08.08.2016, 18:45 Uhr

Kosmische Explosionen: Erstes ARS Electronica-Residenzprogramm bei der ESA

Artwork by Aoife van Linden Tol (Foto: Copyright Courtesy of A. van Linden Tol)
ESA 5. August 2016
Die hauptsächlich mit explosiven Materialien arbeitende Künstlerin Aoife van Linden Tol ist die erste Teilnehmerin des art&science@ESA-Residenzprogramms, das gemeinsam von Ars Electronica und der ESA aufgelegt wurde.

Bild:Artwork by Aoife van Linden Tol

Ihr Vorschlag setzte sich in der internationalen Jury mit Repräsentanten der ESA, Ars Electronica und Futurelab sowie des European Digital Art and Science Network unter den 139 eingereichten Projekten durch.

Aoife van Linden Tol lebt in London, UK, und arbeitet mit explosiven Materialien, um ihre Interessen an Natur, Kosmologie, Chemie und Physik miteinander zu vereinen. Zahlreiche ihrer abstrakten Arbeiten untersuchen die Konzepte von Zeit, Dichte und Materie sowie tiefliegende menschliche Emotionen und Motivationen. Dabei arbeitet die Künstlerin auch in den Bereichen Bildhauerei, Installationen, Zeichnungen, Fotografie, Film und Performances.

Bild: Aoife van Linden Tol

Für das art&science@ESA-Residenzprogramm hat van Linden Tol Star Storm („Sternensturm“) entwickelt, eine spektakuläre Performance, inspiriert von den physischen Prozessen, die das Leben der Sterne charakterisieren.
„Die Jury war vor allem von Aoife van Linden Tols individuellem Ansatz begeistert, von der Art und Weise, wie sie fundamentale Fragen zu unserem Universum stellt und erforscht“, sagt Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter bei Ars Electronica.
Der erste Teil des Residenzprogramms wird im technischen Herzstück der ESA im niederländischen Noordwijk stattfinden, wo van Linden Tol Weltraumwissenschaftler trifft, um mit ihnen die Zusammensetzung, den Lebenszyklus, das magnetische Verhalten sowie die Lichterzeugung der Sterne, inklusive der Sonne, zu erforschen.
Der zweite Teil wird Aoife van Linden Tol mit dem Futurelab-Team bei der Ars Electronica in Linz, Österreich, zusammenbringen, um die Performance zu entwerfen. Dort wird sie, vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrung, neue Techniken kennenlernen, um den eigentlichen Kern des Kosmos, in dem wir leben, auf künstlerische Art und Weise zu bearbeiten.
„Wir sind tief beeindruckt von van Linden Tols aufregendem und poetischem Projekt, das Themen wie die Entstehung und das Vergehen von Sternen im Universum angehen und so Kunst und Weltraumwissenschaft in einer einzigartigen Performance integrieren wird“, sagt Mark McCaughrean, leitender wissenschaftlicher Berater der ESA.

Bild: Artwork by Aoife van Linden Tol

Darüber hinaus hat die Jury unter den Einsendungen ein weiteres vielversprechendes und innovatives Projekt ausgemacht: The Wandering Artist („Der wandelnde Künstler“) der amerikanischen Künstlerin und Roboteringenieurin Sarah Petkus.
Petkus’ Vorschlag erwägt, eine Sonde in den Weltraum zu schicken, die einen anderen Planeten im Sonnensystem erforscht und Entscheidungen auf kreativen und künstlerischen Grundlagen anstatt mithilfe rein wissenschaftlicher Überlegungen trifft.
„Die Prämisse von Sarah Petkus’ Projekt ist faszinierend: Alles beginnt mit einer scheinbar alltäglichen Situation in den Weltraumwissenschaften – ein Roboter erkundet eine andere Welt als die unsere. Aber der Roboter ist ein Künstler und fragt, was anders gemacht werden könnte“, so Gerfried Stocker weiter.
Die Jury zeichnete Petkus mit einer ehrenden Erwähnung aus und lud sie zu Treffen mit ESA-Planetenwissenschaftlern und -Roboterexperten in Noordwijk sowie mit dem Futurelab-Team der Ars Electronica ein.
Weitere ehrende Erwähnungen der Jury gingen an: Akira Wakita aus Japan mit Mars Zen Topography, Smite Rasa und Smits Raitis aus Lettland mit Saving Appearances, Alois Yang aus Frankreich mit Hear the World Begin sowie Kristina Pulejkova aus Mazedonien mit We could be Martians.
Darüber hinaus wurde Miha Turšič aus Slowenien mit einer ehrenden Erwähnung bedacht, und zwar für seinen Vorschlag Supreorganism, besonders aber für seine bahnbrechende Arbeit und sein herausragendes Engagement in der Erkundung von Weltraumkulturalisierung.
Aoife van Linden Tol und Sarah Petkus werden ihre Residenzprogramme Ende 2016 und Anfang 2017 antreten. Die ESA, Ars Electronica sowie die sieben kulturellen Partner des European Digital Art and Science Network wollen die aus diesen Programmen entstehenden Kunstwerke im September 2017 auf dem Ars Electronica Festival in Linz zeigen. Die Arbeiten sollen danach aber auch an weiteren Veranstaltungsorten in ganz Europa zu sehen sein.
„Wir freuen uns schon außerordentlich, mit diesen Künstlern zusammenzuarbeiten, und ganz besonders darauf, in diesem Prozess an zahlreiche künstlerische wie auch wissenschaftliche Grenzen zu stoßen, sie zu erforschen und letztlich zu überwinden“, sagt Mark McCaughrean.

Hintergrund

Die 1979 gegründete kulturelle Institution Ars Electronica arbeitet an der Schnittstelle zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft und ist im österreichischen Linz zuhause.

Das Residenzprogramm ist Teil des European Digital Art and Science Network, das von Ars Electronica und sieben kulturellen Partnern (Center for the Promotion of Science, Serbien; DIG Gallery, Slowakei; Zaragoza City of Knowledge Foundation, Spanien; Kapelica Gallery/Kersnikova, Slowenien; GV Art, UK; Laboral, Spanien; und Science Gallery, Irland) initiiert wurde. Unterstützung dafür kam vom EU-Programm Kreatives Europa.
1
1
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
2 Kommentareausblenden
3.641
Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 08.08.2016 | 23:05   Melden
3.641
Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 09.08.2016 | 18:51   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.