09.03.2016, 13:28 Uhr

Deutschland wird Dürreland

9.3.2016 Klimaretter
2015 hat weltweit für Rekordtemperaturen gesorgt. Das gilt auch für Deutschland, wie die aktuelle Klimabilanz des Deutschen Wetterdienstes zeigt. Näheres s. Klimaforschung. Hierzulande ist die Erwärmung sogar deutlich stärker als im globalen Durchschnitt. Auch auf weitere Extreme muss sich die Bundesrepublik einstellen.

Dass 2015 weltweit das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 135 Jahren war, hat die US-Wetterbehörde NOAA kürzlich bereits gemeldet. Heute legte der Deutsche Wetterdienst nun auch die Zahlen für Deutschland vor. Die Daten sind so brisant, dass die Offenbacher eigens nach Berlin reisten, um ihr Zahlenwerk vorzustellen.

Der Klimawandel, zeigen die DWD-Messungen, ist längst in Deutschland angekommen. Die Erwärmung ist hier sogar besonders stark. Während die Temperaturen im weltweiten Durchschnitt um rund ein Grad Celsius gestiegen sind, erwärmte sich Deutschland seit 1881 sogar um 1,4 Grad.

"Mit 2015 waren nun bereits 23 der insgesamt 25 Jahre seit 1991 zu warm", betonte Thomas Deutschländer vom DWD heute in Berlin. "Das ist erlebter Klimawandel."

Dabei war 2015 nicht einmal das wärmste Jahr, das die Bundesrepublik bislang erlebt hat, sondern "nur" das zweitwärmste. Der Allzeitrekord von 2014 wurde nicht ganz erreicht. Nur in der fränkischen Kleinstadt Kitzingen wurde ein neuer Hitzerekord gemessen. An gleich zwei Tagen im Jahr erreichten die Temperaturen dort 40,3 Grad. Der bisherige Rekord von 40,2 Grad im pfälzischen Gärmersdorf stammt von 1983.

Bis Ende Oktober waren die Temperaturen 2015 sogar "recht normal", sagte Deutschländer. Aber: "Durch den außergewöhnlich milden Spätherbst mit Temperaturrekorden im November sowie im ersten Wintermonat Dezember sprang das Jahr im Ranking schließlich noch auf den zweiten Platz." Um 3,5 beziehungsweise 5,7 Grad war es in den beiden Monaten wärmer als im Mittel. Nur 1934 und 1974 hat es in Deutschland bislang einen annähernd so warmen Dezember gegeben. "Das war eine klimatologische Besonderheit", fasste Deutschländer zusammen.

Besonderheiten waren laut Wetterdienst auch bei Starkregen, Trockenheit und Schneefällen zu verzeichnen. "Heute gibt es eine viel größere Variabilität bei den Niederschlägen", sagte der Vizepräsident der Behörde, Paul Becker. Übers Jahr verteilt ist die Regenmenge 2015 zwar "nur" um elf Prozent gesunken – das ergibt im DWD-Ranking Platz 33 der trockensten Jahre seit 1881. Doch die Niederschläge verteilen sich nun "ungünstig", erläuterten die Meteorologen. Sprich: Es regnet zu selten, und wenn, dann häufig zu viel auf einmal.

Starkregen wird zum Risiko für Städte

2015 trat eine extreme Frühjahrstrockenheit auf, mit bis zu 70 Prozent weniger Regenfällen als üblich. Schon Mitte Juni waren viele Böden ausgetrocknet, bei Flüssen und Wasserspeichern sanken die Pegel. Der DWD spricht von "Dürre". Durch die geringe Bodenfeuchte verdunstet weniger Wasser, deshalb kam es im Juli und August zu extremen Hitzewellen.

Auf der anderen Seite erlebte Deutschland zahlreiche Starkregenereignisse und schwere Unwetter, verbunden mit Sturmböen, Hagel und sogar Tornados. "Wenn Regen auf ausgetrocknete Böden trifft, dann ist das ein Problem", sagte Becker. Der Boden kann die Wassermassen nicht aufnehmen, es kommt zu Überschwemmungen, die in der Vergangenheit immer wieder erhebliche Schäden verursacht haben.

Vor allem für dicht besiedelte urbane Räume seien solche Starkregenereignisse "besonders riskant", sagte Becker. Der Deutsche Wetterdienst will deshalb seine bisherigen Bodenmessungen künftig mit Radarmessungen ergänzen. Stadtentwickler und Bauherren sollen Risikokarten an die Hand bekommen, um abzuschätzen, wie groß etwa ein Regenrückhaltebecken sein sollte oder wie viel Wasser die Kanalisation auf einmal aufnehmen können muss, damit es nicht zu Überflutungen kommt.

Beim Ausblick auf das Jahr 2016 gaben sich die DWD-Leute indes zugeknöpft. "Eine Wettervorhersage ist nur für die nächsten zwei Wochen möglich", sagte Becker, "mehr haben wir nicht in unserem Werkzeugkasten." Ob es auch in diesem Jahr zu neuen Temperaturrekorden oder zu noch mehr Unwettern kommen werde, können die Meteorologie nicht sagen. "Wir dürfen keine voreiligen Schlüsse ziehen."

Nur so viel steht bislang fest: Januar und Februar 2016 waren auch wieder deutlich zu warm – wenn auch nicht Rekord.
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 10.03.2016 | 00:30   Melden
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Elisabeth Staudinger aus Vöcklabruck | 11.03.2016 | 22:00   Melden
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 12.03.2016 | 10:33   Melden
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