30.03.2016, 13:11 Uhr

Weltsensation: Natürlich gefärbte Wolle aus Waldneukirchen

(Foto: Privat)

In dem kleinen Ort wird derzeit Weltgeschichte in Sachen Forschung geschrieben

WALDNEUKIRCHEN. Abseits der großen Chemieindustrien liegt Waldneukirchen im Steyrtal. Der Blick auf die Kalkalpen und landwirtschaftliche Nutzung prägen das Ortsbild. Niemand vermutet, dass hier Weltgeschichte in Sachen Forschung geschrieben wird.
Maria Leimhofer betreibt eine biologische Landwirtschaft. Schafkäse, Brot und Eier sind ihre wichtigsten Erzeugnisse. Bis jetzt.
Denn seit Jahren forscht Maria Leimhofer an einer natürlichen Färbe-Methode
für Schafwolle. Jetzt steht die Markteinführung unmittelbar bevor. Die Tatsache, dass die Ernährung der Schafe direkte Auswirkungen auf die Wollfarbe hat, ist Züchtern seit Jahrhunderten als unerwünschte Nebenwirkung bekannt. Die Fütterung hat sich dahin entwickelt, eine möglichst weiße Wollproduktion sicherzustellen.
"Als wir im Sommer 2013 den Schafen versehentlich eine große Menge rote Rüben
verfütterten merkten wir nach einigen Wochen, dass die Wolle rosa wurde", erzählt Maria Leimhofer die richtungsweisende Entdeckung. "Wir haben uns gefragt, ob wir diesen Effekt auch bewusst steuern können."
Die Biobäurin, begann zuerst auf eigene Faust zu recherchieren und fand in traditionellen chinesischen Texten Beweise, dass diese Effekte vom 8. bis 14. Jahrhundert ganz bewusst eingesetzt wurden. Danach ging dieses Wissen
offenbar verloren.
Als sie ihrem Tierarzt von der Entdeckung erzählte, war dieser sehr skeptisch. Eine
einseitige Ernährung ist auch für Schafe ungesund. Umso überraschter war, er als sich die Schafe bei Blutwertuntersuchungen als überdurchschnittlich gesund herausstellten. Seither experimentiert Maria Leimhofer um auch andere Wollfarben durch selektive Ernährung zu produzieren. Für rot, hellblau und hellgrün gibt es bereits erfolgreiche Ernährungskonzepte, gelb und orange sind derzeit in Entwicklung. "Wenn es so einfach wäre, den Schafen Orangen und Zitronen zu füttern!", lacht Maria Leimhofer und versichert, dass die Ernährung biologisch, ausgewogen und ausschließlich aus heimischem Gemüse besteht. Denn Regionalität und Nachhaltigkeit sind der Biobäuerin auch bei der Entwicklung von Weltneuheiten wichtig.
"Die Vorteile liegen auf der Hand: keine giftigen Färbeprozesse, die Farben waschen sich nicht aus und die Wertschöpfung liegt zu 100% in Österreich", schwärmt auch Johannes Kutsam vom gleichnamigen Modehaus aus Bad Hall. Er kümmert sich um die Logistik, damit aus bunter Rohwolle auch modische Kleidungsstücke werden.
"Mit Hightechmaschinen aus Vorarlberg bekommen wir die Wolle weicher als Kaschmir. Die ersten produzierten Modelle laufen bereits vom Band und wir freuen uns darauf, ab April die ersten Pullover mit der neuartigen Wolle in unseren fünf Modehäusern zu führen."
Mittlerweile sind auch internationale Chemiekonzerne auf Maria Leimhofer aufmerksam geworden. "Es gibt einige Angebote, aber diese Idee gehört den Biobauern", sagt Maria Leimhofer und erklärt damit auch die bisherige Geheimniskrämerei rundum das Projekt.
"Unser Fütterungskonzept ist gerade beim Patentamt. Damit stellen wir sicher, dass die Industrie, diese umweltfreundliche Technik nicht durch Sperrpatente blockieren kann, und wir damit den Zugang zu diesem Wissen allen Biobauern in Österreich ermöglichen.”
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