22.08.2016, 08:46 Uhr

Simulation zeigt schmelzende Gletscher und sinkende Wasserressourcen in Nordwest-China

Der Aksu-Fluss (Foto mit freundlicher Genehmigung. (Foto: Copyright GFZ: M.Wortmann, PIK.)
GFZ 17.08.2016: Das Tarimbecken in Nordwest-China ist eine extrem trockene Region. Die Bevölkerung - über zehn Millionen Menschen - wird durch den Tarim, den größten Fluss der Region, mit Frischwasser versorgt. Der Fluss speist sich zum großen Teil aus Zuflüssen der umliegenden vergletscherten Gebirgsregionen. Das Wissen darüber, wie sich der Klimawandel in Zukunft auf die Gletscher und Flüsse dieser Gebirge auswirkt, ist daher von großer Bedeutung für die regionale Wasserversorgung.

In einer Studie zeigen WissenschaftlerInnen des GFZ, des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und der China Meteorological Administration CMA, Projektionen der zukünftigen Entwicklung des Wasserhaushalts des Aksu-Flusses, dem wichtigsten Zufluss des Tarim. Erstmals werden dabei auch Änderungen der Gletscherflächen simuliert, die in bisherigen Modellen als Konstanten einbezogen wurden. „Da die Flüsse der Region zum großen Teil durch Gletscherschmelze gespeist werden, führen Rechnungen mit konstanten Gletscherflächen zu falschen Schlussfolgerungen“, erläutert Dr. Doris Düthmann, Erstautorin der Studie und ehemals am GFZ in der Sektion Hydrologie, jetzt an der Technischen Universität Wien, Österreich, tätig.

Für die Studie, erschienen in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters, werden neben Abflussdaten der letzten 50 Jahre auch Satellitendaten zu bisher beobachteten Gletschermassenverlusten herangezogen. Die Berechnungen basieren auf verschiedenen Modellsimulationen, die unterschiedliche Emissionsszenarien, Klimamodelle und Einstellungen des hydrologischen Modells berücksichtigen. Dadurch erhalten die WissenschaftlerInnen eine Spanne von Projektionen.

Enorme Herausforderungen für die regionale Wasserversorgung


Die Simulationen zeigen eine drastische Abnahme der Gletscherflächen von 32 bis 90 Prozent für das Ende des Jahrhunderts, im Vergleich zum Stand von 2008. Demnach führen steigende Temperaturen und eine verstärkte Gletscherschmelze zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu einem erhöhten Gletscherabfluss und damit zu einer erhöhten Wasserverfügbarkeit. Im Verlauf des 21. Jahrhunderts führen die reduzierten Gletscherflächen jedoch zu einer Abnahme der Gletscherschmelze und des verfügbaren Wassers aus den Gebirgsgebieten.

„Für das Landnutzungs- und Wassermanagement werden solche Projektionen dringend benötigt“, erläutert Düthmann, „Man sollte sich nicht vom derzeit beobachteten Abflussanstieg täuschen lassen.“ Der über die letzten Jahrzehnte erfolgte Anstieg der Bewässerungsflächen und Wasserentnahmen führt schon heute zu Problemen im Unterlauf des Tarim. Dort sinken die Wasserstände und einige Flussabschnitte sind zum Teil ausgetrocknet – trotz der aktuell zunehmenden Abflüsse aus den Gebirgsgebieten. „Sollten in Zukunft die Wasserressourcen aus den Gebirgsgebieten abnehmen, wird dies die Region vor enorme Herausforderungen stellen.“, so Düthmann weiter. (ak)
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Elisabeth Staudinger aus Vöcklabruck | 24.08.2016 | 08:16   Melden
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