13.09.2016, 16:40 Uhr

Eine kleine Gedankenexkursion, die ich mit all jenen teilen möchte, die ambitioniert und mit Herz fotografieren

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Ein eigenes Mysterium, das sich immer wieder bestätigt, in Friedhofs- oder Kirchennähe sieht plötzlich alles einen Tick besser aus, wenn es Schwarz-Weiss ist. Plötzlich kommt das "aha", jetzt ist noch mehr Stimmung drinnen. Hier eine meine selbstauferlegten Regeln: "Begnüge dich niemals damit, das Farbbild einfach in S/W umzuwandeln", sondern betrachte das Bild nachher genau, entscheide, ob es an Kontrast fehlt, oder an manchen Stellen die Lichter noch betont werden könnten, um die Bildwirkung zu verbessern
Wien: Luegerkirche | Eine kleine Gedankenexkursion, die ich mit all jenen teilen möchte, die ambitioniert und mit Herz fotografieren.

Viele Diskussionen gibt es darüber "Was ist ein gutes Bild?". Einig sind sich die meisten darüber, dass für jeden etwas Anderes gut und alles eben auch Geschmackssache ist. Jemand, dem beispielsweise vor Tomaten oder Spinnen graust, oder der eine Aversion zu Friedhöfen hat, der wird auch die schönsten audrucksstarksten Bilder davon nicht mögen, egal wie perfekt sie präsentiert wurden.

Für mich als Gefühlsmensch sollte das Bild, das ich betrachte (eigene und andere), eine Stimmung in meinem Kopf hervorrufen, es soll mir etwas sagen, an etwas erinnern, mir erzählen, was der/die Fotografierende ausdrücken wollte. "Bild sprich zu mir" :-)).
Das tut es bei mir auch, wenn mal nicht alles nach Lehrbuch ging, oder eventuell das Grün im Bild im Sommer einen Tick zu herbstlich ist, etc. Klar, extrem gedankenlos gemachte Bilder (eigene oder andere) lösen meist nichts aus, weil eben so alles an Ansprechendem fehlt, was zur Stimmung beitragen könnte. Alles andere wäre Zufall.

Ich bewerte Bilder nicht danach, ob jemand per Zufall und Vollautomatik mit teurem oder einfachem Gerät genau meine Stimmung traf oder, ob er/sie eine gewisse Zeit für Postproduktion dafür aufwendete. Einzig und allein das Endergebnis und die Wirkung, Individualität des Bildes, der bleibende Eindruck zählt für mich.

Viel zu oft wird allerdings außer Acht gelassen, dass die Stimmung, die man selber an Ort und Stelle beim Fotografieren erlebt und nachher dem Betrachter vermitteln will, nicht selbstverständlich von alleine letztendlich dann im Bild rüberkommt, weil eben das menschliche Auge anders sieht, als es die Kamera tut, das Auge lebt, die Kamera und letztendlich das Bild jedoch lebt vom Input, den er vom Fotografen erhält. Ganz abgesehen davon, dass man selber die tolle Stimmung, die man erlebte, immer vor Augen hat, welcher Eindruck dem Betrachter, der nicht vor Ort war, jedoch fehlt.

Will man also einen lebendigen Eindruck vermitteln und bewirken, dass das Bild auch annähernd das repräsentiert, was während der Aufnahme empfunden wurde, bedarf es sehr wohl des Umstandes, sich vor, während und nach der Aufnahme so seine Gedanken zu machen.

Was gefällt mir an der Situation, an meinem Haustier, an dem Park, eben dem Motiv so gut, dass ich andere daran teilhaben lassen will?

Wie sieht es aus, wenn ich ein unüberlegtes Foto mache?

Was ist der Unterschied zum Realen und dem auf dem Bild dargestellten?

Wie kann ich das reale gewisse Etwas ins Foto rüberbringen?

Bin ich mit der Kamera kerzengerade am Parkrand gestanden und habe die Kamera einfach ans Auge gehalten und den Auslöser betätigt und wundere mich, dass es hernach womöglich ziemlich flau und wirkungslos aussieht?

Habe ich verschiedene Perspektiven ausprobiert, weiter runter, weiter rauf, mehr links, mehr rechts, was war das Hauptmotiv, nur der schöne Brunnen oder gar die ganze Blumenwiese, je nachdem wird man sich dann gestalterisch schon vor dem Auslösen entscheiden müssen oder eben alles durchprobieren, damit man vergleichen kann, was entspricht dem, was man sich vorstellte am ehesten und was davon kann man vergessen?

Allem voran sollte meiner Meinung nach die Entscheidung stehen, nicht mit dem Vorsatz rauszugehen, so viele Bilder wie möglich zu machen und eine Speditionsladung an Ausrüstung mitzuschleppen, den Auslöser rattern zulassen bis 300 Bilder samt Motiven entdeckt sind, der Sensor gleich wieder verschmutzt ist, weil man mit dem Objektivwechsel nicht nachkommt, sondern lieber nur ein paar besondere Motive auswählen und diese so toll als möglich zu inszenieren. Dazu genügt es eben in 99% der Fälle nicht, ein viel gezeigtes Motiv anstatt von links einfach von rechts zu zeigen.

Langer Rede kurzer Sinn - Fotografieren ist ein sehr ergiebiges Hobby, fördert Hirnleistung und Kreativität, wenn man es will und nicht immer nur das Schema "F", das ich gerne als "Faulenzerschema" bezeichne, betreibt. Besonders als Einheimische/r ist es doppelt schwer die üblichen Touristenattraktionen so zu präsentieren, dass sich die Aufnahmen von anderen abheben, weil auch die Touristen nicht schlafen, und aufgrund des Umstandes, dass sie das Motiv nicht so häufig sehen wie wir, oftmals die besseren Bilder davon liefern.

Die weiteren Gedanken findet ihr unter den dazugehörigen Bildern. Auf teilnehmende Reaktionen aller, die meinen Gedanken etwas abgewinnen können, freue ich mich. Jenen, die es nicht interessiert, bleibe ich dennoch gewogen :-).

Mein Motiv und Ziel war es, die Friedhofskirche zum Heiligen Karl Borromäus (Lueger-Kirche) einmal aus einem anderen Blickwinkel zu zeigen und sie einfach aus dem gewohnten Postkartenanblick herauszurücken. Rein wegen der der Optik beginnt die Bilderreihe mit dem letzten Bild und endet mit dem ersten.

LG Sylvia
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Christine Draganitsch aus Eisenstadt | 13.09.2016 | 18:01   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 13.09.2016 | 18:04   Melden
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Kurt Dvoran aus Schwechat | 13.09.2016 | 18:29   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 13.09.2016 | 18:40   Melden
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renate krska aus Neubau | 13.09.2016 | 19:02   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 13.09.2016 | 19:13   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 13.09.2016 | 19:31   Melden
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Erika Bauer aus Bruck an der Mur | 13.09.2016 | 19:36   Melden
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Friederike Neumayer aus Tulln | 13.09.2016 | 19:48   Melden
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Tatjana Rasbortschan aus Flachgau | 13.09.2016 | 19:50   Melden
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Sabine Stanglechner-Stöfan aus Osttirol | 13.09.2016 | 20:25   Melden
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Hanspeter Lechner aus Innsbruck | 13.09.2016 | 21:03   Melden
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lieselotte fleck aus Simmering | 13.09.2016 | 21:54   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 13.09.2016 | 22:08   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 13.09.2016 | 22:08   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 13.09.2016 | 22:09   Melden
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Marie O. aus Graz | 13.09.2016 | 22:09   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 13.09.2016 | 22:11   Melden
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Heidi Michal aus Favoriten | 13.09.2016 | 23:00   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 14.09.2016 | 10:15   Melden
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Peter Janacek aus Liesing | 14.09.2016 | 11:36   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 14.09.2016 | 12:24   Melden
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Karl B aus St. Veit | 14.09.2016 | 15:37   Melden
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Karl Vidoni aus Innsbruck | 14.09.2016 | 20:03   Melden
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Franz Mandl aus Eisenstadt | 14.09.2016 | 21:54   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 15.09.2016 | 11:23   Melden
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Josef Samuel aus Favoriten | 16.09.2016 | 16:25   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 21.09.2016 | 10:47   Melden
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