16.06.2016, 15:14 Uhr

Prof. Ernst Brandl-Preis für jungen Pädiater Georg-Friedrich Vogel

Dr. Hans Lintner, der Bürgermeister von Schwaz, Monika Brandl-Knapp, die Witwe des Preisstifters, Brandl-Preisträger Dr. Georg-Friedrich Vogel PhD und Univ.-Prof. Dr. Lukas A. Huber vom Innsbrucker Biozentrum.
Schwaz: Rathaus |

Im Rahmen einer festlichen Vergabesitzung im Rathaus Schwaz wurde am 15. Juni 2016 der Prof. Ernst Brandl-Preis an den 31jährigen Zellbiologen und angehenden Pädiater Dr. Georg-Friedrich Otto Vogel PhD verliehen. In seiner ausgezeichneten und im renommierten Fachmagazin Journal of Cell Biology veröffentlichten Forschungsarbeit gelang es ihm, das molekulare Verständnis der lebensbedrohlichen und bislang unheilbaren Durchfallerkrankung MVID (Mikrovilli Einschlusserkrankung) zu vervollständigen.


Bei PatientInnen mit der 1978 erstmals identifizierten MVID ist der Bürstensaum im Darm (sog. Mikrovilli) entweder schon bei der Geburt nicht vorhanden oder verloren gegangen, sodass Flüssigkeit und Nährstoffe nicht über den Darm aufgenommen werden können. Die kleinen PatientInnen sind durch den enormen Flüssigkeitsverlust oft in akuter Lebensgefahr und benötigen eine tägliche 20-stündige Infusionstherapie.

Von der Zellbiologie zur Therapie

Die in Innsbruck bereits durch wichtige Beiträge erforschte Erkrankung wird mit der Arbeit von Georg-Friedrich Vogel einer wirksamen Therapie einen großen Schritt näher gebracht. In den vergangenen Jahren konnte ein interdisziplinäres Innsbrucker ForscherInnenteam um Univ.-Prof. Dr. Lukas A. Huber (Sektion für Zellbiologie, Biozentrum Innsbruck) und ao.Univ.-Prof. Dr. Thomas Müller (Universitätsklinik für Pädiatrie I) bereits das Motorprotein MYO5B sowie in der Folge einen Gendefekt im Protein Syntaxin 3 als krankheitsauslösende Motive für die angeborene, sehr seltene Krankheit identifizieren. Mit der Entwicklung eines spezifischen Gentests zur einfachen und schnellen Diagnose etablierte sich Innsbruck zudem als weltweit führendes Zentrum für die genetische Testung auf MVID.
In der nun mit dem Prof. Brandl-Preis ausgezeichneten Arbeit, die mit knapp 4.000 Downloads vom Server des Magazins JCB bemerkenswertes wissenschaftliches Interesse verzeichnet, gelang es Georg-Friedrich Vogel, ein einzigartiges Zellkulturmodell zu etablieren, das die krankheitsrelevanten Proteine im zellulären Kontext zeigt. „Wir haben die zellulären Krankheitsmuster im Labor gleichsam nachgebaut, sodass alle phänotypischen Merkmale abgebildet werden konnten“, erklärt der Preisträger.
In darauffolgenden Experimenten konnten intrazelluläre Signalwege im Detail dargestellt bzw. auch die Funktion des Motorproteins Myo5B im Kontext mit der Funktion anderer Proteine gezeigt werden. Auch wenn die ForscherInnen vermuten, dass noch weitere unbekannte Gendefekte eine krankheitsrelevante Rolle spielen könnten, ist mit den nun vorliegenden Erkenntnissen die Grundlage für die Entwicklung erster Therapieansätze geschaffen.

Der Preisträger

Der 1985 in Innsbruck geborene Georg-Friedrich Vogel besuchte das Akademische Gymnasium, wo er mit ausgezeichnetem Erfolg maturierte. Im Anschluss studierte er an der Medizinischen Universität Innsbruck Humanmedizin und fokussierte sich bereits in seiner Diplomarbeit auf intrazelluläre Prozesse. Der als Assistenzarzt an der Sektion für Histologie und Embryologie beschäftigte Georg-Friedrich Vogel absolvierte ab 2010 ein Doktoratsstudium im PhD-Programm „Molecular Cell Biology“, das er mit der Doktorarbeit “Characterization of intracellular trafficking in Microvillus Inclusion Disease” mit Auszeichnung abschließen konnte. Für die nun prämierte Forschungsarbeit erhielt Georg-Friedrich Vogel im vergangenen Jahr bereits den Science Award der Österreichischen Gesellschaft für Kinder und Jugendheilkunde.

Prof. Ernst Brandl-Stiftung

Der mit 4.000 Euro dotierte Wissenschaftspreis der Prof. Ernst Brandl-Stiftung wird jährlich alternierend für Arbeiten aus dem Bereich der Medizinischen Universität Innsbruck sowie den Nachfolgefakultäten der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Leopold-Franzens Universität Innsbruck vergeben und besteht aus zwei Teilen: Der erste, wissenschaftliche Teil richtet sich vor allem an Arbeiten im Bereich der Life Sciences, die das Wohlergehen der Menschheit zum Ziel haben, einen umweltschonenden Umgang mit Ressourcen ermöglichen, die Ernährung für Menschen und Tiere sicherstellen oder die Lösung von Umweltproblemen beinhalten. Der zweite Teil des Preises wird für soziale Einrichtungen vergeben. In diesem Jahr wurden dabei das SOS Kinderdorf Imst, die Lebenshilfe Tirol, der Sozialfonds der Stadt Schwaz, das Franziskaner-Ordens-Konvent in Schwaz, die Dekanatskirche Maria Himmelfahrt in Schwaz und die Pfarrkirche St. Barbara in Schwaz bedacht. Die Stiftung geht zurück auf den 1997 verstorbenen Prof. Ernst Brandl, der im Jahre 1952 gemeinsam mit Dr. Hans Margreiter säurestabiles Penicillin entwickelt hat, was die Verabreichung des Antibiotikums in Form von Tabletten oder Sirup ermöglichte.
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