21.09.2016, 09:36 Uhr

Vorwürfe gegen Pflegeheim-Gruppe

Die Sachwalterschaft erhebt Vorwürfe gegen die AHA-Pflegeheimgruppe (Foto: mev.de)

Sachwalterschaft kritisiert Weiterverrechnung von Wäschereidienst und Toiletteartikel an Heimbewohner. Land will Fälle prüfen.

BEZIRK SPITTAL (ven). Kritik gibt es derzeit an der AHA-Pflegegruppe in Kärnten. Der Pflegeheim- und Seniorenresidenzbetreiber mit insgesamt elf Standorten und 800 Pflegebetten in Kärnten - davon zwei im Bezirk Spittal - soll über Jahre gesetzeswidrig Dienstleistungen an Bewohner weiterverrechnet haben. Das Vertretungsnetz Sachwalterschaft unter der Leitung von Birgit Ruprecht-Komann interveniert seit Jahren beim Land.

Alle Klienten

"Es betrifft alle unsere Klienten, die in einem AHA-Heim leben. In allen Standorten", beginnt sie. Der Heimvertrag und auch das Heimvertragsgesetz besage, dass in der Leistung des Heimes auch das Waschen von "waschbarer Oberbekleidung sowie Toiletteartikel in einfacher Form" inkludiert seien. "AHA verrechnet unseren Klienten aber das Waschen von T-Shirts, Polos, Freizeithosen. Genauso verhält es sich mit Toiletteartikel wie Zahnpasta, Duschgel, Rasierschaum und auch Haftcreme." Ruprecht-Komann versuche deshalb bereits seit Jahren, sich Gehör beim Land zu verschaffen. "Mittlerweile werden uns gar keine Rechnungen mehr zugesandt - wir würden sie ohnehin nicht bezahlen - sondern der Betreiber versucht es dann über den Notar bei der Verlassenschaft", berichtet sie.

Nur kleines Taschengeld

Das Land bezahle einen Tagsatz von ungefähr 67 Euro pro Bewohner an das Heim, das Pflegegeld sei zur Gänze einzusetzen. Den Bewohnern stünde noch ein kleines Taschengeld für Kleidung oder auch ein Friseurbesuch zur Verfügung. Für manche sei die Weiterverrechnung von Waschen und Toiletteartikel nicht mehr zu stemmen.

"Nur 40 Euro"

Der WOCHE liegen exemplarische Beispiele solcher Rechnungen vor und konfrontierte damit Daniel Nedved, Regionalleiter der AHA-Gruppe. "Wir haben den Wäscheservice ausgelagert, um Top-Qualität im Hygienestandard der Wäsche halten zu können", betont er. Für AHA sei dies sogar teurer, als die Wäsche hausintern waschen zu lassen. "Die Wäsche ist früher defekt geworden, der Wäscheservice definiert, was für ihn als 'nicht mit einer Haushaltsmaschine waschbar' sei", erklärt er. Auf den Rechnungen sind Posten wie "Polos, T-Shirts, Freizeitjacken, Hosen" vermerkt. Die Wäsche werde in Säcken abgegeben und käme verschweißt in Säcken - sauber - wieder retour. Außerdem: "Es steht jedem offen zu wählen, ob er selbst waschen lässt oder dies uns überlässt. Wenn man die Rechnungen ansieht, werden Sie merken, dass wir immer höchstens 40 Euro weiterverrechnen, auch wenn der Rechnungsbetrag höher ist", so Nedved. Die Definition sei auch EDV-intern abgelegt, "sollte es hier Kommunikationsprobleme geben, ist jeder herzlich eingeladen, mit uns darüber zu sprechen", sagt er.

Taschentücher "Versehen"

Bei den Toiletteartikel räumt er allerdings ein, dass Tempo-Taschentücher auf der Liste ein "Versehen" seien, restliche Artikel wie Zahnpasta, Duschgel oder Rasiergel "auf Sonderwünschen beruhen, die wir aber ohnehin zum Einkaufspreis weitergeben." Damit meine er zum Beispiel parfumfreie Artikel für Allergiker oder zusätzliche Zahnpasta.

Jedem Fall nachgehen

Die WOCHE bat auch Sozialreferentin Beate Prettner um eine Stellungnahme. Prettner wolle die "offensichtlich vertragswidrigen Verrechnungen seitens des Heimbetreibers nicht hinnehmen: Es wird jedem einzelnen Fall penibel nachgegangen. Und ich kann versichern: Überall dort, wo unrechtmäßig Kosten seitens des Heimbetreibers verrechnet wurden, wird das Land diesen Betrag zurückverlangen, um das Geld in der Folge den Geschädigten auszuzahlen.“
Auch die Pflegeanwaltschaft des Landes habe sich bereits einzelnen Fällen angenommen. Betroffene Personen können sich darüber hinaus beim Konsumentenschutz der AK Kärnten melden.

Stichproben in Heimen

Die Vorgehensweise der AHA-Heime, die für die Grundpflege unerlässlichen Toilettenartikel wie Zahnpasten, Feuchttücher, Rasierschaum etc. sowie die Wäschereikosten für gewöhnliche Leibwäsche an die Bewohner zu verrechnen, werde seitens des Landes in jedem gemeldeten Fall eingehend hinsichtlich Vertragswidrigkeit geprüft. „Im vertragswidrigen Fall werde ich mit aller Schärfe reagieren“, so Prettner. Die AHA-Gruppe werde diesbezüglich auch zu Gesprächen geladen.
Zudem kündigt die Gesundheitsreferentin an, auch in anderen Heimen stichprobenartige Überprüfungen bezüglich Verrechnung von Toilettenartikel und Wäscherei durchführen zu lassen.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.