10.10.2016, 14:37 Uhr

Wander-Bar in Schwaz: „Bar du Bois“ in der Galerie der Stadt Schwaz

Künstler in der Bar du Bois: Roy Culbertson, Galerie-Leiterin Cosima Rainer, Julian Turner und Andreas Harrer (Foto: Dietmar Walpoth)

„Bar du Bois“ ist zunächst buchstäblich eine Bar. Eine Bar auf Wanderschaft. Ihre Möbel werden von KünstlerInnen gebaut und sie wird von KünstlerInnen betrieben. „Bar du Bois“ ist damit auch eine polymorphe Künstlergruppe und ein sozialer Ort. Zugleich ist „Bar du Bois“ ein künstlerisch und kuratorisch experimentelles Projekt.

Es hat sich als Kontrast zum Kult der wiedererkennbaren künstlerischen Autorenschaft etabliert, als Alternative zur Warenfixiertheit des Kunstmarktes und zum repräsentativ hygienischen Ausstellungsraum des White Cube. Statt an solche etablierte Standards glaubt „Bar du Bois“ (dt. Bar aus Holz) an das Durcheinander des künstlerischen Kollektivs, man glaubt an das Patchwork und huldigt dem Rausch, der die Ideen belebt. Seit 2013 wurde „Bar du Bois“ durch Florian Pfaffenberger und Julian Turner als Off-Space in der Wiener Innenstadt betrieben. Über die Dauer von zwei Jahren wurden mit vielen Mitwirkenden an die 40 Ausstellungen und Performances realisiert. Durch immer neue Kollaborationen mit KünstlerInnen aus der international durchmischten Wiener Kunstszene variiert „Bar du Bois“ ihr Auftreten von Station zu Station. 2014 wurde eine Bar für die Thyssen-Bornemisza Art Contemporary errichtet. Weitere Stationen waren die alternative Kunstmesse Parallel Vienna (2014/2015), die Venedig Biennale (2015) und die Halle für Kunst Lüneburg (2015).
Das Projekt, das „Bar du Bois“ für die Galerie der Stadt Schwaz konzipiert hat, wird ihre Wanderschaft fortsetzen und zugleich formal steigern. In Schwaz wird die Bar nicht wie bisher Teil einer Ausstellung sein, sondern den Galerieraum von zahlreichen Seiten überformen. Dies beginnt schon bei den Türgriffen der Eingangstüre, auf die neue Griffe in Form von Getränkekarten montiert werden. Die Bar selbst ist in ihren Dimensionen raumgreifend und funktioniert gleichzeitig wie ein Bilderfries. Auch die weiteren Räume der Galerie werden einbezogen und der starre White Cube teilweise in einen sozialen Raum transferiert. Die Bruchlinien dazwischen werden allerdings in der Ausstellung sichtbar bleiben. Es geht nicht um eine Totalgestaltung oder eine „Fake“-Inszenierung, die die Grenzlinien übertüncht. Alle Arbeiten darin lassen sich sowohl als Kunstwerke als auch als funktionale Bestandteile der Bar lesen: Türen, Hocker, Bänke, Lampen, Gläser, Aschenbecher, Flaschenöffner, Regale. Hierfür werden auch Aufträge an andere KünstlerInnen vergeben, die zu neuen Kunstwerken und Barbestandteilen führen.
Ein weiteres Merkmal von „Bar du Bois“ ist, dass sie die zeitgenössische Ästhetik der fluiden digitalen Kultur mit traditionell anmutenden Handwerkselementen verquickt. So entsteht eine skurrile Atmosphäre, die gespeist wird durch einen Stilmix und die Verschiebungen von Codes. Dieses Spiel setzen „Bar du Bois“ auch in ihren Facebook-Aussendungen und Bilder-Postings fort.
Die „Bar du Bois“ in der Galerie der Stadt Schwaz hat noch bis zur Schwazer Kulturmeile am 26. Oktober geöffnet.
Am 14. Oktober findet von 15 bis 17 Uhr ein Programm für Kinder statt.
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