08.09.2016, 02:30 Uhr

"Mundart ist die Sprache der Seele"

Ausdrucksmittel Mundart: An den unterschiedlichen Dialekten kann man einordnen, woher die Leute stammen. (Foto: Hopf/Singer)

Mundart: die ursprüngliche Form unserer Sprache, die immer mehr in den Hintergrund gerät.

BEZIRK. "Die Sprache hat sich verändert. Die Jungen reden gemischt mit Hochsprache. Beim SMS-Schreiben verwenden die Jugendlichen aber Mundart", weiß Mundartdichterin Christine Kaltenböck aus Sierning. Kaltenböck ist Bezirksleiterin von Eferding beim Stelzhamerbund und aktive Mundartautorin.
Unterschiede in der Mundartsprache gibt es viele. "Im Enns-tal wird schon ein wenig anders gesprochen als in Steyr." Im Kremstal sind die Unterschiede erst Richtung Windischgarsten hörbar. "Der Akzent wird dort anders." Im Inn- und Mühlviertel ist der Dialekt anders als im Traunviertel. "Die Innviertler haben beispielsweise das typische 'R'", erklärt Kaltenböck. Im Salzkammergut sind die Unterschiede sehr gut hörbar. "Leute aus dem Salzkammergut haben eine eigene Aussprache. Die Lautung ist dabei komplett anders als bei uns im Traunviertel." Ausdrücke, die verschieden verwendet werden und auch eine andere Bedeutung haben, gibt es viele. So wird im Salzkammergut noch das Wort "losen" für zuhören verwendet. "Der Ausdruck 'Mensch' ist im Salzkammergut beispielsweise ein Schimpfwort. Bei uns bedeutet es 'Mädchen' und ist eine Bezeichnung. Im Salzkammergut wird zu einem Mädchen 'Dirndl' gesagt", so Kaltenböck. Interessant findet die Autorin, dass man bei Menschen an der Sprache hört, woher sie kommen.

Sprache für's Herz
Warum die Mundart in den Hintergrund gedrängt wurde, begründet die Autorin so: "In den Schulen wird Hochsprache gelernt und diese wird von den Kindern auch benutzt. Wird daheim nicht mehr Mundart gesprochen, lernen es die Kinder auch nicht mehr." Kaltenböck hat mit ihren Kindern auch in Mundart gesprochen. "In meinen Anfängen als Autorin haben sie auch viel für mich in Mundart schreiben müssen." Hat die Mundart Zukunft? "Ja sicher", sagt Kaltenböck, "mit SMS-schreiben in Mundart fängt es an. Später sehen sie, dass Mundart ein Ausdrucksmittel ist." Hochsprache allein zu können, ist für Kaltenböck zwar gut, aber: "Im privaten Bereich oder beim Zwischenmenschlichen ist Mundart passender. Dabei kommt das Herz raus und nicht nur das Hirn."
In ihren Gedichten schreibt sie über alles, was sie bewegt oder erlebt. "Dabei kann ich vieles verarbeiten. Mundart ist die Sprache der Seele." Neben Gedichten und ihren beiden Büchern schreibt die Sierningerin auch Traunviertler Landler-Gstanzl für den Rudenkirtag in Sierning. Wer denkt, dass Mundartlesungen verstaubt sind, irrt: "Bei Lesungen kommen auch aktuelle Themen wie Frauen oder Umwelt zur Sprache. Und ein bisserl Sarkasmus darf ruhig dabei sein. Es muss jedenfalls unter die Haut gehen."

Mundart-Lexikon
Zniachtl: kleine Person
gschamig: schamhaft
tramhapert: verschlafen
urassen: verschwenden
Gfrett: Ärger
gneißen: etwas begreifen
a Brezn reißn: stürzen
arschling: rückwärts
Bauxerl: Kleinkind
drawig: eilig
blonga: nach etwas gustern
Lackerl: kleine Menge Flüssigkeit
ausschnapsen: vereinbaren
bridschln: naß machen, mit Wasser hantieren
Bunki: Kuchen
Reindl: Kochtopf
dalängs: der Länge nach
damisch: verwirrt
habern: essen
nameln: schimpfen
Noagerl: Getränke- oder Speiserest
rean: weinen
Tazzerl: Untertasse
wampert: dick
hei: glatt, rutschig
Infos: www.christine.kaltenboeck.at
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