08.06.2016, 15:42 Uhr

Reißeck II geht endlich ans Netz

Meter für Meter musste der Druckstollen über Monate hinweg abgedichtet werden (Foto: Verbund)

Abdichtungsarbeiten sind abgeschlossen, Testprogramm dauert nun 15 Wochen lang.

REISSECK. Nach Abschluss der Abdichtungsarbeiten im Druckstollen startet der Energiekonzern Verbund nun die Inbetriebsetzung des neuen Pumpspeicherwerks Reißeck II. Die Kraftwerksanlage durchläuft dabei ein 15-wöchiges Testprogramm. Das Kraftwerk im Berg wird auf Knopfdruck die Leistung von 200 Windkraftanlagen bereitstellen können.

Stollen ist nun dicht

Rund um die Uhr wurde auf der Baustelle für das neue Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II bis vor wenigen Tagen gearbeitet. Im 3,5 Kilometer langen Druckstollen mit einem Innendurchmesser von bis zu sieben Metern wurden die Abdichtungsmaßnahmen fertiggestellt.

Inbetriebnahme unterbrochen

Bereits vor einem Jahr war die WOCHE beim erstmaligen Andrehen von einer der beiden Turbinen dabei. Damals wurde bereits Wasser aus dem Mühldorfer See durch den Druckstollen auf die Turbine geleitet. "Zu dieser Zeit haben wir auch eine Druckprobe durchgeführt und festgestellt, dass in einem bestimmten Abschnitt des Stollens, wo es im Gebirge Zerklüftungen gibt, Wasser verlieren. Das ist zwar völlig ungefährlich, auf viele Jahre gesehen aber recht unwirtschaftlich. Daher haben wir die Inbetriebsetzung unterbrochen und nun über mehrere Monate hinweg sehr aufwednige Abdichtungsmaßnahmen gesetzt", so Verbund-Sprecher Robert Zechner.

5.000 Bohrungen

Daher wurde der Druckstollen in einem 800 Meter langen Teilabschnitt mit etwa 5.000 aufwendigen und bis zu zwölf Meter tiefen Injektionsbohrungen ins Gebirge versehen und offenen Stelle verfüllt. Anschließend wurde der Abschnitt mit einer Folienabdichtung und einer 25 Zentimeter starken Betoninnenschale verkleidet.

15 Wochen Testprogramm

Eine nun durchgeführte neuerliche Druckprobe im Stollensystem bestätigt die erfolgreichen Abdichtungsarbeiten. Somit startet Verbund mit der Inbetriebsetzung des neuen Pumpspeicherkraftwerks Reißeck II. Die Inbetriebsetzung folgt einem exakt abgestimmten Testprogramm und dauert 15 Wochen. Dabei durchläuft die neue Kraftwerksanlage mit zwei hocheffizienten Pumpturbinen sämtliche Betriebszustände. Der kommerzielle Betrieb vom Kraftwerk startet im Herbst.

Rekultivierung am Berg

Parallel zu den Arbeiten im Berg wurden die ökologischen Maßnahmen zur Rekultivierung fortgesetzt. So wurde etwa das Hauptbaulager im Mühldorfer Graben, wo während der Errichtungsphase mehr als 350 Menschen gearbeitet und gelebt hatten, mittlerweile zu einer grünen Wiese mit einem Biotop zurückgebaut. "So wurde als erste Maßnahme Vegetation und auch Oberboden geborgen, ins
Tal verführt und zwischengelagert. Nach Deponierung des Stollenausbruches - insgesamt ca. 260.000 Kubikmeter - wurden Bodenschichten und Vegetation wieder
angeliefert und fachgerecht auf der Schüttoberfläche aufgebracht. In den Lücken
zwischen den Rasenstücken erfolgte das Einbringen von Langzeitdüngern und
speziellem Hochlagensaatgut. Das aufgebrachte Kokosgewebe fixiert Oberboden,
Rasenstücke, Samen und Dünger", erklärt Zechner.

Reißeck und Malta verbunden

Mit dem neuen Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II werden die bisher hydraulisch getrennten Kraftwerkssysteme Reißeck und Malta miteinander verbunden, womit eine der größten Wasserkraftwerksgruppen Europas mit einer Turbinenleistung von mehr als 1400 Megawatt entsteht. Allein Reißeck II kann über die beiden Pumpturbinen mit einer Leistung von 430 Megawatt die Stromerzeugung von etwa 200 Windkraftanlagen speichern (Pumpbetrieb) oder bei Bedarf auf Knopfdruck bereitstellen (Turbinenbetrieb). Die Gesamtinvestition für Reißeck II liegt bei 400 Millionen Euro.


Mehr zum ersten Andrehen der Turbine lesen Sie hier.
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