18.10.2016, 11:06 Uhr

Alte Bausubstanz wird neu genutzt

Gertrud Tauber zeigt in ihrem zukünftigen Büro die Pläne für den neuen Kasperhof.
PATSCH (cia). Bei den diesjährigen Regionalitätspreisen der Tiroler BEZIRKSBLÄTTER erhielt architektur:lokal den Sonderpreis für Innovation. Damit ist die Genossenschaft aus Patsch einer von sieben Vorzeigebetrieben, die sich in außergewöhnlicher Weise um eine Stärkung der Regionen verdient machen.

Erst im April 2016 hat Gertrud Tauber die Genossenschaft mit zwei weiteren Architekten ins Leben gerufen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der "Wiederbelebung leer stehender, dem Verfall und/oder Abriss preisgegebener traditioneller Bausubstanz im ländlichen Raum". Darüber hinaus richtet sich das Angebot an jene Menschen, die das "baukulturelle Erbe im ländlichen Raum erhalten und wiederbeleben sowie das Wissen und die handwerklichen Fähigkeiten, welche darin stecken, wiederentdecken wollen".

Als Pilotprojekt dient dabei der Kasperhof im Ortskern von Patsch, der in Zukunft auch Sitz der Genossenschaft sein wird. Das etwa 400 Jahre alte Gebäude an der Hauptstraße steht seit fast 20 Jahren leer. Es steht unter Stadt- und Ortsbildschutz. Gemeinsam mit den zukünftigen Bewohnern soll es im Rahmen eines sogenannten Bauherrenprojekts wieder nutzbar gemacht werden. Neben Büro- und Seminarräumen für die Genossenschaft entstehen hier, unterstützt von Wohnbauförderung und der Dorferneuerung, drei Wohnungen zwischen 139 bis 181 Quadratmetern. „Wir sehen den Leerstand als Ressource“, erklärt Tauber. Gerade im ländlichen Raum gäbe es viel alte, wertvolle Bausubstanz, die verfällt oder vor dem Abriss steht. Damit würde man auch der Zersiedelung der ländlichen Gemeinden entgegentreten.

Weitere Standbeine der Genossenschaft neben Bauprojekten sind die Weiterbildung und die Forschung – „immer mit Schwerpunkt auf altes Wissen und Bauen, um die Potentiale für die Herausforderungen von heute und morgen zu nutzen“, so Tauber. So wurde bereits ein Bildungsprojekt im Rahmen der Leaderregion Regionalmanagement Wipptal eingereicht. Dieses soll 2017 starten und neben Vorträgen auch Kurse zu altem Bauhandwerk sowie Exkursionen beinhalten. „Die Kurse werden an konkreten Objekten im Wipptal durchgeführt“, erklärt die Architektin.

Baubeginn im Spätherbst

Noch im November soll das Pilotprojekt Kasperhof angegangen werden. „Wir sind nicht an Jahreszeiten gebunden“, sagt Tauber, da es ja in erster Linie um den Innenausbau geht. Etwa eineinhalb Jahre dürften nach ihrer Schätzung die Arbeiten dauern. Verwendet werden sollen dabei ökologische und regionale Baumaterialien. Dazu will architektur:lokal ganz getreu den eigenen Prinzipien eng mit traditionellen Handwerkern zusammenarbeiten.
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