Chronik von Mannswörth (17)

Aus einer Statistik von 1861 bis 1867 ergibt sich über die Bevölkerungsbewegung folgendes Bild: Anzahl der Seelen 1147, davon 2 Protestanten, im Jahre 1860.
Geburten Trauungen Todesfälle
1861 42 11 61
1862 48 8 36
1863 39 10 34
1864 37 5 31
1865 49 11 24
1866 40 3 56
1867 35 8 28

Am 3. Februar 1862 war der Wasserstand der Donau so hoch, daß das Wasser vom 4. bis zum 6. April im Keller des Pfarrhofes stand. Das Hochwasser brachte auf der Donau eine große Menge Brennholz, welches von den hiesigen Bewohnern aufgefangen und trotz des Verbotes des Bezirksamtes in den umliegenden Orten verkauft wurde. Ein Bewohner wurde wegen Renitenz gegen das Amt mit fünfzig Gulden für das Armen-Institut bestraft.

In Mannswörth gab es fünf Freihöfe. Diese waren die Häuser: Mannswörth Nr. 1 (heute Gasthaus Michael Wegl), Mannswörth Nr. 39 (heute Sudy Josef) Nr. 62 (heute Bauer Leopold), Nr. 89 (heute der Reitverein in der Römerstraße) und Nr. 104 die Neumühle.

Am 25. Mai 1868 wurde das neue Reichsvolksschulgesetz beschlossen und am 14. März 1869 von Kaiser Franz Josef I. sanktioniert. Es trat damit im Volksschulwesen eine bedeutende Umwälzung ein. Die Schulaufsicht war nunmehr weltlich. Die Schule unterstand dem Landes-, Bezirks- und Ortsschulrat. Die unmittelbare Aufsicht hatte seit 1. März 1869 die Bezirkshauptmannschaft Bruck an der Leitha. Das Turnen wurde obligat.

Die Kinder besuchten vom 6. bis zum 14. Lebensjahr die Schule, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses. Das Schulgeld wurde abgeschafft und der Lehrplan erweitert. Bis dahin wurde außer Religion, Sprachlehre, Lesen, Schreiben und Rechnen auch Gesang gelehrt.
Nun war Naturkunde, Geschichte, Geographie, geometrische Formlehre, Gesang und Turnen hinzugekommen.

In den Jahren 1869 bis 1884 erfolgte die Regulierung der Donau von Nußdorf bis Fischamend. Für viele Bauern war die Regulierung Segen und Fluch zugleich. Sie leisteten Fuhrwerksdienste, führten Kantinen im Eigenbetrieb und verdienten viel Geld. Die Frauen führten mit fremdem Personal die Wirtschaften. Die meisten Bauernwirtschaften wurden arg vernachlässigt.

Die großen und leichten Einnahmequellen machten sie leichtsinnig, und so lebten viele auf großem Fuß. Die Donauregulierung fand ihr Ende und damit auch die großen Einnahmen. Viele waren das mühelose Geldverdienen gewohnt, aber nicht die harte Bauernarbeit, die schwer war und geringeren Verdienst brachte.

Da tauchte der damals schon kapitalstarke Anton Dreher, Bierbrauer in Schwechat, auf. Er hatte Geld und suchte eine sichere Kapitalsanlage. Dreher borgte solange, bis ca. 2.000 Joch Ackerland, ehemaliger Bauerngrund, und vierzehn Häuser in Dreherischen Besitz übergingen. Oftmals wußte der Anrainer nicht, daß sein Nachbar nicht mehr Herr auf seinem Hof war.

Viele Bauern waren zu Pächtern geworden. Als sie auch den Pachtzins nicht mehr leisten konnten, übernahm die Gutsherrschaft des vermögenden Dreher die Gründe und bewirtschaftete sie selbst. Vielen blieb nur mehr ein kleines Grundstück beim Haus, manchen auch ein sogenanntes "Krautackerl".

Die Männer gingen einer Beschäftigung in Schwechat oder in Wien nach. Die bodenständige Arbeiterschaft fand Beschäftigung in der Brauerei, in den Metallhüttenwerken, der Kohlenstiftenfabrik, in den Sauerstoffwerken sowie in der Textilindustrie.
Es kamen auch viele bei kleineren Firmen unter.

Im Jahre 1870 gab es in Mannswörth 124 Häuser und 1230 Einwohner.

...Fortsetzung folgt
0
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.