01.06.2016, 09:30 Uhr

Ehe-Rezept aus dem Standesamt

Herbert Herzig im Trauungssaal mit Wahrzeichen: Seit seiner Hochzeit kann er noch einen 'Ticken' besser mit Brautpaaren mitfühlen.

Unsere Standesbeamten geben Ratschläge zum Liebesglück, egal ob selbst verheiratet oder nicht

ST. PÖLTEN (bt). Unsere Standesbeamten begleiten Paare durch einen der schönsten Momente ihres Lebens. Die Bezirksblätter erkundigten sich, ob die, vor denen Verliebte ihr Ehe-Versprechen ablegen, auch selbst verheiratet sind. Den Rekord stellt mit 30 Ehejahren Kurt Buchinger, Leiter vom Standesamt Böheimkirchen auf. "Wir zählen ja schon zu den Dinosauriern", lacht er, als die Bezirksblätter sich ausgerechnet an seinem Hochzeitstag meldeten. Blumen und Schmuck gab's für die Gattin. Ebenfalls verheiratet ist St. Pöltens Standesamtsleiter Herbert Herzig. "Ich habe länger gebraucht, um meine Traumfrau zu finden und habe erst mit 38 geheiratet." Gerhard Stingl, Leiter in Karlstetten und Erwin Schmid, Leiter in Wilhelmsburg tragen keinen Ring am Finger. Geschieden ist Pyhras Standesamtsleiterin Iris Zeller.

Mit Kompromissen zum Glück

Seinen Partner so akzeptieren wie er ist und nicht aufhören seine Liebe zu zeigen, verhilft laut Herbert Herzig zum Ehe-Glück. Toleranz, Respekt und Kompromissbereitschaft gewichtet Kurt Buchinger schwer und "die Zärtlichkeit darf nicht verloren gehen". Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit liegen Gerhard Stingl am Herzen. Die Ansprachen sind individuell. "Ich finde die Glaubwürdigkeit einer Rede ist erst dann gegeben, wenn die Worte von einem selbst stammen", meint Herzig. "Man kann nicht alles 08/15 sagen", schließt sich Erwin Schmid an. "Wenn ich zum Beispiel weiß, dass ein Paar Haus baut, dann lasse ich dazu etwas einfließen", sagt Zeller.


Scheidung brandmarkt nicht

Sollte es doch nicht klappen, werden heutzutage dadurch auch Standesbeamte in beruflicher Sicht nicht beeinträchtigt. "Man wird von den Brautleuten auf das nicht angesprochen", so Buchinger. "Da gäbe es ja bald eine Personalnot", schmunzelt auch Erwin Schmid. "Wir haben eine Ledige auch noch", lacht Iris Zeller.

"Wert der Ehe entsprechend"

Verheiratet wird "non-stop": Am beliebtesten sind Mai, Juni, Juli, doch auch das übrige Jahr entsteht kein Loch. Der Tend geht zur Vermählung außerhalb des Trauungssaals. "Die Orte sollten dem Wert der Ehe entsprechen. Ich gehe nicht in ein Fußballstadion, einen Reitstall oder einen Heißluftballon", stellt Böheimkirchens Standesamtsleiter aber klar.
In St. Pölten gibt es auch "Kurzhochzeiten". Das Paar gibt einander das Jawort, unterschreibt das Ehebuch und verlässt nach wenigen Minuten als Ehepaar das Standesamt. "Das ist zeitgemäß. Wir wollen ja niemanden zwangsbeglücken", erklärt Herzig.

Zur Sache:

Im Mai fanden am Standesamt St. Pölten 33 Hochzeiten statt, für Juni liegen 30 Anmeldungen vor. Zwischen Mai und Oktober teilen sich die Hochzeiten meist gleichermaßen auf Trauungsraum und Festsaal der Musikschule auf.
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