29.06.2016, 08:38 Uhr

NÖ Landwirte- Spitzenprodukte- Desaströse Preise

Josef Balber mit Julia Kocher vom Biohof Edibichl

Milchanlieferung im April gestiegen- Erzeugermilchpreis: Tendenz weiterhin fallend, Preisverfall bei Jungstieren, Impulsloser Schweinemarkt, Getreidepreise halten sich auf niedrigem Niveau, Nachfrage am heimischen Eiermarkt schwach (Quelle: Agrar Markt Austria)

Herr Balber, sie sind selbst Landwirt, Bezirksbauernobmann im Bezirk Baden, Bürgermeister von Altenmarkt an der Triesting und Landtagabgeordneter. Wie geht es Ihnen bei dieser Meldung?

Nicht gut, wie sie sich denken können. Und da ich, wie sie wissen, nicht nur Landwirt, sondern auch der Bezirksobmann des Bauernbundes bin, vertrete ich nicht nur Eigeninteressen, sondern ebenso die Interessen der Bauerschaft in der Region.

Nun Österreich hat ja bekanntlich eines der strengsten Lebensmittelgesetze in der EU. Sollte auf Grund des Preisverfalles der Landwirtschaftlichen Produkte nicht hier etwas geändert werden?

Nein, auf keinen Fall!
Obwohl eine Entbürokratisierung sicherlich von Nöten wäre. Des weiteren müssen gleiche Erzeugungsbedingungen, innerhalb der EU, geschaffen werden. Das heißt z. Bsp. das Ungarische Bauern um einiges mehr an Hühnern bei der gleich großen Bodenfläche halten dürfen als ein Österreichischer Bauer. Und diese Ungleichheiten ziehen sich durch alle Produkte.

Das bedeutet es müssten die Rahmenbedingungen geändert werden?

Zum einen ja, denn wie gesagt mit dem Beitritt in die EU haben wir, freiwillig natürlich, die freie Marktwirtschaft und auch dem damit vorhandenen größeren Markt gewählt. Zum anderen kann das aber nur dann für die Erzeuger funktionieren, wenn in allen Märkten die selben Bedingungen herrschen.

Nun da die gleichen Rahmenbedingungen bis dato nicht vorhanden sind, die Qualität der Landwirtschaftlichen Produkte unbestritten im Europäischen Spitzenfeld liegen und damit die Eigenkosten immer mehr steigen, was geschied von Seiten des Staates Österreich oder Land NÖ um das abzufedern?

Nun, es gibt ja bereits Gespräche mit dem Finanzministerium um Erleichterungen für die Landwirte zu schaffen.
Nichts desto trotz wurde 2015 in Form von Ausgleichszahlungen und von den Molkereien NÖM und Schärdinger um 38 Mio. € weniger an die NÖ Landwirte ausbezahlt.

38 Mio €? Ein stattlicher Betrag!

Ja, und dieses Geld fehlt natürlich im Endeffekt der Wirtschaft. Es ist ja nicht so, dass das alleine dem Landwirt abgeht. Nein, weniger zur Verfügung stehenden Geldmittel bedeutet weniger Investitionen, das kann sich wieder auf den Tourismus negativ auswirken. Denn immerhin muss der Landwirt mit den spärlich vorhandenen Geldmittel in erster Linie seinen Betrieb aufrecht erhalten. Das heißt z. Bsp. Futter für den Winter vorsorgen, immerhin steht das Vieh fast 6 Monate im Wintergehege.

Neben der Änderung, oder Angleichung der Rahmenbedingungen, was müsste sich noch ändern?
Die Einstellung vom Handel und Konsumenten!

In welcher Form?

Weg von der „Geiz ist geil“ Mentalität. Noch dazu wenn diese Einstellung nicht auf alle Produkte zutreffend ist. Bei Lebensmittel wird anscheinend auf jeden Cent geschaut, bei Konsumgüter trifft das nicht zu! Denn wenn der Liter Milch beim Supermarkt um 1 Cent teurer wird, herrscht großes Geschrei, aber dem selben Konsument ist es anscheinend egal wenn diverse Energie Drinks die Dose 1,3.- € kosten, das macht auf den Liter 5,2.- € oder noch krasser wenn bei Zigaretten auf`s Kg umgelegt ein Betrag von fast 300.-€ zu bezahlen ist.

Lohnt es sich da eigentlich noch Landwirt zu sein? Denn zum einen werden Produkte mit erstklassiger Qualität erzeugt, die jedoch in keinster Weise preiskonform abgesetzt werden können.

Nun, der Österreichische Landwirt ist Landwirt aus Passion. Sicher ist es frustrierend wenn am ende des Tages für die geleisteten Mühen nicht ein angemessenes Entgelt überbleibt. So wie in jeder anderen Tätigkeit. Sei es Handwerker, Kaufmann oder Akademiker. Jeder will für seine geleistete Arbeit gerecht entlohnt werden. Nur und damit kann ich mich nur wiederholen, so lange sich die Einstellung, eines jeden Einzelnen, zu unseren, erstklassigen, landwirtschaftlichen Produkten nicht ändert, so lange Handelsketten und der Konsument nicht bereit sind für unsere Produkte angemessene Preise zu Zahlen, so lange wir diese Diskrepanz zwischen Erzeugungskosten und Verkaufserlös bestehen.
Und natürlich auch damit, dass immer weniger Kinder von Landwirten bereit sind die elterlichen Höfe zu Übernehmen und fortzuführen.
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