18.10.2016, 16:25 Uhr

COPD - eine weitgehend ignorierte Krankheit

Dres. Edeltraud Lenhard und Michael Muntean

Auftakt des Wintersemesters des Mini Med Studiums in Spittal

SPITTAL. Zum Auftakt des Wintersemesters des Mini Med Studiums hat Primarius Michael Muntean über Lungenerkrankungen, speziell COPD referiert. Die chronische Atemwegerkrankung der Lunge (Chronic Obstructive Pulmonary Disease), vulgo: Raucherlunge, ist zwar als "die neue Volkskrankheit" tituliert worden, doch wirklich "neu" sei sie nicht, so der Referent: "Es hat sie wohl auch schon vor 1.000 Jahren gegeben", doch sei sie viel zu lange ignoriert worden. Der Ärztliche Leiter des Humanomed-Zentrums in Treibach/Althofen schätzt die Zahl der an COPD Erkrankten allein Kärnten auf etwa 60.000.

Krankheit unheilbar

Zu Beginn des gut einstündigen Vortrags im Ahnensaal von Schloss Porcia stimmte Moderatorin Edeltraud Lenhard die Zuhörer im rituellen "Mini Med bewegt" mit Atemübungen ein, bevor der 44-jährige Lungenfacharzt gleich zu Beginn konstatierte: Geheilt werden könne die Krankheit nicht, wohl aber gelindert und gebremst.

Als Ursache der permanenten Entzündung und dem daraus resultierenden Anschwellen der Schleimhaut nennt Muntean zu 80 Prozent Zigarettenrauch, der entweder aktiv oder passiv eingeatmet wird. Deshalb sein dringender Appell: "Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören - auch als 70-Jähriger nicht." Weitere Ursachen können Luftverschmutzung sowie am Arbeitsplatz chemische Dämpfe oder feiner Staub sein.

40 Rauchertote täglich

Welche Gefahren besonders vom Rauchen ausgehen, machte der Mediziner daran fest, dass allein Österreich jährlich 14.000 Menschen an ihrer Nikotinsucht sterben, also 40 am Tag! Die Anteil der Raucher wird mit 34 Prozent der Bevölkerung (43 Prozent aller Männer, 34 Prozent der Frauen) angegeben. Zumal der hohe Anteil jugendlicher Raucher (53 Prozent der unter 19-Jährigen, von denen wiederum 14 Prozent meht als 20 Tschik täglich rauchen) macht dem Arzt Sorgen, da deren Lungen noch nicht voll ausgereift seien.

Erste Symptome der Atemwegerkrankung sind, wie der Referent informierte, der (morgentliche) Husten mit Schleimauswurf, im fortgeschrittenen Stadium Atemnot beim Laufen, Treppen- und Bergsteigen - schließlich sogar im Ruhezustand. Dann braucht der Patient eine Langzeitsauerstofftherapie.

Medikamente verlangsamen Krankheit

Das Mittel der Wahl für eine erfolreiche Therapie ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Muntean: "Kein Medikament kann Nikotinstopp ersetzen." Gleichwohl vermögen Arzneien die Funktion der Lunge zu verbessern und den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen. Angewandt werden zuförderst sogenannte Bronchodilatatoren, also Medikamente, die die Muskulator der Atemwege entspannen und so die Atemwege erweitern.

Ein Tipp zum Schluss: Bei der Inhalationstherapie wird der Wirkungsgrad der Dosieraerosole Systems durch sogenannte Spacer wesentlich erhöht, weil durch das Verdampfen des Treibgases im Hohlraumsystem der Wirkstoff nicht größtenteils im Rachen oder in der Luftröhre verbleibt, sondern nahezu dahin gelangt, wo er wirksam sein soll: in der Lunge.

Umschulung wegen COPD

Der von Johanna Oberhuber begleitete Oberdrauburger Siegfried Presslaber berichtete, als Lackierer COPD bekommen zu haben. Als Berufskrankheit anerkannt, musste er 1999 deswegen umschulen. Der Drautaler besucht seitdem regelmäßig den Barbara-Stollen in Dellach.

Manuela Felsberger und Michaela Kraut sind Krankenschwestern und aus beruflichem Interesse zum Vortrag gekommen. Dem Glimmstengel haben sie vor sechs beziehungsweise drei Jahren abgeschworen.

Hannes Demutz wiederum sagt in Begleitung seiner Frau Christine, die Mini-Med-Vorträge besuche er allgemein wegen des hohen Informationswertes. Auch sei vom Thema selbst betroffen, weil er seit zwei Jahren kaum mehr rauche.
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