06.07.2016, 06:00 Uhr

Kleinstlebewesen säubern unser Abwasser

Die Mitarbeiter der Anlage wissen über den Reinigungsprozess bestens Bescheid

Bakterien sind für die Reinigung von 3 Millionen Kubikmeter Abwasser im Jahr zuständig.

ALTGLANDORF (stp). Milliarden Liter an Abwasser fließen jährlich durch die Kläranlage im Industriepark in Altglandorf. "Genau sind es 3 Millionen Kubikmeter Abwasser, die gereinigt werden. Das kann man gar nicht mehr in Liter angeben", erklärt Erich Eibensteiner, Geschäftsführer des Reinhalteverbandes St. Veit.

Fünf Gemeinden sind dabei

Dieser wurde bereits 1977 gegründet und kümmert sich um die Ableitung und Reinigung von Schmutzwasser im Gebiet St. Veit. Neben den Gemeinden St. Veit, Frauenstein, St. Georgen/Längsee, Liebenfels und Glanegg zählt auch die Firma Funder Max zu den Mitgliedern des Verbandes.

"Im Verbandsgebiet kommen wir auf ca. 400 km Ortskanäle und 50 km Transportsammelkanäle", schildert Eibensteiner. Zudem sind auf die einzelnen Gemeinden 70 Pumpstationen verteilt. An den Gemeindegrenzen erfassen Messstationen die Mengen an Schmutzwasser.

Kein Trinkwasser

Nach einem biologischen und mechanischen Reinigungsprozess in der Kläranlage (siehe Info-Box) wird das Wasser in die Glan geleitet. "Viele denken fälschlicherweise, dass wir hier aus dem Abwasser wieder Trinkwasser machen. Das ist aber ein Irrtum", klärt Erich Eibensteiner auf. Der Klärvorgang werde als reine Umweltschutzmaßnahme durchgeführt und ist deshalb auch sehr wichtig.
Die Menge an Schmutzwasser fällt etwa zu gleichen Teilen an Haushalte und Industrie. "Am Wochenende merkt man jedoch, dass fast alles von den Haushalten kommt", so Eibensteiner.

Mechanische Reinigung
Bei der mechanischen Reinigung in Rechen- u. Sandfang-anlagen werden Schwimmstoffe und Schwebstoffe aus dem Schmutzwasser entnommen. Das entnommene Rechengut wird in der thermischen Abfallbehandlungsanlage in Arnoldstein entsorgt.

Biologische Reinigung
In der nachfolgenden biologischen Reinigung nutzen Gewässerlebewesen (Bakterien, Pilze, Pantoffeltierchen, Rädertierchen etc.) die im Abwasser enthaltenen Schmutzstoffe zum Aufbau von Körpersubstanz. So entsteht durch die biologische Reinigung ein Klärschlamm.
Der tägliche Zuwachs an Klärschlamm wird entnommen, über Pressen und Zentrifugen entwässert und als Sekundärbrennstoff in der Wirbelschichtofenanlage der Firma Funder Max verbrannt.

Mitarbeiter auf Bereitschaft

Gesamt sind fünf ausgebildete Klärfacharbeiter für die Anlage sowie die Pumpstationen und Sammelkanäle zuständig. Rund um die Uhr besetzt ist die Anlage in Altglandorf zwar nicht, für den Fall einer Störung sind jedoch immer zwei Leute in Bereitschaft.

Bei der Reinigung des Abwassers gibt es auch immer Probleme mit Grobstoffen, die normalerweise nicht in den Abfluss gehören, wie Eibensteiner anmerkt: "Da haben wir schon vieles dabei gehabt. Von Gebissen über Kinderspielzeug bis hin zu Damenstrumpfhosen. In letzter Zeit sind aber vor allem Feuchttücher zu einem Problem geworden."

Feuchttücher als Problem

Der Grund: Anders als normales Toilettenpapier zersetzen sich die Hygienetücher im Wasser nicht und können so zu Verstopfungen in den Kanälen bzw. in weiterer Folge zu Störungen in der Kläranlage führen. Auch Fette dürfen nicht in den Abfluss gegossen werden, erklärt der Experte: "Im kalten Kanal härten diese am Rand aus. Daran bleiben dann Grobstoffe hängen und verstopfen den Kanal."
Daher sollten solche Grobstoffe ausnahmslos in der Mülltonne landen.

Zur Sache

Die Verbandskläranlage in St. Veit/Glan ist 1980 in Betrieb gegangen. In den Jahren 2002 und 2003 wurde die Kläranlage an den Stand der Technik angepasst.

Die Kläranlage ist heute in der Lage, das Schmutzwasser von 65.000 Einwohnergleichwerten zu reinigen.

Für die Instandhaltung und Wartung der Abwasseranlagen werden Fachleute aus den Gewerbebetrieben in den Mitgliedsgemeinden herangezogen.

Das Schmutzwasser wird zuerst in den Ortskanälen gesammelt. Über die Ortskanäle wird das Wasser dann in Transportsammelkanäle eingeleitet, welche das Schmutzwasser zur Kläranlage ableiten.



Mehr Beiträge im Rahmen unseres Schwerpunktes "Leben mit Wasser": www.meinbezirk.at/leben-mit-wasser

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