke, dem Autobahnzubringer, im Jahre 1970 verschwand dieses Schwazer Landschafts-Idyll.

Alte Gasthaus-Atmosphäre

In Schwaz gab es (in den 30ern bis in die späten 50er-Jahre) wie anderswo im Unterinntal noch haufenweise Gasthäuser im traditionellen Sinn. Gut um die 40 der unterschiedlichsten Gastrobetriebe, vom Hotel, Gasthof, Gasthaus, Gassenschank, Speisehaus bis hin zum Caféhaus, konnten ihre Existenz finden. Unser Foto richtet die Aufmerksamkeit auf die einstigen Schwazer Gasthäuser mit altdeutscher Täfelung – hier am Beispiel des Gasthofes „Grauer Bär“ (später besser bekannt als der „Fuggerkeller“). Da schmeckte das frische Fassbier, das knusprige Salzstangerl vom Schwazer Bäcker, der Graukäse oder das „Würstl mit Saft“. Am Stammtisch erfuhr man das Stadtgespräch oder man holte sich den Zeitungsständer des „Schwazer Bezirksanzeigers“, des „Tiroler Anzeigers“, der „Innsbrucker Nachrichten“ oder gar der Reichspost aus Wien.

Schnappschüsse von damals

Erinnerungen rund um die Dorfbrücke...

Das Bild zeigt die Müller- und Bäckergesellen der Jenbacher Esterhammermühle bei der Kasbach-Dorfbrücke um 1920. Schon 1313 ist von der „Mühle am Bach“ die Rede. Jedoch mit dem Objektkauf von Josef Mager 1850 entstand hier eine Blechnägel- und Drahtstiftfabrik. Weil Tochter Judith Mager in Folge 1869 den Handelsmann Josef Lutz (Jenbacher Feuerwehrinitiator) ehelichte, entstand am Areal durch ihn wieder eine Mühle, ja sogar eine hochmoderne Kunstmühle. Und schließlich erwarb 1904 Bäckermeister Karl Esterhammer den Gebäudekomplex an der Dorfbrücke.

Reklame von Damals

Diese Reklame stammt aus dem Jahre 1908. Aus dem Schwaz-Führer von Leopold Pirkl:
Z. Heiss, Schwaz in Tirol, gegründet 1809
erste und älteste Konditorei und Zuckerwaren-Fabrikation
: Sodawasser-Fabrik, Wachs- und Stearinwaren-Handlung :
empfiehlt seine anerkannt vorzüglichen Fabrikate u. Bäckereien, sowie sein reichhaltiges Lager in allen Spirituosen-, Tee- u. Senfsorten. Spezialitäten: Schwazer- und Anisschnitten, Zwieback, verschiedene Torten, Weinbeisser und Kräuterbonbons etc. etc.
Prämiert auf der allgemeinen Frühjahrsausstellung in Wien 1907 mit dem Ehrendiplom, grossen goldenen Medaille und Ehrenkreuz.
Ff. Rum, echten Jamaika, offen u. in Originalflaschen, Cognac (verschiedene Marken), Wermut- und Malaga-Weine etc. etc.
Prima Chocolade u. feinste Bonbons.
Souchon-, Assam-, Mandarin-, Ceylon- und Blüten-Tee. Französischen und deutschen Senf
Nach auswärts bei grösserer Abnahme franko. Für Wiederverkäufer hohe Prozente
Gasthof zum goldenen Stern Z. Heiss, Schwaz
Vorzügliche Getränke, kalten und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Für geschlossene Gesellschaften eigenes Gesellschaftszimmer.
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