08.08.2016, 12:17 Uhr

"Wir sind verpflichtet, die Gesellschaft vor Verbrechern zu schützen"

v.li.: Eugen Werner (JW Steyr-Land) , Justizwachebeamter Reinhard Hönig, Felix Aichberger und Franz Wasserbauer. (JW) (Foto: Petra Poxrucker)
GARSTEN. Seit 35 Jahren arbeitet Justizwachebeamter Reinhard Hönig in der Justizanstalt (JA) Garsten. Neben seiner regulären Tätigkeit betreut er auch die Führungen. An einer solchen durfte die Gruppe der Jungen Wirtschaft Steyr-Land zuletzt teilnehmen.

Sicherheit gewährleistet
Im Rahmen eines detaillierten Vortrags startete Hönig mit generellen Informationen über die JA. Das - unverkennbar - ehemalige Kloster fungiert seit 1851 als Strafhaus. Drei große Vollzugsanstalten gibt es in Österreich, Garsten ist eines davon. Und das Einzige im Land, welches auch U-Häftlinge aufnimmt. Das reine Männerstrafhaus wird staatlich geführt. Die Sicherheitsvorkehrungen sind einwandfrei, der letzte Ausbruch liegt bereits 22 Jahre zurück. Die Außensicherung ist stark, der Ennsturm 24 Stunden besetzt. Hönig und seine Kollegen sind für den Ernstfall natürlich bewaffnet, Taser, Schlagstöcke oder gar Pistolen sollen aber nur in Notsituationen verwendet werden. "Wir haben nun einmal eine große Verantwortung", so der Beamte. "Unsere Pflicht ist es, die Gesellschaft vor Verbrechern zu schützen."

Studien aus USA übernommen

Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Kantine der JA ging es schließlich zur Besichtigung des Gebäudes, die einige Zeit in Anspruch nahm. Das Interesse der Teilnehmer war groß und Hönig zu jeglicher Auskunft bereit. Besichtigt wurden so gut wie alle Bereiche des Gefängnisses: Der Krankenhaus-Trakt, Freizeiträume wie Theater oder Sportsaal, Höfe für den täglichen Ausgang sowie einzelne leere Zellen. Besondere Aufmerksamkeit lag auf zwei rosa unterlegte Sonderzellen. "Nach einer amerikanischen Studie erstellt", erklärt Hönig. "Die Farbe soll aggressive Insassen beruhigen. Bei geschlossener Tür fühlt man sich wie im Mutterleib". Auch die Kameraüberwachung wurde vom Beamten erklärt: 364 an der Zahl gibt es in der Justizanstalt, die alles festhalten und im Ernstfall aufklären sollen.

Hierarchie vorhanden

Neben sechs Verurteilten mit Fußfessel gibt es im Haus auch eine sogenannte "Freigängerabteilung". Dort leben derzeit 17 Häftlinge, viele schon kurz vor der Entlassung, die bereits außerhalb des Gefängnisses arbeiten gehen dürfen. Sie verbringen nur mehr die Nacht hinter Gittern, werden jedoch aufgrund der Erpressungsgefahr durch Mithäftlinge gesondert untergebracht. Bandenbildung ist kein Seltenheitsfall. "Es gibt eine klare Hierarchie im Gefängnis. Doch sollten Probleme auftreten, lassen sie sich beispielsweise durch den Umzug eines Häftlings lösen", so Hönig.

Ausbildungsmöglichkeiten sind in Garsten gegeben. Bei Fortbildungen übernimmt der Staat die Kosten, lediglich die Unterlagen müssen von den Insassen selbst gekauft werden. Im Gebäude gibt es beispielsweise einen eigenen Tischlereibetrieb, in dem die Häftlinge arbeiten, ebenso wie in der Kantine. "Im Grunde genommen herrscht im Gefängnis Arbeitspflicht", erklärt Hönig. "Und viele tun das auch gerne. Nur manche wehren sich dagegen."

Das Gefängnis hat eine Kapazität von 367 Personen, derzeit leben 411 verurteilte Straftäter dort. 31 von ihnen werden lebenslang hier sein. 58 sind im Maßnahmenvollzug, das bedeutet, sie werden als geistig abnorme Rechtsbrecher eingestuft.

Rückfallquote gering

Ein stets großes Thema sind Drogen, dem Schmuggel soll mit Hilfe von sogenannten Bodypacker Räumen und genauesten Durchsuchungen entgegengewirkt werden. In Bodypacker Räumen ist alles aus Glas, alles sichtbar, in der Toilette ist eine Zentrifuge, welche mögliche Drogen herausfiltern würde. Ein weiteres Problem war früher die Selbstbeschädigung. Häftlinge schluckten alles Mögliche, nur um ins Krankenhaus zu "dürfen", auf sich aufmerksam zu machen oder aus purer Langeweile. "Das hat sich enorm gebessert, seit wir TV-Geräte haben", zeigt Hönig sich erfreut. Nun sind die Insassen abends beschäftigt und kommen nicht mehr auf derartige Ideen.

Die JA Garsten bietet natürlich auch psychologische Hilfe an: Psychologen, Psychiater, Sozialarbeiter, Ärzte und Seelsorger sind im Einsatz. Es geht vor allem um Resozialisierung. "Die Rückfallquote ist gering und das ist ein gutes Zeichen", freut sich Reinhard Hönig.
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