13.04.2016, 10:13 Uhr

Lehrlinge in St. Pölten als Esset für erfolgreiche Entwicklung des Wirtschaftsstandortes

AMS Landesgeschäftführer Karl Fakler, ÖBB-Lehrling Christina Walsberger und Bürgermeister Matthias Stadler Informieren über die Lehrberufe und die Situation der Lehrlinge in St. Pölten. (Foto: Josef Vorlaufer)

In der Landeshauptstadt werden zahlreiche Aktivitäten gesetzt, um das Image der Lehre zu heben und den Bedarf an qualifizierten Fachkräften bestmöglich abzudecken.

ST. PÖLTEN (red). 114 junge Menschen suchen aktuell in St. Pölten mit Unterstützung des AMS eine Lehrstelle. Den Lehrstellensuchenden stehen 44 freie Stellen gegenüber – Die meisten offenen Lehrstellen werden aktuell in den Fremdenverkehrsberufen (14), in den Büroberufen (9) sowie FriseurInnen (8) gesucht. Das Angebot an freien Lehrstellen ist damit gegenüber dem März des Vorjahres um 35 Prozent zurückgegangen. Mit knapp über 2,5 Menschen, die auf eine freie Lehrstelle kommen, steht St. Pölten im Vergleich zu anderen Landeshauptstädten gut da. In Klagenfurt kommen etwa laut AMS-Landesgeschäftsführer Karl Fakler auf eine Lehrstelle zehn Bewerber.

Dennoch ist der Bedarf an qualifizierten Fachkräften auch in St. Pölten Thema: „Aus Untersuchungen wissen wir, dass nicht zuletzt demographisch bedingt die Zahl der jungen NiederösterericherInnen, die sich für eine Lehrausbildung entschließen, stagniert bzw. sogar zurückgeht“, so Fakler. Um einen drohenden Mangel an Fachkräften gezielt entgegen zu wirken, setzen das AMS NÖ und seine Partner sowie die Stadt selbst gemeinsame Initiativen.

Jugendliche nicht ausreichend informiert

Wie eine Bedarfserhebung bei St. Pöltner Unternehmen laut Stadt gezeigt habe, werden die Karrierechancen, die eine Lehrausbildung in einem regionalen Unternehmen bietet, von den Jugendlichen in vielen Fällen nicht rechtzeitig erkannt. Auch die anspruchsvollen Lehrausbildungen in neuen Berufen, für die am Standort geeignete Lehrlinge gesucht werden, sind oft nicht bekannt. Dadurch gehen der regionalen Wirtschaft viele, wertvolle Talente verloren.

Das alte Sprichwort, "Handwerk hat einen goldenen Boden", gilt heute genauso wie früher. „Wir brauchen die besten Köpfe und die besten Hände“, betont Bürgermeister Matthias Stadler und verweist auf die Bildungsoffensive der Stadt St. Pölten. Eine herausragende Infrastruktur wird heutzutage als selbstverständlich vorausgesetzt. Andernfalls wird der Wirtschaftsstandort nicht einmal mehr wahrgenommen. Preiswerte und in entsprechendem Umfang vorhandene Flächen sind bei der Standortentwicklung zwar eine wichtige Voraussetzung, aber für die Investoren ebenfalls nicht wirklich ausschlaggebend.

Die wichtigste Fragen für UnternehmerInnen seien hingegen, wie die Humanressourcen am Standort aussehen und ob es genügend Fachkräfte direkt am Standort oder in unmittelbarer Nähe gibt. „Hier kann St. Pölten voll punkten. Wir haben eine hervorragende Infrastruktur und genügend Flächen für die Betriebsansiedelung. Unser bedeutendster Standortvorteil sind die Fachkräfte, die am Wirtschaftsstandort verfügbar sind. Wir forcieren deshalb ganz gezielt die Lehre, weil geschickte Hände das entscheidende Esset bei der erfolgreichen Entwicklung des Wirtschaftsstandortes St. Pölten sind. Die Lehre ist eine herausragende Ausbildung die alle Chancen für ein sehr erfolgreiches Berufsleben eröffnet“, so Stadler.

Die bisherigen Maßnahmen

Um die SchülerInnen der entsprechenden Schulstufen frühzeitig an die Vielfalt der Lehrberufe in der St. Pöltner Wirtschaft heranzuführen und auch ihre Eltern und Verwandten als wichtige Multiplikatoren einzubeziehen, unterstützt die Stadt St. Pölten die ausbildenden Betriebe im Rahmen der „Lehrlingsoffensive“ mit einer Reihe von Aktivitäten:

2013: Lehrlingsplaner - Hier wurden wichtige Fakten, Termine und Tipps für alle Monate im Jahr der Berufsentscheidung knapp und übersichtlich zusammengefasst.

2014: Bürgermeister Stadler besuchte mit Jugendlichen, welche ihre Lehrabschlussprüfung im Jahr 2013 mit ausgezeichnetem bis gutem Erfolg abgeschlossen haben, das Vorrundenspiel der Football EM in der NV Arena als Dank und Anerkennung Ihrer hervorragenden Leistung!

2014: Projekt mit der FH St. Pölten zur Vorstellung von ausgewählten Lehrberufen und Bewerbungstipps im St. Pölten KONKRET

2015: „willwerden live“: Informationsveranstaltung für Jugendliche im Rahmen der „Initiative Bildung und Wirtschaft – St. Pölten 2020“, 27 regionale Bildungsinstitutionen und regionale Unternehmen gaben „face to face“ eine Überblick über die Arbeitswelt und die dazu möglichen Aus- und Weiterbildungspfade (Diplomarbeitsthemen, Praktika, Lehrstellen, Jobprofile etc.)

Laufend erscheinen im Amtsblatt der Stadt „St. Pölten Konkret“ Interviews bzw. Gastbeiträge/Motivationsberichte von Ausbildungsbetrieben, um über die Berufswelt der St. Pöltner Lehrlinge, deren Karrierechancen, Herausforderungen und Ziele zu informieren.

22 Ausbildungsbetriebe haben sich bisher an der Informationskampagne der Lehrlingsoffensive beteiligt: Egger Holzwerkstoff, Geberit, Georg Fischer, Gourmet, Kössler, Radlberger, Egger Brauerei, Salzer, Schebesta, Spar, Sunpor, Weichenwerke Wörth, ConPlusUltra, Geschützte Werkstätte, ÖBB, D&C Cityhotel, ArboriCon, NÖ GKK, Klenk&Meder, Vermessung Schubert, Raiffeisen Lagerhaus, Sparkasse! Das Angebot steht jedem engagierten Unternehmer zur Verfügung!

Lehrlingsausbildung hat Tradition

Die Berufsschule in St. Pölten ist einer von 19 Standorten in Niederösterreich. Jedes Jahr werden hier rund 1.400 SchülerInnen bei 70 Klassen – aufgeteilt in vier Lehrgängen - von 62 Lehrerinnen unterrichtet. Interessant ist dabei der Geschlechtervergleich: 345 männlich Lehrlinge, davon 13 aus St. Pölten und 1.047 weibliche Lehrlinge, davon 33 aus St. Pölten, besuchten zuletzt diese wichtige Bildungseinrichtung. Die vier Lehrgänge umfassen:

• Schönheitspflege (Friseure, Fußpflege, Kosmetik, Fitnessbetreuer)
• Einzelhandel(Farb- und Parfümeriehandel, Pharmazeuten, Drogisten, Fotokaufleute, Buch und Medienwirtschaft)
• Chemie (Labortechniker, Verfahrenstechniker)
• Grafik und Druck (Druckvorstufe Mediendesign, Werbung und Kommunikation, Drucktechnik, Buchbinder und Reprofotografen).

Der Berufsschule ist ein Schülerheim angeschlossen, das im Schnitt mit zirka 200 SchülerInnen (4x10 Wochen) belegt ist. 53 moderne 4 Bettzimmer mit W-Lan und Sat-Anschluss stehen zur Verfügung. Dass Handwerk in St. Pölten schon immer Tradition hatte, belegt die Tatsache, dass die heutige Berufsschule ihren Beginn im Jahr 1864 hat, als der gewerbliche Unterricht in Form einer Fortbildungsschule eingeführt wurde.

ÖBB ist größter Lehrlingsausbildner

Aktuell werden in der Lehrwerkstätte St. Pölten auf einer Fläche von rd. 3.000 m² 110 Lehrlinge in den Lehrberufen Elektrotechnik - Anlagen - Betriebstechnik und Gleisbautechnik ausgebildet. Mit 317 abgeschlossenen Lehrverträgen sind die ÖBB in Niederösterreich der größte Ausbildungsbetrieb.
Mit dem ÖBB-Bildungscampus wird in St. Pölten ein bundesweites Ausbildungszentrum für Eisenbahnberufe geschaffen, das eine ÖBB-Berufsschule inkludiert. Im Zuge des Projektes wird bis 2019 mit einem Investitionsvolumen von 7,2 Mio ein neues Lehrlingsheim errichtet. Das neue Lehrlingsheim wird über 3.000 m2 Bruttogeschossfläche, 36 Übernachtungszimmer (mit 2 Bett-Belegung) und Nasszelle, Büroflächen für die Heimverwaltung, Freizeit-, Fitness-, Musikraum, Hobbyraum, Bibliothek und eine Kantine verfügen.
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