29.03.2016, 12:15 Uhr

„Personennahverkehr in NÖ muss rasch auf Schiene kommen“

Matthias Stadler und Rene Pfister (Foto: privat)

Stadler und Pfister fordern S-Bahn-Ausbau für Verbindungen in den Zentralraum

ST. PÖLTEN (red). Vor 30 Jahren fiel die Entscheidung für St. Pölten als Landeshauptstadt für Niederösterreich. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich viel getan – die Bevölkerungszahl ist auf rund 54.000 angewachsen, es gibt mehr Arbeitsplätze als HauptwohnsitzerInnen. Faktoren, die entsprechende Maßnahmen für den öffentlichen Personennahverkehr erfordern. SPÖ NÖ Landesparteivorsitzender Matthias Stadler umreißt zwei Schwerpunkte: "Niederösterreich braucht, so wie in anderen Bundesländern längst vorhanden, ein Schnellbahn-Konzept – die Landeshauptstadt St. Pölten soll sowohl zentraler Knoten, als auch Drehscheibe für den öffentlichen Verkehr sein.“

Für Stadler ist es wichtig, dass der Zentralraum aus allen Teilen des Flächenbundeslandes Niederösterreich zeitnah, modern und kostengünstig erreichbar ist – aber auch die Verbindungen innerhalb von St. Pölten und weiter nach Wien müssen ein gutes Angebot für die NiederösterreicherInnen darstellen, damit diese vom Individual- auf den öffentlichen Verkehr umsteigen. Für die Attraktivierung des öffentlichen Personennahverkehrs nach St. Pölten braucht es die Schaffung eines abgestimmten Taktfahrplans, die Verkürzung der Reisezeiten, die Erhöhung der Geschwindigkeiten durch Infrastrukturmaßnahmen, den Einsatz moderner Fahrzeuge und das weitgehende Vermeiden von zeitaufwändigen Umsteigevorgängen.

Der Vorsitzende der FSG NÖ, Bundesrat Rene Pfister weist darauf hin, dass es in St. Pölten rund 8.000 AuspendlerInnen, aber vier Mal so viele EinpendlerInnen gibt: „Mehr als die Hälfte derjenigen, die nach St. Pölten pendeln, kommen aus dem Umland bzw. aus den Bezirken Krems und Lilienfeld. Diese starke PendlerInnenverflechtung führt zu einem beträchtlichen und immer weiter steigenden Verkehrsaufkommen.“ Betrachtet man den Modal Split (Aufteilung Öffis und private Kfz, ohne Fußgänger und Radfahrer) in der Stadt so beträgt der ÖV-Anteil 23 Prozent - bei den Pendlern 30 Prozent. „Obwohl im Vergleich zu Gesamt-Niederösterreich mit nur 17 Prozent ÖV-Anteil St. Pölten gut abschneidet, gibt es noch ‚Luft nach oben‘“, sagt Pfister. Als Beispiel nennt er Städte entlang von S-Bahnachsen mit entsprechend gut ausgebauter Infrastruktur (z.B. Gänserndorf, Korneuburg): „Hier gibt es ÖV-Anteile bis zu 50 Prozent!“

Die Grundvoraussetzung für den Ausbau des S-Bahn-Verkehrs sei im Zentralraum St. Pölten ja gegeben, erklärt Pfister: Es existiert neben der gut ausgebauten Westbahn auch eine Nord-Südachse (Krems-St.Pölten-Traisen/Lilienfeld/Hainfeld).
„Schon seit der Hauptstadtwerdung gab und gibt es immer wieder die Forderung nach einem adäquaten Ausbau dieser Streckenabschnitte. Auch die AKNÖ hat sich mittels etlicher Resolutionen bei Vollversammlungen dafür eingesetzt“, erklärt der Bundesrat: „St. Pölten wächst – ebenso wie das Umland. Hier muss mehr in den öffentlichen Verkehr investiert werden.“

Neben der von S-Bahn-Verbindungen in den Zentralraum plädiert Stadler für die Einführung eines ÖPNV-Passes Niederösterreich (Österreich-Personennahverkehr-Pass NÖ), eines elektronischen Fahrausweises der ähnlich wie Liftkarten beim Skifahren gelesen werden kann. Die Pässe werden automatisch beim Ein-und Aussteigen gelesen, je nach Fahrtstrecke und Tarifsystem werden die Kosten in Cent pro Kilometer abgebucht. Zudem sind auch Ermäßigungen möglich. "Dieser NÖ Pass, der die gefahrenen Kilometer abrechnet, könnte Modellsystem für andere Bundesländer sein. Wer viel fährt, wird belohnt, wer wenig fährt, wird nicht bestraft", erklärt Stadler. Ähnlich wie die „Zone 100“ in Wien müsste das Angebot dringend in einem ersten Schritt für den Zentralraum und in weiterer Folge für ganz Niederösterreich zusammengefasst werden.

Innerhalb von St. Pölten ist das Bussystem LUP ein wichtiger Partner. „Deswegen ist es mir nicht nur als Parteivorsitzender sondern auch als Bürgermeister ein Anliegen, dass sowohl die St. PöltnerInnen als die vielen Menschen, die täglich von auswärts in die Landeshauptstadt kommen, ein gutes Angebot – zu einem leistbaren Tarif – vorfinden.“ In St. Pölten hat der Gemeinderat eine Resolution an den Landesrat für Verkehr, Karl Wilfing, beschlossen und weitergegeben, damit dieser Gespräche mit dem burgenländischen Verkehrslandesrat, sowie den Landesräten für Umwelt in den beiden Bundesländern, über die Zweckwidmung beim Aufkommen aus der Mineralölsteuer für den öffentlichen Personennahverkehr zu führen, um die Preise für Jahrestickets zu halbieren – von derzeit 372 Euro (bei Einmalzahlung) auf 186 Euro. „Der ÖVP St. Pölten scheint das zu wenig zu sein – die Fraktion stimmte im Gemeinderat gegen die Resolution und fordert auf den Wahlplakaten ein Jahresticket um 200 Euro“, sagt Stadler abschließend.
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