03.05.2016, 12:37 Uhr

Detektive des Meeresbodens geehrt

Detektive des Meeresbodens geehrt (Foto: copyright Geomar)
Geomar
Annette Barthelt-Stiftung zeichnet zwei junge Wissenschaftler für Arbeiten zu Kleinstlebewesen am Meeresboden und zur Klimageschichte der Arktis aus

29.04.2016/Kiel. Mit dem Annette Barthelt-Preis zeichnet die gleichnamige Stiftung zum nunmehr 27. Mal wissenschaftlichen Nachwuchs für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Meeresforschung aus. Die diesjährigen Preisträgerinnen, die am 29. April in einer Feierstunde geehrt werden, kommen vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen, und vom Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven. Mit dem Preis erinnert die Stiftung an vier junge Wissenschaftler des damaligen Kieler Instituts für Meereskunde, die am 18. März 1987 bei einem Terroranschlag in Dschibuti ums Leben kamen.
Leider geht es auf unserem Planeten in vielen Regionen alles andere als friedvoll zu. Ob Syrien, Ukraine oder Paris: Fast täglich sterben Menschen irgendwo auf der Welt in Kriegen oder bei Terroranschlägen. Oft sind die Opfer unbeteiligte Zivilisten, wie auch vor 29 Jahren in Dschibuti. Damals explodierte ein Sprengsatz in einem Café in der belebten Altstadt der afrikanischen Hafenstadt. Dreizehn Menschen starben, 41 wurden teils schwer verletzt. Unter den Toten waren auch vier junge Wissenschaftler des damaligen Kieler Instituts für Meereskunde (IfM): Annette Barthelt, Marco Buchalla, Hans-Wilhelm Halbeisen und Daniel Reinschmidt. Weitere Wissenschaftler erlitten schwere Verletzungen, deren Folgen sie bis heute belasten. Sie alle wollten mit dem Forschungsschiff METEOR für eine wissenschaftliche Expedition in den Indischen Ozean auslaufen. Am Abend davor hielten sie sich zufällig in dem Café auf und wurden so Opfer des Anschlags.

Zum Gedenken an die Tat gründeten Überlebende, Angehörige und Freunde die Annette Barthelt-Stiftung e.V. Sie hat zum Ziel, einerseits die Problematik des Terrorismus sowie seine Folgen für die Betroffenen und für die Gesellschaft öffentlich darzustellen. Andererseits fördert sie herausragende wissenschaftliche Arbeiten junger Meeresforscher, die auf Schiffsexpeditionen beruhen. „Letztendlich sind Bildung und Wissen auch wichtige Schutzmechanismen vor Fanatismus und Gewalt“, sagt Prof. Dr. Wolf-Christian Dullo, Vorsitzender der Stiftung.

Die Preisträger 2016 kommen vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen, und vom Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven.

Herr Dr. Arjun Chennu, geboren 1985 in Indien, hat im Fachbereich Geowissenschaften der Universität Bremen promoviert und seine Doktorarbeit „Mapping the microscale variability of microphytobenthos“ im Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen durchgeführt. Betreut wurde er von Dr. L. Polerecky und Prof. Dr. A. Boetius. Das Mikrophytobenthos hat eine große ökologische Bedeutung u.a. hinsichtlich der Primärproduktion und als Nahrungsgrundlage für Meerestiere. Herr Chennu hat ein sogenanntes Hyperspektrales Imaging System, das bisher nur im terrestrischen Bereich genutzt wurde, für den Lebensraum des Mikrophytobenthos umgestaltet und angepasst, wozu eine Reihe technologischer Entwicklungen nötig waren. Damit hat er erstmalig die Möglichkeit geschaffen, die kleinskalige räumliche Heterogenität des Mikrophytobenthos und dessen Produktivität zu quantifizieren. Herr Chennu ist momentan wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen.

Frau Isabel Sauermilch, geboren am 17.01.1990, hat ihre Masterarbeit “An insight into the sedimentary history of the Lomonosov Ridge, Arctic Ocean” an der Universität Bremen im Fachbereich Geowissenschaften eingereicht. Die Arbeit wurde am Alfred Wegener Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven durchgeführt und von Prof. Dr. Wilfried Jokat (AWI) betreut. Frau Sauermilch hat sich mit dem Sedimentsystem des Lomonosov Rückens, der als repräsentatives Gebiet für den Arktischen Ozean gilt, beschäftigt. Dabei konnte sie erstmals einen Einblick in tiefere Strukturen des Rückens geben. Sie hat in beeindruckender Weise ihren umfangreichen Datensatz dargestellt und interpretiert. Frau Sauermilch ist jetzt als Doktorandin am Institute of Marine and Antarctic Studies (IMAS) in Hobart, Australien beschäftigt.

Die Preise sind mit einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsstipendium in Höhe von jeweils 3.000 Euro verbunden. Die Arbeiten der Preisträger werden im Rahmen des Festaktes vorgestellt. Den diesjährigen Festvortrag wird Frau Prof. Dr. Heidrun Kopp vom GEOMAR zum Thema „Marine Geodäsie: Was ist das?“ halten.

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Elisabeth Staudinger aus Vöcklabruck | 03.05.2016 | 12:49   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 03.05.2016 | 12:55   Melden
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