10.10.2016, 14:42 Uhr

„Patinnen für geflüchtete Frauen“ und „Interkulturelle Frauencafés“:

v.re: Frauen- und Integrationslandesrätin Christine Baur und Projektleiterin Julia Rhomberg präsentieren gemeinsam mit Sabina Seeber und Karl Mark vom Freiwilligenzentrum Bezirk Schwaz die Pilotprojekte „Patinnen für geflüchtete Frauen“ und „Interkulturelle Frauencafés“. (Foto: Land Tirol/Reichkendler)

Pilotprojekte für geflüchtete Frauen starten im Bezirk Schwaz

SCHWAZ. „Das Zusammenleben mit Flüchtlingen und deren Integration ist ein zentrales gesellschaftspolitisches Thema, das alle Lebensbereiche betrifft“, betont Frauen- und Integrationslandesrätin Christine Baur. Neben den existentiellen Grundbedürfnissen sind Integrationsangebote und der Kontakt zur heimischen Bevölkerung wichtig für Menschen auf der Flucht. „Die Begegnung vertieft das gegenseitige Verständnis und hilft den schutzsuchenden Menschen, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden“, ist LRin Baur überzeugt.

Rund ein Drittel der geflüchteten Menschen in Tirol sind Frauen, die um Asyl ansuchen oder bereits angesucht haben (ca. 1.070 in den Tiroler Flüchtlingsunterkünften/Stand September 2016). Viele von ihnen haben oftmals eine dramatische Fluchtgeschichte erlebt. „Vertriebene und geflüchtete Frauen haben andere Bedürfnisse als Männer und brauchen spezifische Informationen und Formen der Begleitung“, weiß LRin Baur. Aus diesem Grund wurden vom Fachbereich Frauen und Gleichstellung sowie vom Fachbereich Integration die Projekte „Patinnen für geflüchtete Frauen“ und „Interkulturelle Frauencafés“ initiiert, um Frauen mit Fluchtgeschichte zu unterstützen. „Die Projekte zielen auf eine eigenständige Existenzsicherung für Frauen mit Flucht- und Migrationsgeschichte ab und sollen dazu beitragen, gegenseitige Berührungsängste abzubauen“, erläutert Projektleiterin Julia Rhomberg. Andererseits werden Menschen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren möchten, organisatorisch und inhaltlich unterstützt – denn ehrenamtliche Arbeit ohne Begleitung kann zu Überforderung führen.

Bezirk Schwaz als Pilotregion

Enge Kooperationspartnerin bei beiden Projekten ist die Freiwilligenpartnerschaft Tirol. Als Pilotregion wurde der Bezirk Schwaz gewählt, eine schrittweise Umsetzung in den Bezirken Kufstein, Kitzbühel, Lienz, Imst, Landeck und Reutte ist Anfang des kommenden Jahres geplant. „Die Freiwilligenpartnerschaft wurde ins Leben gerufen, um das Ehrenamt in Tirol zu stärken. Das Freiwilligenzentrum im Bezirk Schwaz wurde auf den Strukturen des Vereins ‚Tu Was! Zentrum für Ehrenamt in Schwaz‘ aufgebaut und im Laufe der Zeit regionsmäßig auf den gesamten Bezirk erweitert. Wir können im Bezirk Schwaz daher auf eine lange Tradition im zivilgesellschaftlichen Engagement zurückgreifen“, betont Karl Mark, Obmann des Freiwilligenzentrums Bezirk Schwaz. „Das Freiwilligenzentrum übernimmt die Koordination vor Ort: Wir suchen und vermitteln Patinnen, organisieren die ‚Interkulturellen Frauencafés‘ und sind für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich“, erläutert Sabina Seeber, Geschäftsführerin des Freiwilligenzentrums Bezirk Schwaz. Gestartet wird im Bezirk in diesem Monat.

Frauen unterstützen Frauen

Im Rahmen einer Patenschaft begleiten einheimische Frauen als ehrenamtliche Mentorinnen für rund sechs Monate Frauen mit Fluchtgeschichte und unterstützen sie bei Orientierung, Alltagsermächtigung und Selbständigkeit in der Aufnahmegesellschaft. In wöchentlichen oder 14-tägigen Treffen geben sie ihr Wissen über das Alltagsleben in Tirol weiter – von Arztbesuchen und Behördengängen bis hin zu heimischen Bräuchen und Gewohnheiten. Die Patinnen werden von der Tiroler Freiwilligenpartnerschaft gesucht und an die Frauen mit Fluchtgeschichte vermittelt und nehmen an einem Einführungsworkshop teil.

Offener Begegnungsraum in gemütlicher Atmosphäre

Neben dem Patenschaftsmodell bieten die monatlich stattfindenden „Interkulturellen Frauencafés“ einen offenen Treffpunkt und Begegnungsraum für interessierte Frauen mit und ohne Migrationshintergrund – auch Kinder können gerne mit dabei sein. Damit wird ein niederschwelliges Informationsangebot zu integrationsrelevanten Themen wie Gesundheit, Bildung oder rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen. In gemütlicher Atmosphäre – in Schwaz werden die „Interkulturellen Frauencafés im Museum der Völker veranstaltet – können sich die Frauen austauschen, voneinander lernen und Freundschaften knüpfen. „Wenn Frauen unter sich sind, können Frauen mit Fluchtgeschichte aufgrund der oft kulturell gewohnten Geschlechtertrennung besser mit Frauen der Aufnahmegesellschaft in Kontakt treten. Dies ist vor allem bei Themen wie Gesundheit, Schwangerschaft oder Gewalterfahrungen ganz besonders wichtig“, so LRin Baur. Ergänzt werden die frauenspezifischen Angebote durch Freizeitaktivitäten, in denen auch die Familien und Ehemänner mit einbezogen werden.

Interessierte Frauen aus dem Bezirk Schwaz sind herzlich eingeladen, sich beim Freiwilligenzentrum Bezirk Schwaz, Sabina Seeber (Tel.: 0650-5105072 oder bezirkschwaz@freiwillige-tirol.at) zu melden.

Termine:

Informationsabend „Patinnen für geflüchtete Frauen“: Dienstag, 25 Oktober, 17:00 Uhr (offen für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger), Museum der Völker (Café), Schwaz

Interkulturelles Frauencafé: jeden 3.Donnerstag im Monat, 9 bis 11 Uhr: 17. November 2016, 22. Dezember 2016, 19. Jänner 2017 , etc., Museum der Völker (Café), Schwaz
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