05.04.2016, 09:49 Uhr

RMagazin Buchtipp – Isabel Bogdan „Der Pfau“

Feinster Humor aus den Highlands


Teambuilding ist angesagt. Erzwungenermaßen. Und so machen sich die vier Londoner Banker Andrew, Jim, David und Bernard gemeinsam mit ihrer Chefin Liz, Köchin Helen und Beraterin Rachel auf in Richtung Norden. Dort haben sie sich für ein paar Tage in einem Landsitz eingemietet. Fern der Großstadt und fern vom gewohnten Komfort stoßen sie nicht nur auf idyllisches, ländliches Flair nebst beeindruckendem Anwesen, sondern vor allem auf ungewohntes Terrain. Draußen ist es kalt und winterlich, drinnen auch nicht viel wärmer. Die Beraterin fordert Hüttenbau im Freien und künstlerisch-kreative Ergebnisse auf dem Zeichenblatt. Da verweigert so mancher Banker, gewohnt, sich im Berufsalltag hinter Anzug und Zahlen verstecken zu können. Zudem ist man mitten in der Natur zwangsläufig auch mit der Natur konfrontiert. In den schottischen Highlands ist es Federvieh aller Art, das insbesondere Liz zu schaffen macht. Aber es gibt auch Lichtblicke. Helen erweist sich als tadellose und patente Köchin. Lord und Lady McIntosh, von Berufs wegen Altphilologe und Ingenieurin, haben hervorragende Gastgeberqualitäten und lösen die alltäglichen Herausforderungen mit Höflichkeit, Geduld und Zuversicht.
Ja, und dann ist da noch der Pfau. Genau genommen eine ganze Reihe von Pfauen, schön anzusehen, prächtig und imposant stolzieren sie über die Rasenfläche vor dem Herrenhaus. An und für sich eine Freude, bis auf diesen einen ganz besonderen Pfau eben: „Einer der Pfauen war verrückt geworden. Vielleicht sah er auch nur schlecht, jedenfalls hielt er mit einem Mal alles, was blau war und glänzte, für Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt“. Die Farbe Blau treibt den Pfau zu einer beängstigenden Aggressivität, die sich nicht als vorrübergehende Störung, sondern als dauerhafter Zustand erweist. Und als dann Investmentbankerin Liz ausgerechnet in einem blauen Auto vorfährt, greift der sonst eher friedfertige Lord zum Gewehr und entschließt sich zu einer ganz und gar nicht friedfertigen Lösung des Problems. Damit nehmen die Dinge ihren Lauf: Verschleierungen und Vertuschungsaktionen reihen sich aneinander. In kürzester Zeit hat jeder sein Geheimnis und eine eigene Version der Geschichte, die allmählich aus dem Ruder gerät, um sich am Ende wieder zu fügen. Isabel Bogdan, deutsche Autorin, Übersetzerin und Herausgeberin, schreibt mit feiner Feder und ganz in der Tradition skurrilen britischen Humors. „Der Pfau“ ist ein Buch, das man nicht mehr weglegen mag. Es liest sich flüssig, mit mehr als einem Hauch von Ironie; und die Charaktere der Geschichte, die schließt man allesamt ganz schnell ins Herz.

Der Buchtipp wird von unserer neuen Redakteurin Mirjam Dauber vorgestellt. Sie begibt sich jeden Monat aufs Neue auf die Suche nach Lesenswertem.
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