09.03.2016, 08:00 Uhr

"Es fehlt ein Alleinstellungsmerkmal für die Region"

Michael Mösslacher (Geschäftsführung Zebra), Michael Fritz (Alpha Tech), Oswald Marolt (Osma Trocknersysteme), Andras Wilhelmer (Metallbau Wilhelmer), Claudia Mischensky (IV-Geschäftsführerin), Andrea Samonigg-Mahrer (Krankenhaus Spittal), Christoph Kulterer (Hasslacher Norica Timber), Helmut Petschar (Kärntnermilch), Klaus Raunegger (Merck), Herbert Kulterer (Hasslacher) und Sebastian Guggenberger (Rewe International) (Foto: IV Kärnten)

Die WOCHE sprach mit dem Sprecher des Regionalforums Klaus Raunegger über Zukunft und Chancen von Oberkärnten.

BEZIRK SPITTAL (ven). Das Regionalforum Oberkärnten setzt sich für die Hak-HTL-Kooperation im Bezirk Spittal ein. Die WOCHE Sprach mit Sprecher Klaus Raunegger über die nächsten Ziele der Plattform.

WOCHE: Seit wann gibt es das Regionalforum Oberkärnten?

RAUNEGGER: Es wurde im Jahr 2013 gegründet. Die von der Entwicklungsagentur Kärnten unterstützte Initiative IGO für Oberkärnten ist ausgelaufen. Vor allem der produzierende Sektor in Oberkärnten brauchte dringend eine neue Plattform, um sich Gehör zu verschaffen und seine standortpolitischen Anliegen zu formulieren. Deshalb sind in erster Linie Betriebe aus Industrie und produzierendem Gewerbe dabei. Das Regionalforum kooperiert aber auch mit allen Initiativen, die den Wirtschaftsraum Oberkärnten entwickeln.

Wofür setzt sich das Regionalforum ein?
Wir haben gleich am Anfang ein Zukunftsprogramm entworfen, das die gravierendsten Defizite aufzeigt und Lösungen anbietet. Der Bezirk Spittal ist von Abwanderung gekennzeichnet. Es ist für die Betriebe immer schwerer, geeignete Mitarbeiter zu finden und es fehlt ein Alleinstellungsmerkmal für die Region. Es geht uns darum, das Bewusstsein für den Produktionsstandort und die von ihm geleistete Wertschöpfung und Beschäftigung zu stärken. Entwicklungsperspektiven hängen an Bildungsinitiativen, von wirtschaftsfreundlichen Öffnungszeiten in Kinderbetreuungseinrichtungen bis zur HTL. Sie hängen aber auch an der Infrastruktur, an Verkehrskonzepten für Spittal, am Ausbau der B 100, an neuen Raumordnungskonzepten, die interkommunal gewidmete und aufgeschlossene Flächen zur Verfügung stellen. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt.

Die dislozierte HTL-Klasse ist ein toller Erfolg...
Ja, aber auch, dass wir wieder ein Netzwerk unter den produzierenden Betrieben geknüpft haben und eine Plattform zum Gedankenaustausch bieten.

Warum wollte man eine Hak-HTL-Kooperation?
Ganz einfach: Wir hatten hier ein Loch in der für die Betriebe so wichtigen technischen Ausbildung zwischen Mittlerer Reife und Fachhochschule. Wenn wir es schaffen, dass unsere HTL-Schüler im Bezirk bleiben, dann ist die Chance viel größer, dass sie später auch in der Region arbeiten.
Wir arbeiten noch daran, die nötige Zahl an Schülern zusammen zu bekommen. Der Start ist immer am schwierigsten. Anmeldungen für die HTL sind noch möglich!

Welche Projekte will man noch angehen?
Der wesentliche Punkt muss sein, dass wir so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln und alles dafür tun, dass sich Oberkärnten dann auch entsprechend positioniert. Große Stärken der Region sind etwa die engagierten und loyalen Mitarbeiter, oder die Lebensqualität, die die Region dafür prädestinieren würden, dass sich hier Mitarbeiter mit ihren Familien niederlassen. Auf dem Weg dorthin ist allerdings noch einiges zu tun.

Welche Betriebe braucht Oberkärnten?
Man muss heute froh sein, wenn sich überhaupt irgendein Betrieb für die Region entscheidet. Große Produktionsbetriebe haben den Vorteil, dass sie auch sehr stark in die regionale Wirtschaft ausstrahlen und diese stärken. Das reicht vom Gasthaus bis zum IT-Spezialisten. Die kleinen Betriebe sind flexibel und mittlerweile sehr international aufgestellt. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre das mehr Innovation. Die macht zukunftssicher, egal, ob es sich um einen großen oder kleinen Betrieb handelt. Da hinken wir deutlich hinter den Regionen um die beiden Städte Klagenfurt und Villach hinterher.

Stichwort interkommunaler Wirtschaftsraum: Woran hapert's noch?
Die Zusammenarbeit der Gemeinden in Oberkärnten zur Schaffung von perfekt aufgeschlossenen Wirtschaftsräumen ist – vorsichtig gesprochen – stark verbesserungsfähig. Worauf warten wir hier? Darauf, dass uns die Abwanderung so viel Substanz gekostet hat, dass wir gar nicht mehr daran denken dürfen, neue Betriebe anzusiedeln, geschweige denn die bestehenden zu halten? Da ist vielen noch nicht klar, wie brisant die Situation ist. Wir haben hier nichts mehr zu verlieren. Produktionsbetriebe erwirtschaften die höchste Wertschöpfung und sorgen im Umfeld für die deutlichsten Beschäftigungseffekte. Da kommt der Wohlstand her.

Zum Regionalforum:

Gegründet: 2013
Zweck: Oberkärnten als Produktionsstandort ausbauen, Dienstleistungsumfeld entwickeln!
Sprecher: Klaus Raunegger, Merck Spittal
Mitglieder: lose Gemeinschaft, in der die Führungskräfte der wichtigsten Produktionsbetriebe in Oberkärnten vertreten sind, darüber hinaus Bildungsinstitutionen, Regionalentwickler etc.
Zahl der Arbeitsplätze im Mitgliederverband: Das Regionalforum Oberkärnten repräsentiert Betriebe mit ca. 2.600 Arbeitsplätzen.
Treffen: nach Bedarf drei bis viermal im Jahr
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.