08.07.2016, 12:39 Uhr

Satelliten versprechen schnelles Internet für TV-Übertragungen

ESA 30.6.2016
Derzeit wurden Dutzende EM-Fußballspiele via Satellit übertragen. Aber wussten Sie, dass eine Technologie, die auf dem Internet und Satelliten basiert, es auch kleineren Teams ermöglicht, ihre Spiele live zu übertragen und damit ein größeres Publikum anzusprechen?

Wir haben in Italien den Fußballverein von Cuneo und Eutelsats Station im französischen Rambouillet besucht, um zu erfahren, wie diese Technologie funktioniert.

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Cuneos-Spieler waren bisher nicht viele Zuschauer gewöhnt. Aber dank der Satellitentechnik kann ein kleiner Verein wie dieser im Nordwesten Italiens seine Spiele live übertragen - mithilfe eines Internetservice, der Satelliten verwendet. Dieses Pilotprojekt wurde in dieser Saison in Italiens 3. Liga, der Lega Pro, getestet. Unterstützt wird es von der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Die gleiche Technik wurde auch zur Übertragung von Volleyballspielen verwendet.

Marketing-Chefin Simona Ragusa ist begeistert: "Es ist natürlich eine gute Sache und von großem Vorteil für eine Meisterschaft in der 3.Liga, die nicht so viel Aufmerksamkeit wie die Serie A, Serie B oder die Champions League bekommt. Es ist eine Chance für unsere Liga und den Verein mehr Sichtbarkeit zu erreichen, gerade auch vor Ort ist das nützlich."
Zudem hat der Verein so die Möglichkeit, neue potenzielle Fans zu erreichen, die die Spiele über die Satelliten-Internet-Verbindung verfolgen können. Simona Ragusa weiter: "Wir haben natürlich nicht so viele Fans wie die höheren Ligen. Nun haben die Fans, die normalerweise nicht ins Stadion kommen, aber die Möglichkeit, die Spiele von zu Hause aus oder am Handy zu verfolgen."

Die Aufnahmen landen in der Bodenstation des europäischen Satelliten-Konzern Eutelsat

Die Aufnahmen landen an einen Bodenstation wie dieser hier in Frankreich, betrieben vom europäischen Satelliten-Konzern Eutelsat. Der Chef für die italienischen Fernsehveranstaltungen bei Eutelsat Cristiano Benzi erklärt:
"Hier empfangen wir die Signale, die uns über den Satelliten von verschiedenen Orten in Europa geschickt werden. Über ein Glasfasernetz speisen wir sie ins Internet ein."

Die Spiele der 3. Liga kann man auf dem Internet-Kanal Sportube sehen. Die neuen Satellitensysteme nutzen das Ka-Band, einen neuen Frequenzbereich, der über eine höhere Bandbreite verfügt und für die Übertragung von Bildern zudem billiger ist. Die Bandbreite ist von großer Bedeutung bei der Ausstrahlung von Bildern via Satellitenfunkverbindung.

Cristiano Benzi erklärt: "Mit der Bandbreite beschäftigen wir uns täglich. Man kann sie mit dem Wasserfluss aus einem Hahn vergleichen. Ein geringerer Wasserfluss entspricht einer langsamen Bandbreite, ein stärkerer Wasserfluss entspricht einer größeren Bandbreite. Die Informationen, die wir an die Satelliten schicken, werden in Bits übertragen. Ein Telefongespräch benötigt ein paar Tausend Bits pro Sekunde, während hochauflösende TV-Bilder sehr viel komplexer sind, und Millionen manchmal sogar Milliarden von Bits pro Sekunde benötigen."

Neben der Ausstrahlung von TV-Bildern wird das Satelliten-basierte Breitband auch für die Internetverbindungen verwendet. In Europa gibt es immer noch Regionen, in denen Breitband-Internetzugang nicht realisierbar ist. Der Chef für die italienischen Fernsehveranstaltungen bei Eutelsat Cristiano Benzi erklärt die Möglichkeiten der Internetverbreitung via Satellit: "Der große Vorteil liegt darin, dass Sie nur ein Gerät brauchen und das ist sehr billig. Sie können das überall installieren, um eine ADSL-ähnliche Internetverbindung herzustellen. Ein weiterer Vorteil von Satelliten ist ihre Reichweite. Das Satellitensignal kommt überall an."

Der Fortschritt in der Satellitentechnik eröffnet ganz neue Möglichkeiten bei der Übertragung von Großereignissen


Dazu werden geostationäre Satelliten benötigt, die kontinuierlich von ihrem Orbit über dem Äquator aus ein spezifisches Gebiet der Erde überwachen können. Wie funktioniert dieser Satellit? Antworten von Jean-Luc Deroudilhe, Geschäftsführer von Eutelsats Schwestergesellschaft Fransat: "Nehmen wir diesen Fußball als Beispiel für die Erde. Der Satellit umkreist sie in 36.000 Kilometer Entfernung. Wenn die Erde sich um die eigene Achse dreht, dann dreht sich auch der Satellit in der gleichen Geschwindigkeit wie die Erde. Damit steht er von der Erde aus betrachtet, immer auf der gleichen Position."
Im Trend soll schon bald Ultra HD liegen, das eine 4K-Auflösung bietet. Die verfügbare Satelliten Bandbreite und eine große Abdeckung ermöglichen es Zuschauern innerhalb des vom Satelliten abgedeckten Gebiets ein Signal in gleich hoher Qualität zu empfangen. Jean Luc Deroudilhe dazu: "Die Ultra-HD-Auflösung wird zum Standard des Fernsehens von Morgen gehören. Sie hat eine wesentlich höhere Qualität als HD, nämlich viermal so viele Pixel wie HD, acht Millionen Pixel und das sind dann auch noch bessere Pixel."
Dank des kontinuierlichen Fortschritts der Satellitenindustrie werden Großereignisse wie ein Fußballspiel bald eine völlig neue Dimension erreichen, darin sind sich die Wissenschaftler einig.

Jean Luc Deroudilhe gibt einen Ausblick in die Zukunft: "Es wird die Möglichkeit geben, die Zahl der Kameras weiter zu erhöhen, und so über neue Einstellungen zu verfügen, wie zum Beispiel aus der Perspektive eines Spielers. Durch Kameras, die beispielsweise am Trikot befestigt sind, kann der Zuschauer das Spiel wesentlich intensiver miterleben. Er hat dann nicht nur eine Sichtweise auf das Spiel. Er ist live mit dabei und erlebt so eine andere Art des Zuschauens und das Sportereignis erhält eine völlig neue Dimension."
Die Nutzung von Satelliten und dem Internet für die Übertragung von kleineren Sportereignissen zieht ein neues Publikum an. Das Potenzial liegt bei mehr als 200 Millionen Zuschauern in Europa.
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Gerhard Heising aus Stubai-Wipptal | 09.07.2016 | 10:21   Melden
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