11.08.2016, 15:45 Uhr

AM EIGENEN LEIB – Auf der Mautstelle

Zu Dienstbeginn muss sich jeder Mautner mit seiner Nummer einloggen. (Foto: Penker)
SCHÖNBERG. Der Finger nähert sich dem großen Knopf – jeden Moment schaltet die Ampel über der Mautspur auf grün und es wird ernst. Dann gilt es, so viele Autos wie möglich, so schnell wie möglich abzufertigen. Keiner soll lange warten müssen.

Etwa 40 Jugendliche und StudentInnen arbeiten über den Sommer an der Hauptmautstelle Schönberg. Zusätzlich sind hier 63 Personen fix angestellt. Ein guter Grund also für die BEZIRKSBLÄTTER, die Arbeit als Mautner an Österreichs größter Mautstelle näher unter die Lupe zu nehmen. 12,8 Millionen Fahrzeuge passieren sie pro Jahr, an den stärksten Tagen, insbesondere im August, wird ein Spitzenwert bis zu 3.000 pro Stunde allein nach Süden erreicht.

Schon biegt das erste Auto in die Spur ein. Eine freundliche ältere Dame hält das bereits abgezählte Geld entgegen. "Erster Tag?", fragt sie. Ihr ist aufgefallen, dass hinter dem "Neo-Mautner" eine weitere Person steht und mit wachsamen Augen aufpasst, dass dieser nichts falsch eingibt und sich nicht beim Geld verzählt. Die Dame lacht nachsichtig, als es ein paar Sekunden länger als üblich dauert, bis der richtige Knopf gefunden ist, der den Schranken öffnet.

Christina Penker begleitete Redakteur Arno Cincelli auf der Kurzschicht. Es ist üblich, dass erfahrene Mautner, die Neulinge und Ferialarbeiter ca. zwei Tage auf ihrer Schicht begleiten. Erst dann darf man alleine ran. Immerhin geht es hier nicht nur um sehr viel Geld, das innerhalb einer Schicht den Besitzer wechselt, viele Handgriffe und Routinen muss man erst lernen. Darüber hinaus ist die Mautstelle heutzutage viel mehr als ein Ort, um die Maut zu bezahlen. Sie ist vielmehr ein "Drive-In-Serviceschalter", an dem man auch Mautkarten oder Autobahnvignetten erstehen kann und man sich erkundigt, ob einen das Navi schon richtig geleitet hat. Jede Hilfe ist da mehr als willkommen!

Schicht schnell vorbei

Auto um Auto wird abgefertigt. Es ist erstaunlich: Immer wieder stellen sich Autos bevorzugt in einer Spur an, die plötzlich stark beansprucht wird, während sich in anderen weniger Druck aufbaut. "Deshalb setzen wir an den besonders verkehrsreichen Tagen im Sommer auch Straßenaufsichtsorgane ein, die die Fahrer in die Spuren einweisen", erklärt Mautstellenleiter Stefan Zangerle.

Immer mehr Autos passieren die Mautspur. Oft dauert es nur wenige
Sekunden, bis das Geld entgegengenommen, Rechnung und Wechselgeld an den Fahrer übergeben und der Schranken geöffnet ist. Da kann es schon mal vorkommen, das man statt einen Fahrer zu begrüßen ihm "Gute Fahrt" wünscht. Egal – Hauptsache man lächelt dabei freundlich und bleibt höflich.

Wenig Zeit bleibt, um überhaupt nachzusehen, wie viel auf der Mautstelle in den anderen Spuren los ist. Oder um darüber nachzudenken, wie viel Zeit vergangen ist, seit die Schicht begonnen hat. Einzig der Blick in die Geldkassette bestätigt, dass man doch schon länger dasitzt: Der Inhalt hat sich – obwohl sehr viele mit Karte bezahlen – deutlich vermehrt.

Gerade die große Menge Geld, die hier zusammenkommt, stellt für viele der Ferialarbeiter eine neuartige Verantwortung dar. Nur wenige dieser jungen Menschen hatten zuvor bereits einmal so viel Geld in Händen, wie es hier zum Alltag gehört. Das Vertrauen, das diesbezüglich in sie gesetzt wird, motiviert viele, wie Zangerle bestätigt: "Oft erzählen sie mir Jahre später, was für eine großartige Erfahrung das war."
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