31.08.2016, 09:47 Uhr

Kein Anreiz mehr für Kassenärzte

VORDERES ZILLERTAL (fh). Wer im vorderen Zillertal Zahnschmerzen hat oder in Sachen Kieferheilkunde ärztlichen Rat benötigt, muss sich beim Wahlarzt anmelden, denn die Kassenstelle im vorderen Tal ist, seit Dr. Herbert Foidl in Pension ging, nicht mehr nachbesetzt worden. Für den Bezirk Schwaz sind insgesamt 23 Planstellen vorgesehen. Kassenplanstellen werden im Einvernehmen zwischen TGKK und Landeszahnärztekammer nach Bedarf mit dem Ziel einer kassenzahnärztlichen Versorgung der Bevölkerung vereinbart und im sogenannten Stellenplan festgelegt. Von den 23 Planstellen im Bezirk Schwaz sind sieben unbesetzt, und zwar in Fügen (2), Achenkirch, Mayrhofen, Kaltenbach/Aschau und Schwaz (2). Auf Anfrage der BEZIRKSBLÄTTER-Redaktion bei der Zahnärztekammer in Innsbruck wird schnell klar, warum ein Kassenvertrag für Zahnärzte nicht mehr attraktiv ist. "Die Zahnärzteschaft verfügt über einen bundeseinheitlichen Gesamtvertrag – das heißt, es liegt in der Kompetenz der Österreichischen Zahnärztekammer, den Gesamtvertrag zu verhandeln. Im Rahmen der Verhandlungen zum 'KFO-Gesamtvertrag' ('Gratiszahnspange') wurden auch Änderungen im konservierend-chirurgischen Vertragsbereich verhandelt, so ist z.B. die Teilung des Kassenvertrages aus Altersgründen oder aufgrund von Kinderbetreuungspflichten möglich. Es ist aber unsere Auffassung, dass sich sowohl im Leistungs- als auch im Tarifbereich Verbesserungen ergeben müssen, da andernfalls die kassenzahnärztliche Versorgung der Bevölkerung gefährdet ist", erklärt Dr. Wolfgang Kopp, Präsident der Zahnärztekammer.

Unattraktives System

Ein Blick in die Honorarlisten für Kassen-Zahnärzte nährt nicht unbedingt die Hoffnung, dass sich bald ein Kassenarzt um die freien Stellen im Bezirk bewerben wird. Die Divergenz zwischen den Honorarrichtlinien bei Kassenverträgen und jenen der autonomen Honorarrichtlinien sind enorm, und es gibt keinerlei finanziellen Anreiz für einen Dentisten, sich um einen Kassenvertrag zu bewerben. Die Beträge, welche in den autonomen Honorarrichtlinien (gesetzlich legitimiert) verrechnet werden können, sind weitaus höher als jene für Kassenpatienten.
Nachdem der Präsident der Tiroler Ärztekammer, Arthur Wechselberger, kürzlich eine Änderung der Kassenverträge für Allgemeinmediziner verkündet hat, könnte auch Schwung in die Diskussion um die Zahnärzte kommen, denn diese verhandeln separat.
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