16.05.2016, 13:55 Uhr

Vergangenheit wird wieder lebendig

"Traktor Franz" auf seiner neuesten Errungenschaft: einem Massey-Ferguson 7

Einzigartiges Privatmuseum "Im Laufe der Zeit" in Steinfeld

STEINFELD. Sechs Traktoren, 15 Motorräder, 40 Radios: Hinter diesen nüchternen Zahlen verbirgt sich eine einzigartige Sammlung, die Franz Pichler im Laufe der Zeit zusammengetragen hat. Das gleichnamige Museum im Gewerbegebiet enthält einen schier unübersehbares Fundus an Gebrauchsgegenständen, die zum Teil schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel haben und an die sich nur noch wenige erinnern können - wenn überhaupt.

Da findet sich eine Dosenverschließmaschine, die aus der Zeit stammte, als es noch keinen Kühlschrank gab. Oder einen Kinoprojektor aus den 1930er Jahren. Oder (ur-) alte Schreibmaschinen, Fotoapparate und Wecker. Hinzu kommen Zeitdokumente wie ein "Notfall-Blatt" mit Telefonnummern und der Erklärung der Sirenensignale sowie Meisterbriefe und 80 Jahre alte Plakate, in denen Aufführungen des Theater-Vereins Steinfeld angekündigt werden.

Flohmarkt am 5. Juni

Die jüngsten Errungenschaften sind der einzige in Österreich anzutreffende Oldtimer Ferguson 97, ein 52 Jahre alter vier Tonnen schwerer Traktor mit einem Hubraum von 8,3 Litern, 105 PS, sechs Zylindern und einer Länge von vier Metern sowie ein Fahrrad aus den 1920-er Jahren, das bereits über eine Gangschaltung verfügt. Die Neuerungen und alles andere sind am Sonntag, 5. Juni, zu sehen. Dann wird von 8 bis 15 Uhr ein großer Flohmarkt ohne Standgebühr veranstaltet, zu dem auch Teilnehmer aus Klagenfurt erwartet werden. Anmeldung unter Telefon 0676-49 00 861.

Angefangen hatte die Sammelleidenschaft mit einem kaputten alten Traktor, die der im Straßenbau beschäftigte Hilfspolier halb vergraben im Gailtal entdeckt hatte. "Der Bauer wollte das Gefährt schon wegschmeißen", erinnert sich heute 68-Jährige. "Als er merkte, dass ich Interesse habe, wollte er plötzlich 5.000 Schilling dafür haben." Man einigte sich schließlich auf 2.500 Schilling. Damit war der Grundstein für die Sammlung gelegt. Der Frühpensionist hatte bald 19 Traktoren zusammen und den Spitznamen "Traktor Franz" weg.

Er erwarb das ehemalige Quartiergebäude der AVE-Möbel, den späteren Drau-Möbeln und gründete am 19. Juni 2005 das Museum "Im Laufe der Zeit", damit die Traktoren ein Dach überm Kopf haben. Nur: "Ein Museum allein mit Traktoren ist kein richtiges Museum, die Frauen sollen ja auch was zum Sehen haben." Also erweiterte Pichler seine Ausstellung auf den rund 300 Quadratmetern des 1.150 Quadratmeter großen Anwesens, zu dem noch eine von der Gemeinde gepachtete Fläche von 1.700 Quadratmetern kommt, um Puppenwagen, Küchengeräte und Nähmaschinen.

Das Inventar des ausschließlich in Eigeninitiative und ohne (finanzielle) Hilfe von außen finanzierten Museums sucht sich der passionierte Sammler jeden Freitag auf dem Recyclinghof, auf Flohmarkten und "mit größter Vorsicht" im Internet zusammen. Hinzu kommen Gönner, die dankbar sind, dass vermeintlich wertloser Krempel aus dem Keller oder vom Dachboden eine angemessene Bleibe finden.

Zur Zeit schweißt "Traktor Franz" aus altem Eisen kunstvolle Figuren oder wendet viel Energie auf, um einen vor fünf Jahren erstandenen Opel Kapitän, Baujahr 1954, aufzumöbeln. Die Crux sei die, dass für alle Modelle vorher und nachher mühelos Ersatzteile zu finden seien. Nicht aber für seines mit dem Haifischmaul. So habe er ein Jahr lang neue Blinker gesucht, Originalscheinwerfer in Belgien gefunden und allein für die Dichtungen der Ausstellfenster 400 Euro aufwenden müssen. Noch steht der aufgemöbelte rote Kapitän in der Garage. Pichler: "Ich hoffe, noch heuer damit fahren zu können."
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