16.08.2016, 14:22 Uhr

Schulprojekt "Zeit schenken"

Die engagierten Schülerinnen und Schüler mit Vertretern der Einrichtungen (Foto: Alexander van Dellen)

“Zeit schenken”: Ein Freiwilligenprojekt, das an der BHAK/BHAS Schwaz Schule macht!

SCHWAZ/BEZIRK. Auch im vergangenen Schuljahr engagierten sich 30 Schülerinnen und Schüler beim Freiwilligenprojekt “Zeit schenken”, das an unserer Schule bereits zum neunten Mal jungen Menschen die Möglichkeit bietet, in Sozial- bzw. Bildungseinrichtungen im Bezirk Schwaz Erfahrungen zu sammeln und verschiedene dabei Kompetenzen zu erwerben.

Lange Vorbereitung

Am 5. Oktober fand dazu im Präsentationsraum unserer Schule die Kick-Off Veranstaltung statt, bei der ca. 40 interessierte Schülerinnen und Schüler anwesend waren. Die 30 Schülerinnen und Schüler erklärten sich bereit, von November bis Mai in sozialen Einrichtungen, wie beispielsweise Wohn- und Pflegeheimen, in Flüchtlingsheimen, in Einrichtungen für Menschen mit einer körperlichen bzw. geistigen Beeinträchtigung, aber auch in Kindergärten und Pfarren freiwillig zu engagieren und zwei Mal wöchentlich Menschen vor Ort ihre Zeit schenken.
Dabei lernten die Schülerinnen und Schüler neue Lebenswelten kennen, erwarben sich durch ihren Einsatz soziale Kompetenzen, wie Verlässlichkeit, Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit. Sie konnten mit Freude für andere Menschen da sein und lernten dabei, auch schwierige Situationen zu meistern.
Beim Zwischentreffen Ende Februar zogen die Helfer und Helferinnen eine erste Zwischenbilanz und waren mit ihrem bisherigen Einsatz sichtlich zufrieden.

Gegenseitiges Profitieren

Am 31. Mai erhielten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Anwesenheit vieler Vertreterinnen der einzelnen Einrichtungen ein Zertifikat, das ihnen für ihr späteres Berufsleben Vorteile bringen kann.
Aber auch die Einrichtungen profitieren von den regelmäßigen „ZeitschenkerInnen“, da sie durch ihr Engagement zu mehr Lebendigkeit und einer Qualitätsverbesserung beitragen sowie der Austausch zwischen Generationen und Kulturen gefördert wird.

Schüler und Schülerinnen berichten

Im Folgenden berichten SchülerInnen, wie es ihnen bei ihrem Einsatz ergangen ist:

„Für mich war der regelmäßige Besuchsdienst im Senioren- und Pflegeheim eine wichtige Lebenserfahrung. Auch wenn ich vor den ersten Besuchen jedes Mal sehr nervös war, wandelte sich im Laufe der Wochen die Angst vor alten und pflegebedürftigen Menschen in Freude, da ich erleben durfte, wie sehr die Menschen dort auf mich warteten. Die glückliche Ausstrahlung einer alten Frau – jedes Mal, wenn ich ihr Zimmer betrat, ließ auch mich Freude und Zufriedenheit in meinem Herzen spüren. Für mich war das halbe Jahr sehr prägend und wertvoll, das ich durch meinen Einsatz lernte, das Laben mit anderen Augen zu sehen und zu schätzen. Ich bekam viele Eindrücke vom Leben und den Sorgen älterer Menschen. Ich erfuhr vieles aus ihrer Jugend, wie man früher lebte und welche Werte wichtig waren. Ich sah aber auch, dass viele Menschen auf die Hilfe anderer angewiesen sind, was mich manchmal erschütterte. Als ich jedoch erfuhr, dass auch ich durch meine konkrete Hilfe den Alltag manch einer Heimbewohnerin erleichtern konnte, ging mir auf, wie wichtig es ist, dass alte und junge Menschen einander unterstützen, da wir alle einander brauchen. So bin ich sehr froh, beim Projekt „Zeit schenken“ mitgemacht zu haben, weil ich sehr viel für mein späteres Leben lernen durfte, was ich in der Schule sonst nirgends lerne.“ (Raphael Tschon, 2 BK)

"Mir hat ‚Zeit schenken‘ sehr gut gefallen. Ich war als Ministrantenbetreuer in der Pfarre St. Barbara in Schwaz tätig. Ich lernte in dieser Zeit vor allem Projekte zu organisieren (Ausflüge, Spielnachmittage etc.). Ich lernte auch, wie vielfältig das Leben in einer Pfarrgemeinde ist. Es war für mich wunderbar, Stunden meiner Freizeit für andere Menschen herzugeben. Ich war auch sehr beeindruckt, wie die Schule hinter diesem Projekt steht. Durch dieses Projekt erlernt man eine sehr gute soziale Kompetenz und das ist gerade für eine Schulausbildung sehr wichtig, weil das in unserem Stundenplan nicht vorkommt. Gerade in einer wirtschaftlich orientierten Schule braucht es als Gegengewicht eine soziale Tätigkeit. Wenn alle nur gegen Entgelt arbeiten würden, würde unser Arbeitsmarkt nicht mehr existieren."
(Dorian Vrbjak, 17 Jahre, 3. Klasse Handelsschule, Einsatzort: Pfarre St. Barbara. Schwaz).

"‚Zeit schenken‘ war für mich ein interessantes Erlebnis und hat mir das ganze Jahr über sehr viel Freude bereitet. Ich habe den Umgang mit Kindern regelrecht genossen und mir manchmal gewünscht, selber wieder ein Kind zu sein. Erinnerungen an meine Kindheit wurden in mir wach und ich lernte in dieser Zeit, die Welt wieder mit den Augen eines Kindes zu sehen, aber auch Dinge, die ich im Alltag als selbstverständlich betrachte, wie ein Kind zu hinterfragen."
(Merve Genc, 17 Jahre, 3. Klasse Handelsschule, Einsatzort: Dr. Wlasak Kindergarten Schwaz)

"Es war sehr schön zu sehen, dass sich Kinder auf mich gefreut haben und es kaum erwarteten, bis ich jede Woche wieder gekommen. Es war für mich eine sehr gute Erfahrung, meine Zeit zu schenken. Bei der vielen Freizeit, die wir haben, kann meiner Meinung nach jeder zwei Stunden Zeit an jemanden „schenken“. Ich lernte dabei, wie wertvoll es ist, auf die kleinen Dinge im Leben zu achten, wie beispielsweise auf das Lächeln eines Kindes und dass es nicht selbstverständlich ist, in Sicherheit und Frieden in der Heimat leben zu dürfen. Ich habe bei meinem Einsatz das Leben jeder Flüchtlingsfamilie kennen gelernt und es war für mich sehr interessant, was sie mir alles erzählt haben, es war aber auch sehr traurig, unter welchen schlimmen Zuständen, sie aus ihrem Heimatland flüchten mussten. Durch meinen Einsatz habe ich sehr viel Verständnis für sogenannte ‚Flüchtlinge‘ bekommen und ich finde es sehr unfair, wie in der Gesellschaft oder in den Medien das Thema oft behandelt wird. Ich werde mich auf jeden Fall auch in Zukunft bei weiteren sozialen Einrichtungen melden, um dort ehrenamtlich mitzuarbeiten." (Nazli Kaya, 17 Jahre, 3. Klasse Handelsschule, Einsatzort: Flüchtlingsheim Müllergrund, Schwaz)

Soziale Kompetenz

Die Berichte der SchülerInnen machen deutlich, dass der freiwillige und regelmäßige Einsatz in sozialen Einrichtungen, der Dienst am älteren Menschen, als eine Zeit mit ganz besonderem Sinn erfahren und erlebt wird. Besonders deutlich wird das Erlernen und Erfahren von Mitmenschlichkeit und sozialer Verantwortung an Menschen mit Schwächen und Nöten.

So bleibt zu hoffen, dass sich auch in Zukunft viele Schülerinnen und Schüler am Projekt „Zeit schenken“ beteiligen werden und dadurch die Erfahrung machen dürfen, dass ihnen „Helfen ein Zugewinn an Leben bringt“ (Lothar Kuld).

Mag. Alexander van Dellen, Projektbegleiter
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