22.07.2016, 11:13 Uhr

81-Jährige verfolgte Einschleichdiebin

Staatsanwalt Michael Lindenbauer (Foto: Probst)

Eine 24-Jährige fasste für einen Teil ihrer Delikte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren aus.

BEZIRK (ip). Trotz zahlreicher Vorstrafen und mehrerer Jahre Haft reiste eine 24-jährige Rumänin immer wieder nach Österreich ein, um ihren Lebensunterhalt mit kriminellen Handlungen zu finanzieren. Am Landesgericht St. Pölten fasste sie nun für einen Teil der ihr zur Last gelegten Delikte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren aus (rechtskräftig).

Pensionistin verfolgte Diebin

Die Rumänin erklärte sich zu den Fakten von Staatsanwalt Michael Lindenbauer teilweise geständig. So auch zu einem räuberischen Diebstahl in Eichgraben, wo sie sich in das Haus einer 81-jährigen Pensionistin einschlich und 60 Euro stahl. Als das Opfer die junge Frau sah, jagte es die 24-Jährige zunächst aus dem Haus, bemerkte aber sofort danach, dass das Geld fehlte. „Ich bin so erschrocken“, schilderte die Pensionistin als Zeugin vor Gericht. Doch sie habe sich sofort entschlossen, der Diebin nachzulaufen. „Bleib stehen, gib das Geld zurück!“, habe sie hinter der Rumänin hergeschrien, sie ein paarmal kurz zu fassen gekriegt und schließlich nach 200 Metern an der Kleidung gepackt. Das ungleiche Paar lieferte sich eine kurze Rangelei, wobei die 24-Jährige unter anderem mit ihrer Tasche auf die Pensionistin einschlug. „Dann hab ich losgelassen, weil ich keine Kraft mehr gehabt habe“, erklärte das rüstige Opfer, das sich vor allem darüber ärgerte, dass keiner der Vorbeifahrenden stehen blieb, um ihm zu helfen.

In einem Delikt freigesprochen

Nicht alle Vorwürfe konnten in der Verhandlung geklärt werden. Zu Vorfällen in Herzogenburg 2015 und einem von drei Einbruchsversuchen in Wien bedarf es noch der Einvernahme von Zeugen, sowie der Auswertung eines DNA-Treffers. Ein eigener Prozess soll hier die Schuldfrage klären. Ob sie mit einer nicht zum Prozess erschienen 19-Jährigen einen Pensionisten, der zwei Frauen ein paar Euromünzen spenden wollte, mit Umarmungen 300 Euro abknöpfte, konnte nicht nachgewiesen werden, da das Opfer die Rumänin nicht identifizieren konnte. „Na, die war´s nicht!“, erklärte auch eine 87-jährige Frau aus Eichgraben, als sie sich im Saal nach der Angeklagten umdrehte. Diesbezüglich wurde die 24-Jährige freigesprochen.

Staatsanwalt forderte strenge Bestrafung

Geständig zeigte sich die Beschuldigte zu drei Diebstählen in Purkersdorf, wobei sie, laut Opfer, in einem Fall 1.350 Euro aus einem Haus gestohlen haben soll.
Lindenbauer forderte eine strenge Bestrafung. „Man sieht, dass auch mehrere Haftstrafen keinen Eindruck bei der Angeklagten hinterlassen haben“, begründete der Staatsanwalt. Dass das ein Erschwerungsgrund sei, bestätigte auch Richter Markus Grünberger, dem die verurteilte Frau auf die Frage, ob sie in Österreich oder in Rumänien ihre Strafe absitzen möchte, antwortete: „Ich war schon in Rumänien, aber da ist es noch schlimmer!“
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