22.03.2016, 23:30 Uhr

Gastronomie: 18 Prozent weniger neue Berechtigungen

Das gemütliche Gaststüberl lädt zum ungezwungenen Beisammensein - Auflagen machen das Wirt-Sein schwer (Foto: Oberlojer)

Die Wirte im Bezirk haben keine Lust mehr. Immer mehr Auflagen und die wirtschaftliche Lage machen das Überleben schwierig.

SPITTAL (ven). Eine Aussendung der Wirtschaftskammer Kärnten bringt alarmierende Zahlen zutage: Unter den Wirten gibt es kärntenweit 44 Prozent mehr Betriebsschließungen. Die WOCHE sprach mit dem Spittaler Szenegastronom Georg Mathiesl darüber. Schuld seien wachsender bürokratischer Aufwand, unlautere Konkurrenz durch Vereine, rigorose Kontrollen und enorm hohe Lohnnebenkosten. Im Bezirk Spittal gibt es zwar "nur" fünf Prozent Betriebsschließungen, allerdings gibt es bei den neuen Gewerbeberechtigungen einen Rückgang von 18 Prozent.

Immer mehr Auflagen

"Besonders am Land sind die Wirtshäuser massiv bedroht", so der Berufsgruppensprecher der Kärntner Bar- und Szenebetriebe Mathiesl. "Es gibt keine Übernehmer mehr, das Vereinsleben findet im Vereinshaus statt." Auch Dinge wie die verpflichtende Registrierkasse - in der Anschaffung sehr teuer - und die Allergen-Verordnung tragen nicht unbedingt zur Motivation der Gastronomen bei.

Bürgermeister gefordert

In persönlichen Gesprächen wurde Stefan Sternad (Obmann der WK-Fachgruppe Gastronomie) bereits von etlichen Wirten berichtet, dass sie ihre Betriebe bis Jahresende schließen oder deutlich verkleinern wollen. „Wir reden hier von Fakten: Viele Betriebe schließen, weil die Belastungsgrenze bereits mehr als überschritten ist. Das Maß für uns Gastronomen ist übervoll.“ Von der Politik seien nun endlich Taten – anstatt Lippenbekenntnissen – gefordert: „Zum Schluss jammern, dass es im ländlichen Raum keine Wirte mehr gibt, das ist zu wenig. Gerade die Bürgermeister sind gefordert, um künftig wieder für ein Miteinander in den Gemeinden zu sorgen“, so Sternad.

Wirt muss bleiben

Auch Mathiesl, der erst im Dezember ein Lokal in der Spittaler Bahnhofstraße übernommen hatte, spricht davon, die Wirte derzeit schwer motivieren zu können. "Teilweise fühlt man sich wie am Weg zur Schlachtbank. Man kann nicht entkommen. Von der Arbeitnehmerseite aus gibt es dann auch noch eine Kampagne", sagt er. Er habe das Gefühl, dass das Jammern niemand ernst nehme. "Gerade die kleinen Wirte können nicht 'siedeln', so wie vielleicht Produktionsbetriebe, die billigere Arbeitskräfte an Standorten im Ausland wittern."

Raucher-Verordnung kommt

Das Behindertengleichstellungsgesetz ("Barrierefreiheit") sei ebenfalls ein großes Thema, die Investitionen dazu enorm. "Was noch kommt, ist das Nichtrauchergesetz. Dann stehen die Gäste vor der Tür und dann kommt der Anrainerschutz wegen Lärm", prophezeit Mathiesl, der deshalb noch eine Sperrstundenvorverlegung kommen sieht. "Das Hauptgeschäft in einer Bar macht man zwischen elf und ein Uhr. In Innenstädten wird das zu einem Problem", so Mathiesl, der auch noch die Krankenhaus-Caféteria in Spittal betreibt.

Aufpasser der Jugend

"Wenn die Gastronomie stark zurückgeht, muss die Jugend irgendwo hin. Ein massives Drogenproblem würde mich da nicht wundern. Derzeit sehe ich uns Gastronomen noch als 'Aufpasser der Jugend'", schließt er.

Zur Sache:

Aktive Gastronomiebetriebe im Bezirk Spittal:
Stand 01.01.2015: 519
Stand 01.01.2016: 510

Aufgliederung der aktiven WK-Mitglieder (1. Jänner 2015 und 1. Jänner 2016):
Gasthäuser: 46; 45
Restaurants: 59; 64
Gasthöfe: 12; 11
Kaffeehäuser: 110; 104
Kaffeerestaurants: 77; 75
Espressobetriebe: 27; 27
Bars, Diskos, Lounges: 51; 47
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