09.09.2016, 10:40 Uhr

Unterschätze Gefahren – Neue Erkenntnisse nach der jüngsten Eruption des kapverdischen Vulkans Fogo

Unterschätze Gefahren – Neue Erkenntnisse nach der jüngsten Eruption des kapverdischen Vulkans Fogo (Foto: Copyright GFZ: (Nicole Richter, GFZ).)
GFZ 08.09.2016: Da, wo gestern der Blitz eingeschlagen hat, wird er heute nicht nochmal einschlagen.

Nach dieser fatalen Logik verfahren viele Menschen oft auch nach katastrophalen Naturereignissen und siedeln in Flussauen oder an Berghängen, obwohl nach wie vor die Gefahr einer Flut oder Hangrutschung besteht.

Eine neue Studie zeigt, dass diese Einschätzung auch an Vulkanen ein folgenreicher Trugschluss ist. Die Arbeit, erschienen in der open access Zeitschrift Natural Hazards and Earth System Sciences, untersucht das Gefahrenpotenzial durch Lavaströme vor und nach dem jüngsten Ausbruch des Vulkans Fogo. Erstautorin ist die GFZ-Doktorandin Nicole Richter.

Die Insel Fogo, auch Ilha do Fogo, zu Deutsch „Insel des Feuers“, ist eine der Kapverdischen Inseln im mittleren Atlantik, vor der Nordwestküste Afrikas gelegen, und ist eine der aktivsten Vulkaninseln der Erde. Während der jüngsten Eruption, im Zeitraum von November 2014 bis Februar 2015, haben basaltische Lavaströme in den Dörfern Portela und Bangaeira etwa 90 Prozent der Häuser zerstört. Auch die kleine Siedlung Ilhéu de Losna fiel dem Ausbruch zum Opfer und circa 25 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche innerhalb der Chã das Caldeiras, der zentralen Hochebene auf durchschnittlich 1700 Meter über dem Meeresspiegel, wurden vernichtet. Rund eintausend Menschen verloren ihr Zuhause. In den betroffenen Regionen sind die Wiederaufbaumaßnahmen bereits weit vorangeschritten. Die Menschen bauen ihre neuen Häuser direkt auf den noch auskühlenden Lavastrom, wobei sie offenbar davon ausgehen, dass der im Vergleich zur direkten Umgebung nun höher gelegene Bereich bei einer folgenden Eruption nicht betroffen sein wird.

Diese Annahme konnte nun ein internationales WissenschaftlerInnen-Team um Nicole Richter, GFZ Sektion Erdbeben- und Vulkanphysik, widerlegen. Anhand von Computermodellen auf der Basis topografischer Daten von vor und nach der jüngsten Eruption hat das Team eine umfassende Gefahrenbewertung von Lavaflüssen des Vulkans Fogo vorgenommen.

Mit hochpräzisen terrestrischen laser-basierten Abtastverfahren analysierten die WissenschaftlerInnen die neue Topographie im Bereich des Ausbruchs und verglichen diese mit der Situation vor dem Ausbruch. So konnten sie auch das Volumen der Eruption genau bestimmen.

Außerdem halfen Fernerkundungsdaten des deutschen Satelliten TerraSAR-X schon während der Eruption die räumliche Ausbreitung des Lavaflusses zu kartieren. Mit diesen Daten speiste das Team tausende Modellsimulationen, um so die wahrscheinlichsten Fließwege der Lava zu ermitteln und eine Gefährdungskarte für die Region zu erstellen. Die Simulationen konnten auch die jüngste Eruption sehr genau rekonstruieren, was zeigt, wie verlässlich die Ergebnisse sind.

Ehemals betroffene Gebiete, selbst an Stellen, an denen der jüngste Lavastrom mächtiger als 20 Meter ist, sind den Ergebnissen zufolge, nicht notwendigerweise sicherer als vor dem Ausbruch. So bleibt die Gefährdung an den beiden am stärksten betroffenen Orten Portela und Bangaeira groß.

„Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, dass für Regionen, die durch einen Vulkanausbruch gefährdet sind, aktuelle Informationen zur Topographie und zur potenziellen Gefährdung vorliegen. Jetzt gilt es, die gewonnenen Erkenntnisse den Entscheidungsträgern auf Fogo zur Verfügung zu stellen und die Methode auch auf andere Vulkangebiete zu übertragen“, so Richter. Vielleicht, so hoffen die WissenschaftlerInnen, kann diese Studie eine nachhaltige und vorausschauende Siedlungs- und Landschaftsplanung an aktiven Vulkanen unterstützen. (ak)
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Weitere Beiträge zu den Themen
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.