21.09.2016, 09:57 Uhr

Weibliches Waidmannsheil

Gehen gemeinsam auf die Jagd: Die Geschwister Bernhard und Doris Spielbichler

Immer mehr Frauen greifen zur Waffe und absolvieren die Jagdprüfung.

BEZIRK SPITTAL (ven). "Das Jagen wird nun auch bei den Frauen immer beliebter. Von 436 verzeichneten Jägerinnen sind derzeit 284 Aktive im Bezirk Spittal", so Inge Piwonka von der Spittaler Geschäftsstelle der Kärntner Jägerschaft. Es werden immer mehr, die sich die intensive Ausbildung zum Jäger antun. Die WOCHE sprach mit zwei Jägerinnen im Bezirk über ihre Beweggründe.

Grundsätze der Hege

"Es ist einfach das Interesse an der Natur", so die 44-jährige Doris Spielbichler, die erst kürzlich ihre Ausbildung abschloss und diese Woche ihr Zeugnis von der Kärntner Jägerschaft erhält. "Man erkennt Vorgänge besser und hat auch ein besseres Verständnis für die Tier- und Pflanzenwelt", erklärt die Bankangstellte aus Millstatt. Man lerne die Grundsätze der Hege, es sei nicht "lei das bloße Abschießen", postuliert sie.

Respekt vor der Waffe

Spielbichler absolvierte zwei Wochen lang einen intensiven Kurs im Schloss Mageregg in Klagenfurt bei Elisabeth Schaschl. Dazu gehört natürlich auch eine Schießprüfung mit Kugel- und Schrotgewehr. "Die volle Aufregung. Ich habe vorher noch nie geschossen, scheine aber ein Naturtalent zu sein", lacht sie. Auch ihr Bruder Bernhard, der bereits seit 27 Jahren als Jäger in den Wäldern unterwegs ist, bescheinigt ihr, "schussfest" zu sein. "Der Respekt vor der Waffe ist natürlich da, bei einem falschen Kaliber kann sie ja auch explodieren", erklärt Spielbichler.

Absolut entspannend

Die Idee, die Jagdprüfung zu absolvieren, hatte sie bereits länger, das manifestierte sich auch in Gesprächen mit ihrem Bruder. "Ich habe bewusst in mir gespürt, dass ich Tiere und Wild beobachte und sagte mir dann 'jetzt machst es'." Sie habe durch den Kurs auch einen anderen Blickwinkel auf die Natur bekommen. Für sie sei es auch "absolut entspannend", durch den Wald zu streifen. Auch das dazugehörige Brauchtum sagt ihr zu. "In meinem Kurs waren von 40 Leuten insgesamt zwölf Frauen. Wir haben oft die besseren Augen."

Seit 30 Jahren auf der Jagd

"Zu meiner Zeit, als ich den Jagdschein machte, waren es 70 Männer und nur ein bis zwei Frauen", so Ursula Krobath aus Mühldorf, die bereits seit 30 Jahren als Jägerin unterwegs ist. "Seit ich denken kann, bin ich mit meinem Vater mitgegangen. Er hat es mir mit einem Packerl Schnitten und Spielkarten schmackhaft gemacht", denkt sie zurück. Sobald sie 18 Jahre alt war, machte sie mit ihrer Schwester den Jagdkurs.

Durchaus paartherapeutisch

"Es ist die Stille und Ruhe auf dem Hochsitz, man hört nichts, kein Handy klingelt", beschreibt sie ihre Form der Entspannung. Ein Tier zu erlegen mache ihr nichts aus. "Ich bin damit aufgewachsen, außerdem stirbt das Wild viel 'schöner', als ein Schwein oder eine Kuh, denn im Normalfall ist es sofort tot", sagt sie. Nun geht sie gemeinsam mit ihrer Schwester, ihrem Sohn Ingo und auch ihrem Mann Hannes auf die Jagd. "Es hat durchaus etwas paartherapeutisches, wenn wir gemeinsam im Wald sind. Manchmal konzentrieren wir uns gar nicht aufs Jagen, sondern reden einfach", schmunzelt sie. Auch ihre Tochter Maria ginge oft schon mit und würde sich für die Jagd interessieren.

Zur Sache:

Jäger im Bezirk:
3.227 Männer, davon 2.380 Aktive
436 Frauen, davon 284 Aktive
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