13.09.2016, 13:10 Uhr

Prozess Umfahrung Fügen – Info Veranstaltung der Gemeinde und des Landes Tirol

Im Bild von links nach rechts: Bgm Mag Dominik Mainusch, LHstv Josef Geisler und DI Dr Christian Molzer, Leiter der Abteilung Verkehr und Straße beim Amt der Tir.Landesregierung
Fügen: Feuerwerk Holz Binder | „Was lange währt, wird endlich gut, aber jetzt werden offenbar Nägel mit Köpfen gemacht“ ! So könnte man in etwa die am 12. September 2016 im Feuerwerk der Firma Holz Binder in Fügen stattgefundene Info Veranstaltung der Gemeinde und des Landes Tirol, Abteilung Straßenbau, zum Thema „Umfahrung Fügen“ benennen. In der bald 40 Jahre andauernden Zillertaler Straßendiskussion gab es bereits eine Vielfalt von Planungsstudien, Sitzungen im Gemeindeparlament und Bürgerbefragungen, die auf eine bestimmte, mehrheitsfähige Variante hindeuteten. Trotz all dieser Überlegungen, Kritiken, für manche AnrainerInnen auch Hoffnungen oder Enttäuschungen, geändert hat sich bis dato nicht viel und Fügen und einige Umlandgemeinden drohen nach wie vor im saisonalen Verkehrsstau zu kollabieren.

Jetzt wollen Bürgermeister Dominik Mainusch und der gesamte Fügener Gemeinderat einen Weg einschlagen, der einen dezidierten Fahrplan für die weitere Vorgangsweise des Fügener Straßenprojektes, bzw einen Prozess zur Trassenfindung für die Umfahrung Fügen vorsieht. Dieser Prozess begann nunmehr mit der genannten Anrainerversammlung im Feuerwerk, an der ca 80 Personen teilgenommen haben und dabei Kriterien, Methodik und Gewichtung über zukünftige Strategien besprochen wurden. Diese Sitzungen und Analysen zum Status Quo, insbesondere zur Erarbeitung von Zielen und eines Kriterienkataloges setzen sich bereits am 29.9.2016 und am 20.10.2016 fort. Bei einer ersten Bürgerversammlung im November 2016 und einer weiteren am 15.12.2016 werden dann die erarbeiteten Kriterien und Ergänzungen der Bevölkerung präsentiert. Dieser Prozess zur Trassenfindung wird weiter mit einem Planungsworkshop im Februar 2017 fortgesetzt und in einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft im März 2017 konkretisiert. Eine zweite Bürgerinformation werde es im Mai 2017 geben, in welcher dann die erarbeiteten Varianten vorgestellt und eine Finalisierung mittels Gemeinderatsbeschluss herbeigeführt werden soll. Besonders wichtig sei es Bgm Mag Mainusch, den Fügener GemeinderätenInnen und den verantwortlichen Straßenplanern des Landes Tirol, dass die Bevölkerung und insbesondere alle Anrainer des Straßenprojektes in diesen Trassenfindungsprozess eingebunden werden. Dazu wurden sowohl aus den Mitgliedern des Gemeinderates, sowie auch aus den betroffenen Anrainergebieten Arbeitsteams gebildet, die am Projekt mitarbeiten und über alle Vorgänge informiert werden.
Wir werden heute nicht eine konkrete Trasse festlegen oder erörtern, meinte Bürgermeister Mainusch, ohne die jetzt in Gang gesetzte Trassenfindung vorher breit zu diskutieren und hoffentlich bis Mai 2017 abschließen zu können. Es sei ihm aber schon wichtig, die Anrainer und die Bevölkerung in dieses Straßenbauprojekt einzubinden. Was wir jetzt brauchen, sei anlässlich der aktuellen Verkehrsbelastung auf der B 169 von bis zu 30.000 Kraftfahrzeugen täglich eine rasche Lösung und es könne nicht sein, dass wir nocheinmal 15 Jahre lang darüber diskutieren, meinte der Bürgermeister. Diese rasche Verkehrsentlastung solle womöglich von allen Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürgern, insbesondere aber von den Anrainern mitgetragen werden und ihm sei auch klar, dass es eine 100 %-ige Lösung, bei der alle einer Meinung seien, nicht geben werde. Er mache aber kein Hehl daraus, persönlich die große Lösung, sprich eine neue Straße entlang des Zillers, zu bevorzugen.

LHstv Josef Geisler blickte auf viele Zusammenkünfte in Bezug auf die Umfahrung Fügen mit dem Gemeinderat und der Bevölkerung zurück und verwies auf die Tatsache, dass mindestens zehn oder mehr Zugänge und Varianten in Betracht gezogen worden seien und die Straßenplaner des Landes Tirol hätten sich viel Mühe gegeben, hier eine Lösung zu finden. Es sei einerseits heute aber nicht der Zeitpunkt, „Vergangenheitsbewältigung“ des langjährigen Fügener Straßenumfahrungsprojektes zu betreiben, andererseits brauche man aber sicher nicht bei der Stunde Null zu beginnen, da schon sehr vieles besprochen und Varianten diskutiert worden sind. Das Land Tirol und damals über 600 Mitarbeiter und Freiwillige aus den einzelnen Gemeinden hätten sich schon anlässlich des Strategieplanes Zillertal Gedanken über die zukünftige Aufrechterhaltung der Mobilität in den Tiroler Tälern gemacht. Dazu zähle auch die Beseitigung bestimmter Störstellen entlang der Zillertalstraße. Fakt sei, dass solche Störstellen mehr als genug vorhanden seien, die es zu beseitigen gelte. Das betreffe unter anderem auch die vielen Abbiegespuren an der B 169. Ein wichtiger Punkt in der Mobilität sei der Ausbau und die Elektrifizierung der Zillertalbahn, wobei man hier von Kosten in der Höhe von ca 140 bis 150 Mio €uro sprechen müsse, so Geisler. Das zukünftige Verkehrsaufkommen werde nicht weniger, wie diverse Studien zeigen würden. Wenn im Zillertal zwischen 28.000 und 30.000 Kraftfahrzeuge täglich gezählt werden, so belaufe sich diese Zählung auf der Inntalautobahn zwischen 60.000 und 70.000 Autos. Wenn die große Lösung für die Umfahrung Fügen (Straße evtl entlang des Zillers in Richtung Autobahnauffahrt Münster Wiesing) angedacht werde, so müsse man auch in Betracht ziehen, dass dann der dreispurige Ausbau der Autobahn notwendig werde, meinte der für den Straßenbau in Tirol zuständige Tiroler Landeshauptmannstellvertreter. Er persönlich könne sich diese Lösung in nächster Zukunft nicht vorstellen. Das Land Tirol habe die Priorität für die Umfahrung Fügen jedenfalls an erster Stelle gereiht und nach einer hoffentlich positiven Lösung einer Trassenfindung stehe einer raschen Umsetzung nichts mehr im Wege, so Geisler.

DI Dr Christian Molzer Leiter der Abteilung Verkehr und Straße in Tirol meinte, es sei unbestreitbar, dass die Zillertal Straße B 169 mit einem Verkehrsaufkommen von fast täglich 30.000 Autos mit ihrer Kapazität am Ende sei. Daher gelte es, diverse Störstellen zu beseitigen. Die generelle Überbelastung der B 169 zeige sich insbesondere am Knoten Fügen Nord, an den ungesicherten Eisenbahnkreuzungen, beim Fußgängerübergang am Bahnhof Fügen, am Problem des nichtmotorisierten Verkehrs, sowie an den vielen Abbiegespuren entlang der Straße. Es seien schon viele Pläne und Vorschläge für die Umfahrung Fügen in den vergangenen Jahren ausgearbeitet, wiederum verworfen oder umgeplant worden, meinte DI Dr Molzer und er hoffe, dass man jetzt in eine Phase trete, in welcher die Anrainer und die Fügener Bevölkerung letztendlich festlegen, für welche Variante man sich entscheide.
Margarethe Weisleitner, Obfrau des Vereines L(i)ebenswertes Zillertal meldete sich zu Wort und bezweifelte die Zahlen der Verkehrszählung, wonach in den vergangenen Monaten angeblich um 5 % weniger Verkehr, abrufbar auf der Homepage des Landes Tirol (www.tirol.gv.at, gezählt wurde als in den Monaten davor. Sie meinte, dass die Zählstelle südlich der Firma Holz Binder aufgestellt worden sei und damit z.Bsp nicht mehr jene Fahrzeuge auf der B 169 erfasst worden wären, die bereits vor der Erfassung abgebogen und nicht weiter taleinwärts gefahren wären. Dem entgegnete Dr Molzer, dass die Zahlen für Juni 2016 noch nicht in die Berechnungen miteingerechnet worden seien. Grundsätzlich würden die Zahlen aber stimmen.
Nachdem sich die einzelnen Anrainervertreter zur Mitarbeit beim Prozess für die Findung einer hoffentlich für alle annehmbaren Trasse für die Fügener Umfahrung bereiterklärt haben, dankte Ulrich Müller, ein Spezialist in Sachen strategische Beratung und Konzeption bei Infrastrukturvorhaben allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Info Veranstaltung.
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