06.04.2016, 13:21 Uhr

Hubschrauber-Alarmierung soll überdacht werden

Der Christophorus 7 brachte den Mann ins Krankenhaus Spittal (Foto: ÖAMTC)

Bundesländerübergreifende Direkt-Alarmierung könnte bald Realität sein; Vorbild von "Notruf Niederösterreich" soll in Kärnten angedacht werden.

BEZIRK SPITTAL (ven). Die Alarmierung des in Nikolsdorf stationierten ÖAMTC-Flugrettungshubschraubers Christophorus 7 (C7) könnte überarbeitet werden. Landtagsabgeordneten Christoph Staudacher (FPÖ) liegen die Zeitverzögerungen beim derzeitigen System nämlich im Magen, er möchte im Landtag entsprechend vorgehen.

Wartezeit für Patienten

"Der C7 im Osttiroler Nikolsdorf unterstützt in Notfalleinsätzen den Oberkärntner Raum und ist unverzichtbarer Bestandteil in der Rettungskette. Doch müssen Patienten wegen bürokratischer Anordnungen bis zu fünf Minuten länger auf das Eintreffen des Hubschraubers warten", ärgert sich Staudacher.

Rücksprache mit Tirol

Der Grund: Freigaben für die Einsätze dürfen nur durch die zuständige Landesleitstelle in Tirol erfolgen. "Erst nach telefonischer Rücksprache durch die Rettungsleitstelle des Roten Kreuzes in Klagenfurt mit der Landesleitstelle in Tirol erfolgt die Alarmierung des Christophorus 7", sagt er. "Für Einsätze in Osttirol erspart man sich die zeitaufwendige Rücksprache und die Hubschrauberalarmierung erfolgt direkt. Dies sind wertvolle Minuten im Kampf zwischen Leben und Tod. Diese unnötige Zeitverzögerung gehört abgestellt." Außerdem: In Wien und Niederösterreich ist eine bundesländerübergreifende direkte Alarmierung bereits Realität.

Telefonische Weitergabe

Flugrettungs-Geschäftsführer Reinhard Kraxner bestätigt: "Tatsache ist, dass derzeit eine solche Möglichkeit nur von der Leitstelle 'Notruf Niederösterreich' für die benachbarten Bundesländer Oberösterreich, Steiermark, Wien und Burgenland angeboten wird. Zwischen allen anderen Bundesländern gibt es derzeit nur die Möglichkeit der telefonischen Weitergabe der Einsatzdaten, was natürlich zu Zeitverzögerungen führen kann, die allerdings meist sehr kurz sind."

"Geringer Aufwand"

Seiner Einschätzung nach könne man das System leicht zwischen anderen Bundesländern realisieren, der "dafür nötige Aufwand ist als eher gering einzustufen", so Kraxner zur WOCHE. Er vermutet einen Programmieraufwand des Systems von ein bis zwei Tagen.

"Wollen Gespräche aufnehmen"

Auf WOCHE-Anfrage hin will sich das Land Kärnten mit der zuständigen Referentin Beate Prettner das System nochmals ansehen. "Grundsätzlich funktioniert unser Notarzthubschraubersystem in Kärnten hervorragend. Nichtsdestotrotz stehen wir einer Optimierung natürlich positiv gegenüber. Jede Minute, die man reduzieren kann, ist für den Patienten eine gewonnene Minute", so Martin Mießl, zuständig für das Rettungswesen in der Landesregierung. Er verspricht, Gespräche mit der Landesleitstelle Tirol aufzunehmen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. "Das wird demnächst abzuklären sein", informiert er.

Zur Sache:

Die Flugeinsatzstelle Lienz/Nikolsdorf des Bundesministeriums für Inneres besteht seit Oktober 1986. Seit diesem Zeitpunkt wurde dort neben der Unterstützung der Sicherheitsexekutive mit Martin 6 auch ein organisierter Notarzthubschrauberdienst betrieben.

Nach 14 Jahren und 6.951 Einsätzen übernahm am 1. Jänner 2001 der Christophorus Flugrettungsverein mit Christophorus 7 den Notarzthubschrauberdienst für den Raum Osttirol und Oberkärnten im Rahmen eines Assistenzvertrages mit dem Bundesministerium für Inneres. Die sicherheitspolizeilichen Aufgaben von Martin 6 hat nun die Flugeinsatzstelle Klagenfurt übernommen.

Im Juni 2003 bekamen Christophorus 7 und seine Crew einen neuen Hangar mit bequemen Mannschaftsräumen am Flugplatz Nikolsdorf.

Führungsgremium

Stützpunktleiter:
Cpt. Klaus Rainer

Leitender Flugrettungsarzt:
Dr. Helmut Gatterer

Leitender Flugrettungssanitäter:
Friedrich Podesser

Einsatzstatistik 2015:

Kärnten: 382 (53,1 Prozent; plus 33,1 Prozent zu 2014)
Tirol: 335 (46,5 Prozent; plus 54,4 Prozent zu 2014)
Sonstige: 3 (0,4 Prozent; 2014 gleichbleibend)
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