06.08.2016, 13:20 Uhr

Politik außer Kontrolle

Regisseur Dominik Paetzholdt

Dominik Paetzholdt inszeniert Ray Cooney mit dem Ensemble Porcia. Dabei gibt es viele Parallelen mit der wirklichen Polit-Welt.

SPITTAL (ven). Eine Leiche, eine Affäre, ein Politiker und eine Hotel-Suite - das ist der Stoff, der in "Außer Kontrolle" von Ray Cooney für haufenweise Verwirrung und Lacher sorgt. Dominik Paetzholdt inszenierte das Stück heuer mit dem Ensemble Porcia im Schloss.

Vom Zivi zur Regie

"Heidelinde Weis hat einen wesentlichen Anteil daran, dass ich heute Regisseur bin", erklärt Paetzholdt. Er hat nämlich als Zivildiener ihren Mann in München betreut und sich mit ihr viel über das Theater unterhalten in dieser Zeit. "Als Dankeschön habe ich eine Regie-Hospitanz machen dürfen", sagt er. Als Kind wollte er ADAC-Mann werden, daraus wurde dann allerdings doch nichts. "Ich habe aber im Schultheater gespielt, allerdings ohne Talent", schmunzelt er.

Politiker und ihre Affären

Im Stück geht es um einen hochkarätigen englischen Politiker (gespielt von Reinhardt Winter), der sich zu einem Schäferstündchen mit der verheirateten Sekretärin (Isabella Szendzielorz) des Oppositionsführers in einem Londoner Hotel trifft, und das, während er eigentlich bei einer Debatte im Parlament sein sollte. Natürlich sollte von dem Tête-à-Tête niemand etwas mitbekommen. Umso heikler wird die Situation, als sie einen leblosen Einbrecher (Stefan Moser) entdecken, der im Fenster der Hotel-Suite hängt. Nun gilt es, die Vorfälle vor der Öffentlichkeit als auch dem Hotel-Manager (Alexander Rossi), dem Kellner (Günter Gräfenberg), sowie Ehefrau (Susanne Altschul) und Ehemann (Ferdinand Kopeinig) zu verbergen. Dabei soll ein Sekretär (Dominik Kaschke) - ein braver Parteisoldat - helfen. Und alles läuft aus dem Ruder.

Keine Wiederwahl

Gibt es Parallelen zur realen Polit-Welt? "Wir haben das Stück in das England zur Zeit von Margaret Thatcher gesetzt. Gerade damals war alles sehr konservativ, dennoch herrschte eine Doppelmoral. Inwieweit muss man nun lügen, um die Partei zu retten?", so Paetzholdt. Alle hätten Dreck am Stecken - "wie im echten Leben", schmunzelt er. Verträgt die Gesellschaft die Ehrlichkeit? "Leider zu wenig. Wer ehrlich ist, wird nicht mehr gewählt", sagt er.

Im Retro-Stil

Cooney hat das Stück eigentlich in den 80er Jahren angesiedelt, gemeinsam mit Kostümbildnerin Daphne Katziner hat sich Paetzholdt für die 60er, 70er Jahre entschieden. "Das war ästhetisch schöner, auch von den Kostümen her", sagt er. Das Stück funktioniere mit einem Wählscheibentelefon besser, die Charaktere müssen Notsituationen ohne Handy lösen. Dabei sei die Schadenfreude für den Zuschauer besonders schön.

Sound auf der Bühne

Besonders bei der Inszenierung sind auch die "Sound-Effekte" von Stefan Heckel. Er ist als Musiker auf der Bühne zu sehen und kommentiert mit den Effekten das Geschehen, schafft damit Atmosphäre. "Es ist irgendwie filmisch, mit viel Slapstick. Heckel produziert live Geräusche wie Knarzen von Türen oder das Zuknallen des Fensters. Auch wenn ein Darsteller das Radio auf der Bühne einschaltet, ertönt Musik von Heckel", verrät der Regisseur, der von Kollegin Ute Willing dem Ensemble Porcia empfohlen wurde.

Job mit Premiere erledigt

Paetzholdt fühle sich sehr wohl in Kärnten, besonders das Essen (Kasnudeln) hätte es ihm angetan. "Ich wurde hier liebevoll aufgenommen, insgesamt sechs Wochen bin ich hier." Die Arbeit gestaltet sich für ihn anders als bisher. "Normalerweise arbeite ich vier bis fünf Stunden am Tag, hier habe ich wegen der vielen Produktionen nur drei Stunden. Da muss ich mich selbst disziplinieren, aber die Schauspieler sind alle Profis", so Paetzholdt. Sein Job war mit der Premiere eigentlich erledigt. "Wenn es sich eingespielt hat, komme ich zurück und sehe mir das Stück noch einmal an", verspricht er.

Zur Person:

Name: Dominik Paetzholdt
Geburtstag: 20. Dezember 1977
Wohnort: Berlin
Familie: In einer Partnerschaft
Regisseur seit: 2009
Hobbys: Fußball sehen und spielen - Lieblingsmannschaft FC Freiburg, Theater, essen, verreisen, der Beruf
Lieblingsstück: Habe immer davon geträumt, einen Cooney zu inszenieren
Vorbilder: Unterschiedliche Regisseure, Heidelinde Weis, Michael Bogdanov, viele tolle Schauspieler
Lebensmotto: Man sollte des Öfteren im Leben Komödie machen; Die Arbeit darf nicht das sonstige Leben dominieren

Zum Stück:

RICHARD WILLEY Reinhardt Winter
DER HOTELMANAGER Alexander Rossi
DER KELLNER Günter Gräfenberg
JANE WORTHINGTON Isabella Szendzielorz
EIN KÖRPER Stefan Moser
GEORGE PIDGEN Dominik Kaschke
RONNIE WORTHINGTON Ferdinand Kopeinig
PAMELA WILLEY Susanne Altschul
GLADYS Julia Urban

REGIE Dominik Paetzholdt
MUSIK Stefan Heckel
KOSTÜM Daphne Katzinger
BÜHNE Paul Lerchbaumer
LICHT Micha Beyerman
ASSISTENZ Sara Lesky
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