04.05.2016, 10:44 Uhr

Flüchtlinge als Mittel zum Zweck?

FÜGEN (fh). Der winzige Fügener Ortsteil Schöffstall am südlichen Ortsende beherbergt elf einheimische Personen. Hinzu kommen bis jetzt ca. 14 Flüchtlinge, die in einem Haus wohnen, welches im Besitz von Franz Dornauer (Hotel Hubertus/Fügenberg) ist. Vergangene Woche war die Aufregung unter den Einheimischen groß, denn erneut fuhr ein Wagen des Landes Tirol vor und man nahm einen Lokalaugenschein vor. Der Grund dafür ist die geplante Errichtung einer erneuten Flüchtlingsunterkunft in Holzbauweise für ca. 25 Personen. Eine Maßnahme, die verständlicherweise auf wenig Gegenliebe bei den ansässigen Familien stößt, denn knapp 40 Personen sind ihrer Ansicht nach für diesen winzigen Ortsteil nicht verträglich. "Wir sind mit dem Schwerverkehr, den wir täglich ab 05:00 Uhr vor der Nase haben, (Anbindung Hart i. Z. - Anm. der Redaktion) schon genug gestraft und jetzt will man uns noch einmal 25 Flüchtlinge hier einquartieren. Wir sind nur elf Leute hier und mir kann keiner erzählen, dass das verträglich ist. Wir werden uns mit aller Kraft gegen diese neue Unterkunft wehren", ärgert sich Anrainerin Karin Gruber.

Bgm. gegen Standort

Fügens Bürgermeister Dominik Mainusch bezieht klar Stellung und erklärt: "Ursprünglich wären 50 Flüchtlinge angedacht gewesen aber das ist für die Gemeinde Fügen generell kein Thema. Was die 25 Personen angeht, sind wir dabei, einen alternativen Standort zu finden um die vom Land vorgeschriebene 1,5-Prozent-Quote zu erfüllen, aber für den Ortsteil Schöffstall ist das sicher nicht möglich", so der Bürgermeister. "Wir haben in unserer Gemeinde bereits Flüchtlinge aufgenommen und solange andere Gemeinden hier gar nichts tun, fühlen wir uns nicht verpflichtet", so der Bürgermeister weiter.
Grundstücksbesitzer Dornauer hat in seinem bereits bestehenden Gebäude im Ortsteil 14 Flüchtlinge untergebracht. Mit zusätzlichen 25 Personen käme natürlich mehr Geld in die Kassa, da bei dieser Form der Unterbringung pro Kopf vom Land Tirol 95,- Euro pro Monat bezahlt werden. Dornauer war gegenüber den BEZIRKSBLÄTTERN zu keiner Stellungnahme bereit. "Mit den bereits angesiedelten Flüchtlingen gibt es im Ortsteil bisher keine Probleme, aber was zuviel ist, ist einfach zuviel. Außerdem hat man die Leute vor Ort überhaupt nicht über die geplante zusätzliche Unterkunft informiert, sondern wäre einfach über sie drübergefahren und das kann man nicht durchgehen lassen", erklärt Edi Rieger, Landtagsabgeordneter der FPÖ. Das Land Tirol macht Druck im Bezug auf die Flüchtlingsquote, hat aber immer wieder mit heftigem Gegenwind aus der Bevölkerung zu kämpfen. In der Gemeinde Uderns wurde kürzlich die Aufnahme von Flüchtlingen vom Gemeinderat abgelehnt, obwohl Bürgermeister Bucher dafür votiert hätte.
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