25.03.2016, 13:41 Uhr

LUNGENKRAUT. Eddie Hasenmann findet ein Hustenkraut für Bauer Helmbrechts Schweine

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Jetzt in den Osterferien hat die Grippe wieder mal fest zugeschlagen. Diesmal ging auch ein starker Husten damit einher, der sich nur langsam, aber Gott sei Dank sicher, mit Tees, Globuli und viel Geduld kurieren lässt. Ein altes Hustenmittel, das besonders bei Reizhusten lindernd wirken soll, ist das Lungenkraut. Aus meiner Kindheit kannte ich es eher unter dem Namen Hänsel und Gretel. Wegen seiner violetten und rosa Blüten hatte ich den Frühblüher immer sehr gerne und verbinde viele liebe Erinnerungen damit. Die Signaturenlehre ordnet die Pflanze wegen der gefleckten Blätter der Lunge zu. In der Volksheilkunde soll es auch bei Durchfall eingesetzt worden sein.


Lungenkraut zählt überdies zu den Marienpflanzen. Die weißen Flecken auf den Grundblättern sollen der Legende nach entstanden sein, als Muttermilch Marias beim Stillen des Jesuskindes darauf tropfte. Deshalb wird das Kraut auch "Unsere lieben Frau Milchkraut" genannt.

Meine heutige Geschichte hat aber weniger mit der Heiligen Maria, sondern jahreszeitlich passend, mit dem Osterhasen zu tun. Denn auch unser Eddie Hasenmann hat kürzlich die Vorzüge vom Lungenkraut kennen und lieben gelernt...


Eddie Hasenmann findet ein Hustenkraut für Bauer Helmbrechts Schweine



"Gwendolyn, Gwendolyyyyyynnn!!!" schrie Eddie Hasenmann augeregt, schon einen halben Kilometer bevor er die Behausung der Kräuterfee Gwendolyn erreichte. "Gwen, ich habe einen Notfall!" Gwendolyn kostete Eddies Aufregung, wie immer, nur ein amüsiertes Grinsen. Bei dem zappeligen Osterhasen war schließlich alles und jedes eine Katastrophe. "Nein, Gwen! Schau mich nicht schon wieder so mitleidig an! Diesmal ist es wirklich ernst!" entrüstete sich Eddie über Gwens belustigten Gesichtausdruck. "Du kennst doch Bauer Helmbrecht, drüben auf der großen Wiese. Seit Wochen kommt aus seinem Schweinestall ein fürchterliches Husten. Er geht schon ganz gebückt vor lauter Sorgen und gestern hab ich gesehen, wie der seinen Schweinen sogar Menschen-Hustensaft gegeben hat. Gebessert dürfte sich aber rein gar nichts haben! Hast du eine Idee, wie man den armen Tieren helfen könnte?"

Jetzt hatte Eddie Gwendolyns Interesse eindeutig geweckt. Nachdenklich senkte sie das Kinn und marschierte in ihrerem Behandlungsraum auf und ab. "Weißt du, Eddie" sagte sie nach einer Weile nachdenklich. "Die Tiere hier draußen im Wald und auf der Wiese kann ich alle im Handrehen kurieren. Für jedes Wehwehchen gibt es das passende Mittelchen in meinem Labor. Aber für Schweine...? Nein, bei Schweinen kenne ich mich gar nicht aus."

Verzagt ließ Osterhase Eddie die Löffel hängen. Bauer Helmbrechts Schweinchen taten ihm furchtbar leid. "Denk nach, Gwendolyn! Du musst eine Medizin für die armen Tiere finden!" Da drehte sich die kleine Kräuterfee um, und lies Eddie wieder einmal einfach mir nix dir nix stehen. "Sie nimmt mich einfach nicht ernst! So eine Gemeinheit!" ereiferte sich Eddie und war ebenfalls zur Tür hinaus: "Gwendolyyyyyyynnnnnn!"

Draußen, inmitten der vom Winterschlaf erwachten Wiese war sie stehen geblieben, dabei sang sie ein eigenartiges, wunderbar magisch klingendes Lied. "Ihr lieben Blumen auf der Wiese" sprach die kleine Kräuterfee. "Zum ersten mal bin ich ganz ratlos! Daraum frage ich jetzt euch: Wer will und kann den armen Schweinen von Bauer Helmbrecht helfen, und ihren fürchterlichen Husten kurieren.

"Was?" entrüsteten sich die Frühblüher auf der großen grünen Wiese. "Schweinen helfen?! Nein, das ist doch wirklich unter unserer Würde." Nacheinander steckten, Himmelschlüssel, Veilchen und co. die Köpfe ein und drehten sich weg. Nur das kleine rosa-violette Hänsel und Gretel stand noch immer da und sah Gwendolyn gelangweilt an. "Okay Gwen!" meldete es sich nach kurzer Pause zu Wort. "Du weißt doch dass ich - pardon - wir, auch noch Lungenkraut genannt werden. Sogar unsere Blätter sehen aus wie kleine Lungen. Das heißt wir können, wie viele andere Wiesenblumen auch, bei Husten heilend wirken. Und da uns eh die meiste Zeit langweilig ist - hier draußen auf der öden Wiese, haben wir beschlossen, unser Glück zu versuchen und die Schweinderl zu heilen. Bringe morgen früh ein Gefäß mit Wasser und tauche uns gut hinein. Das Wasser soll der nervige Hoppelhase dort drüben dann den Schweinen bringen und ihnen eine Woche lang zu trinken geben. Wirst sehen, es wird wieder alles gut!"

"Spannend!" dachte Gwendolyn, während sie sich beim Lungenkraut bedankte. "Mal sehen, ob diese Behandlung wirklich wirkt!?"

Eine Woche später, als der Morgen des Ostersonntag anbrach, strahlten Bauer Helmbrecht samt Eddie, der sich hinter dem großen Wacholderbusch versteckt hatte, mit der Sonne um die Wette. Denn die Schweine im Stall waren wieder fast gesund. Damit der Bauer auch wusste, warum, hatte er ihm auf Gwendolyns Anraten Ein großes Gänseei, das mit Schweinderln und Lungenkraut bemalt war, ins Nest getan.

Der Bauer hob es so sachte auf, wie man es seinen schwieligen Händen niemals zugetraut hätte, und sah es verwundert an. Als er es seiner Frau zeigte, grinste er von einem Ohr bis zum anderen: "Siehst du, Liebes" flüsterte er ehrfürchtig. "Es gibt ihn doch, den Osterhasen!"

Am Abend klopfte auch Eddie nochmal an Gwendolyns Tür. Als er richtiggehend über die Türschwelle schwebte, riss es die kleine Kräuterfee fast vom Hocker. "Eddie!? Was ist denn mit dir verkehrt? Du bist doch sonst nicht so ruhig? Hast du vielleicht irgendwelche Pilze erwischt?" "Blödsinn!" antwortete der Osterhase völlig verzückt. Und hielt ihr ein wunderschönes, großes Porzellanei unter die Nase, das mit den feinsten Biokarotten gefüllt war, die Eddie je gesehen hatte!"

"Fein - oder? Grinste Eddie noch immer, während er in die saftigste Karotte biss deren Geschmack absolut hielt, was ihr Anblick versprach. "Ein Osternesterl für den Osterhasen! Das hab ich von Bauer Helmbrecht bekommen. Die Botschaft dürft also angekommen sein!"

"Und ob" antwortete Gwen verdutzt als sie sich neben Eddie nieder ließ, und begann auf einmal wie Eddie zu grinsen. Schwups - mopste sie Eddie eine Karotte aus dem Porzellanei: "Fifty fifty!" mein Lieber!" grinste sie mit wässrigem Gaumen den schmatzenden Osterhasen an. "Immerhin hatte ich die Idee, die Blumen zu fragen. Und so ließen die Beiden das Osterfest mit vollem Magen und einem enorm guten Gefühl im Herzen ausklingen, denn ihnen war klar geworden, wie schön es sein konnte, wenn Menschen, Tiere und Pflanzen wieder aufeinander hörten...
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Birgit Winkler aus Krems | 25.03.2016 | 16:11   Melden
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Helga Tomasi aus Pinzgau | 25.03.2016 | 16:49   Melden
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Erika Bauer aus Bruck an der Mur | 25.03.2016 | 21:32   Melden
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Anita Buchriegler aus Steyr | 26.03.2016 | 08:53   Melden
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