10.05.2016, 14:00 Uhr

RMagazin Buchtipp: Vendela Vida „Des Tauchers leere Kleider“

Auf der Flucht vor dir selbst


„Des Tauchers leere Kleider“ ist kein Krimi, könnte aber einer sein: beginnend mit der Reise einer namenlosen amerikanischen Touristin von Florida nach Marokko, oder doch eher einer Flucht, aber einer Flucht wovor? Rastlosigkeit umgibt die Erzählerin und zieht die Lesenden in ihren Bann. Geheimnisse tun sich auf, Unsicherheiten, Andeutungen, Beklemmung. Die Protagonistin landet in einer chaotischen Stadt. Das gebuchte Hotel entpuppt sich als wenig einladend, trotzdem wird eingecheckt, und dabei passiert es. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und der Rucksack ist weg, vermutlich gestohlen. Das Hotelpersonal beginnt mit der Suche, äußert Vermutungen, verwirft sie wieder, der Polizeichef wird hinzugezogen, was doch überrascht. Die Erzählerin hat ihren Reisepass verloren, ihr Geld, ihre Karten - und damit ist sie in einem fremden Land plötzlich ohne eigene Identität. Doch es wird Ersatz angeboten: Der Polizeichef drängt ihr einen anderen Rucksack auf, ein neues Leben, und die verzweifelte Touristin nimmt es an: „Du weißt jetzt, dass du Rucksack, Pass und Portemonnaie einstecken und dir im Regency ein Zimmer nehmen wirst. Sobald du im Regency bist, wirst du dich sicher fühlen. Du musst dich sicher fühlen, um schlafen zu können. Sobald du ausgeschlafen bist, wirst du zur amerikanischen Botschaft gehen und sagen, es sei ein Irrtum gewesen, die Polizei habe dir das falsche Gepäckstück wiederbeschafft. Das ist der Plan.“ Dieser Plan geht nur teilweise auf, Lügen provozieren neue Lügen, bis sie schließlich als eine ganz andere wieder auftauchen kann. Interessant ist auch die Erzählperspektive; der Roman ist in der zweiten Person geschrieben, zügig, fesselnd, packend. Die Autorin erzeugt eine besondere Stimmung, geheimnisvoll, ausgeliefert, beängstigend, auf faszinierende Art und Weise.
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