08.03.2016, 13:20 Uhr

Angst essen 1,5 Grad auf

8.3.2016 Klimafakten
Nach dem Pariser Klima-Abkommen hat eine merkwürdige Debatte begonnen.

Für die Klimaforschung ist es ein ganz großes Ding: Nicht zuletzt dank des deutschen Engagements haben die 195 Staaten im Pariser Klimaabkommen vereinbart, den weltweiten Temperaturanstieg „möglichst unter 1,5 Grad“ zu halten. In der Wissenschafts-Community wird nun heftig darüber diskutiert, was die Klimamodelle an Ergebnissen auswerfen, wenn man von ihnen Aussagen über eine 1,5-Grad-Welt haben will.

Damit verbunden fragen sich Wissenschaftler, wie die Potenziale und Risiken negativer Emissionen, also von Technologien, die CO2 und Treibhausgase aktiv aus der Atmosphäre holen, zu bewerten sind.

Doch kaum haben die Klimaforscher begonnen, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen – wie es beispielsweise Kevin Anderson vom Tyndall Centre tut -, beginnt sich bereits ein politischer Diskurs zu entfalten. Und ein Eigenleben zu entwickeln. Dieser Diskurs dreht sich um den Zusammenhang zwischen negativen Emissionen und umstrittenen Technologien wie Carbon Capture and Storage (CCS), Bioenergie und das sogenannte Geo-Engineering, also die großskalige technische Beeinflussung des Erdklimas.
Ich erkläre zum Schluss diese Technik!

Auch in Deutschland keimt diese Debatte, in der schnell die Risiken und Gefahren etwa von CCS im Vordergrund stehen.

Hier wird es in der Tat spannend – und genau deshalb sollte man die Wissenschaft erst einmal ihre Arbeit machen lassen. Wer eine öffentliche Debatte über die vorhandenen Klimaschutzoptionen will, sollte zunächst einmal aushalten, wenn Klimaforscher ausbuchstabieren, was mit negativen Emissionen überhaupt gemeint ist und wie sie zu erreichen sein könnten.

Das Thema „1,5 Grad“ gleich mit diffusen Ängsten und ominösen Warnungen, etwa vor CCS und Geo-Engineering, zu besetzen, hilft einer nüchternen Analyse sicher nicht.

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*** Nur wer keine Zukunft hat, denkt über seine Vergangenheit nach! ***

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12.02.2016
Umweltbildung: Jugendliche fühlen sich zu wenig über den Klimawandel in Österreich informiert

Ein österreichisches Projekt hat Wissen und Handeln von 14- bis 24-Jährigen in Sachen Klima untersucht: Hauptinformationsquelle ist demnach das Fernsehen, Umwelt und Klima sind mittelmäßig wichtige Themen. Häufigste Klimaschutzaktivität ist das Stromsparen.

Vierzig Prozent der österreichischen Jugendlichen fühlen sich eher schlecht über den Klimawandel informiert. Das ist eines der Ergebnisse des österreichischen Forschungsprojekts AutReach. Es hat unter anderem 300 junge Österreicherinnen und Österreicher im Alter zwischen 14 und 24 Jahren zu ihren Klimawissen und den von ihnen bevorzugten Kommunikationsformen befragt. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil der Jugendlichen, der sich nicht ausreichend informiert fühlt.

Als relevantes Thema kann die Umwelt durchaus mithalten


Für Jugendliche rangieren Umwelt und Klima als Themen in ihrer Wichtigkeit zwar nicht ganz oben - bei harter Konkurrenz können sie sich aber durchaus gut behaupten. Auf die Frage, welche Themen sie wie interessant finden, bezeichneten 80 Prozent der Befragten “Liebe/Freundschaft” als “sehr interessant”. Es folgten “Musik” (65 Prozent), “Ausbildung und Beruf” (64 Prozent) und "Gesundheit, Medizin" (48 Prozent). Immerhin Rang fünf belegte mit 44 Prozent das Thema “Umwelt(schutz)”. Die Jugendlichen wurden auch gefragt, welche Herausforderungen für die Welt sie am gravierendsten einschätzen. Nach "Armut, Mangel an Nahrung und Trinkwasser" (43 Prozent), "Kriege, bewaffnete Konflikte und Terrorismus (20 Prozent), landet der Klimawandel und seine Folgen hier auf Platz drei (15 Prozent).
Die beliebteste Informationsquelle zum Thema ist offenbar das Fernsehen, 90 Prozent der Jugendlichen gaben an, sich hier über den Klimawandel informiert zu haben, etwa in Dokumentationen oder Filmen. Die zweithäufigste Informationsquelle sind die Schulen (86 Prozent), danach folgen Zeitungen und Zeitschriften (80 Prozent). Deutlich seltener informieren sich die Jugendlichen zu Klimathemen beispielsweise im Internet (45 Prozent) oder in Büchern (37 Prozent).

Eine Mehrheit sieht bereits Folgen des Klimawandels

Einem Großteil der Befragten ist bewusst, dass die Folgen des Klimawandels bereits heute in Österreich spürbar sind – aber bei weitem nicht allen. So stimmten 68 Prozent der Aussage zu, die Gletscher gingen bereits zurück. 58 Prozent sehen eine Zunahme von Hochwasserereignissen, lediglich 52 Prozent einen Anstieg der Durchschnittstemperatur. Dagegen äußerte ein Viertel der Jugendlichen die Ansicht, die Folgen des Klimawandels würden in der Öffentlichkeit übertrieben dargestellt.

Eine übergroße Mehrheit (83 Prozent) sieht die Hauptverantwortung für Klimaschutz bei den Industriestaaten. Selbst aktiv werden deutlich weniger der Befragten: 50 Prozent gaben an, in Familie und Freundeskreis über das Thema zu diskutieren. Immerhin 23 Prozent haben nach eigenen Angaben bereits an Unterschriftenaktionen teilgenommen, zehn Prozent gaben Spenden, neun Prozent nahmen an Demonstrationen teil, acht Prozent sind ehrenamtlich für Umweltorganisationen aktiv.

Bei den Verhaltensänderungen dominieren die einfachen Taten: 75 Prozent der Befragten gaben an, nicht benötigte Elektrogeräte und Lampen auszuschalten, 73 Prozent trennen Müll. Flugreisen zu reduzieren versuchen immerhin 34 Prozent, aber lediglich acht Prozent haben sich für Ökostrom in ihrem Haushalt eingesetzt.

Zwar ist die Umfrage nicht repräsentativ, doch wurde auf eine möglichst heterogene Gruppe an Jugendlichen geachtet. Das Autreach Projekt wird geleitet vom Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit der Universität für Bodenkultur in Wien und gefördert durch das Österreichische Klimaforschungsprogramm. Es ist auf zwei Jahre angelegt. Neben der Erkundung des Klimawissens von Jugendlichen soll vor allem nach Kommunikationsformen gesucht werden, mit denen dieser Zielgruppe erfolgreich Informationen zum Klimawandel vermittelt werden können.

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15.02.2016
Ruht der Wind sich jemals aus? Klima für Kinder


Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder - und Erwachsene

Die Sache mit dem Treibhauseffekt ist ja offenbar ziemlich kompliziert. Zwar kennen die Klimaforscher ihn seit bald 200 Jahren, und schon jahrzehntelang warnen sie, dass er sich gefährlich verstärke. Doch die Politik scheiterte auf einem Klimagipfel nach dem anderen. Der Öffentlichkeit leuchtet die Dringlichkeit der Sache nicht recht ein. Und obwohl sich ein Hitzerekord an den anderen reiht, wollen Heerscharen sogenannter Klima"skeptiker" das ganze Problem noch immer nicht verstehen.

Stefan Rahmstorf kann den Treibhauseffekt ziemlich einfach erklären: "Stellen wir uns vor, wir sind auf einem Fußballplatz, wo ständig Fußbälle vom Himmel fallen – das sind die Sonnenstrahlen. Die Fußbälle müssen wir in den Himmel zurückkicken, um sie wieder loszuwerden. Aber das gelingt oft nicht: Ein großer Teil fällt auf den Platz zurück, und es werden immer mehr." Beim Treibhauseffekt nun kommen keine Fußbälle, sondern Sonnenstrahlen zurück zur Erde – und dass es nicht lange gut gehen kann, wenn mehr und mehr Bälle liegenbleiben, und dass man wirklich etwas dagegen unternehmen sollte, leuchtet sofort ein. Nicht nur jedem Kind.

Rahmstorf, 55, ist Professor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von klimafakten.de). Weltweit zählt er zu den renommiertesten Klima-Ozeanologen. Er publiziert in den führenden Wissenschaftsjournalen, hat eine Handvoll Sachbücher geschrieben – und in der Reihe Die Kinder-Uni der Deutschen Verlagsanstalt ein Buch für Kinder ab zehn Jahren (aber ebenso für Eltern und Großeltern). Bereits im Jahr 2011 ist es (auf Papier und als Hörbuch) erschienen - wir stellen es hier, weil es heute genauso lehrreich und aktuell ist wie damals.

Um den Klimawandel geht es eigentlich erst auf den letzten fünfzig Seiten, und das ist auch gut so. Auf den 150 Seiten davor schickt Rahmstorf, der selbst zwei Kinder hat, die Leserinnen und Leser auf eine packende Reise durch Jahrmillionen der Erdgeschichte und die Wettermaschinerie unseres Planeten. Da zucken Blitze und krachen Donner, honigmelonengroße Hagelkörner fliegen einem um die Ohren. Man kreuzt die Tornadostraße, die sich von Texas bis Minnesota zieht. Stürzt mit dem verunglückten Kampfpiloten William Rankin atemberaubende 40 Minuten lang am Fallschirm durch Unwetterwolken.

Ein Klimabuch, das keine Angst verbreitet


Rahmstorf schreibt kindgerecht, ohne sich anzubiedern. Er stellt staunende Fragen: Wie viel Regen fällt auf der ganzen Welt? Ruht der Wind sich jemals aus? Er streut Experimente ein, erklärt etwa, wie man ein Thermometer bastelt. Und wählt anschauliche Beispiele aus der kindlichen Erfahrungswelt: Den ersten Hauptsatz der Thermodynamik erklärt Rahmstorf an einem Gameboy – der Strom aus den Batterien verschwinde nicht einfach, sondern verwandle sich in das Licht auf dem Display oder die Wärme des Geräts. Anhand einer Taschenlampe und eines Blattes Papier erläutert er, warum es am Nordpol so kalt ist. Illustriert ist das Ganze übrigens hoch intelligent und äußerst liebevoll von Klaus Ensikat.

Ein großes Plus ist, dass Rahmstorfs Buch keine Angst verbreitet. Denn immer neue Alarmrufe der Klimaforscher – so zutreffend sie auch sein mögen – lähmen das Publikum inzwischen eher, als dass sie aufrütteln. Doch wie so viele Klimabücher endet auch dieses etwas trivial mit Öko-Tipps. Die sind nicht verkehrt; aber stromsparende Kinder werden den Klimawandel nicht stoppen. Empfehlenswert ist das Buch trotzdem: "Kenntnisreich, lehrreich, unterhaltsam", meinte der Deutschlandfunk in seiner Rezension. "Ein Buch für alle, die wirklich mitreden wollen, wenn es ums Klima geht."

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07.03.2016
Schulunterricht zum Klimawandel: US-Lehrer bekommen ein "mangelhaft"

Laut einer Studie im Fachjournal Science vermitteln viele Lehrer an Sekundar- und Oberschulen in den USA "wissenschaftlich nicht fundierte Fakten". Die Ursache sei weniger Unwissen, sondern Konfliktvermeidung

Ein Großteil der US-amerikanischen Schulen lehrt in Sachen Klimawandel nicht den Stand der Forschung. Das ist das Ergebnis einer Studie, die ein Team um den Politologen Eric Plutzer von der Pennsylvania State University (PSU) im Fachjournal Science veröffentlicht hat. "Nur etwas mehr als die Hälfte der Lehrer", so Plutzer, "vermitteln die klare Botschaft, dass die Verbrennung fossiler Energieträger die Hauptursache des gegenwärtigen Klimawandels ist."
Initiiert und finanziert wurde die Studie vom National Center for Science Education (NCSE), einer Nichtregierungsorganisation, die sich für einen wissenschaftsbasierten Unterricht an US-Schulen einsetzt. In ihrem Auftrag befragten die PSU-Forscher im Herbst 2014 per Brieffragebogen rund 1.500 Fachlehrer (Erdkunde, Biologie, Chemie, Physik etc.) an Sekundar- und Oberschulen im ganzen Land.

Die meisten Lehrer (70 bzw. 87 Prozent je nach Schultyp) machen demnach den Klimawandel im Unterricht zum Thema - aber meist nur in in ein bis zwei Stunden pro Schuljahr. Und, so das Hauptfazit der Studie, "viele Lehrer geben im Unterricht wissenschaftlich nicht fundierte Behauptungen wieder".

Lehrer passen den Unterrichsstoff den Erwartungen der Umgebung an
Beispielsweise gaben etwa 30 Prozent der befragten Lehrer an, sie würden den gegenwärtigen Klimawandel auf "natürliche Ursachen" zurückführen. Rund 20 Prozent erklärten, sie würden den wissenschaftlichen Konsens (dass menschliche Aktivitäten die Hauptursache sind) im Unterricht zwar erwähnen - aber hinzufügen, es gebe relevante Gegenstimmen dazu. Genau dies jedoch ist falsch, die Fachwelt ist sich in dem Punkt bekanntlich einig.

Leitautor Eric Plutzer führt den unkorrekten Unterricht nicht so sehr auf Unwissen der Lehrer zurück (was allerdings auch vorkomme), sondern eher auf eine Strategie von Konfliktvermeidung und Selbstzensur. "Lehrer sind in einer schwierigen Position", sagte Plutzer im Interview mit dem Magazin Time. "Sie müssen häufig vermitteln zwischen wissenschaftlichen Fakten einerseits und Meinungen und Überzeugungen andererseits, die sie bei ihren Schüler, deren Eltern und in der Umgebung vorfinden."

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Mittwoch, 09. März 2016

CCS-Technologie

CCS steht für Carbon Capture and Storage – Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CO2).

In mehreren Ländern wird an Verfahren geforscht, mit denen künftig Kohlendioxid aus Kraftwerksabgasen abgetrennt und dauerhaft unterirdisch eingelagert werden soll. Mit dem Bau erster Pilotanlagen wurde 2006 begonnen. Auch die Einlagerungstechnik ist noch in einem frühen Erprobungsstadium. Marktreife wird nicht vor 2020 erwartet.

CO2-Abscheidung

In Deutschland setzten die Stromkonzerne auf verschiedene Verfahren: Mit dem Oxyfuel-Verfahren experimentierte der Stromkonzern Vattenfall in einer inzwischen stillgelegten Versuchsanlage am Lausitzer Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe: Kohle wird dabei in reinem Sauerstoff verbrannt, der Wasserdampf wird auskondensiert – übrig bleibt ein bis zu 90 Prozent konzentriertes Kohlendioxid-Gas, das unter Druck verflüssigt wird.

Konkurrent RWE wollte das sogenannte Pre-Combustion-Verfahren testen: Dabei wird Kohle vor der Verbrennung in einem Vergaser zu Kohlenmonoxid und Wasserstoff umgewandelt. Energieträger ist Wasserstoff. Das Kohlenmonoxid wird mit Wasserdampf zu Kohlendioxid umgewandelt.

Eon setzte auf das Post-Combustion-Verfahren, bei dem das Kohlendioxid chemisch aus den Rauchgasen herausgewaschen wird.

CO2-Speicherung

Nach der Abscheidung muss das Kohlendioxid "nur noch" unter die Erde gebracht werden. Und zwar dauerhaft – worunter aber meist nur 200 oder 10.000 Jahre verstanden werden – und ohne signifikante Leckagen.

In Ketzin bei Potsdam wurde die unterirdische Lagerung des Klimagifts vom Geoforschungsinstitut Potsdam untersucht: 60.000 Tonnen reinen Kohlendioxids wurden in eine 650 Meter tiefe poröse Sandsteinformation gepumpt. Siehe meinen Beitrag unter Feldexperiment zur Sole-Injektion in geologischen CO2-Speicher

Vattenfall wollte sein CCS-Abgas in der Altmark in ausgegasten Erdgaslagerstätten verpressen, RWE eine Rohrleitung nach Schleswig-Holstein bauen.

Umweltorganisationen halten die CCS-Technologie für ein Feigenblatt der Stromkonzerne, um den Bau neuer Kohlekraftwerke zu rechtfertigen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht absehbar, ob die Technologie sich jemals als sicher und bezahlbar erweisen wird. Es ist noch völlig unklar, ob eine sichere CO2-Endlagerung tatsächlich für viele Jahrtausende garantiert werden kann. Gestritten wird auch darum, wer für eventuelle Leckagen haftet. Die Energiekonzerne erklären zwar, die Technologie könne sicher gemacht werden, wollen aber nicht haften. Mehrere ambitionierte CCS-Projekte sind inzwischen aus Kostengründen gestoppt worden, in Deutschland ebenso wie im Ausland.

Nach umfangreichen Bürgerprotesten in mehreren norddeutschen Bundesländern trat in Deutschland 2012 ein CCS-Gesetz in Kraft, das den Bundesländern die Möglichkeit gibt, CCS auf ihrem Territorium zu verbieten. Mehrere Bundesländer haben bereits davon Gebrauch gemacht.

In Österreich ist CCS gänzlich verboten.
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