17.04.2016, 11:51 Uhr

Eine Hymne auf den Instrumentenbau

Handgefertigte Einzelstücke erhält man in der Werkstatt von Hackbrettbauer Pankraz Schadler in Kirchbach.

Heimische Instrumentenbauer kämpfen gegen "Billigsdorfer" im Internet.

Die Gitarre vom Diskonter – für viele ein Schnäppchen, für unsere Musikinstrumentenbauer ein Albtraum. Auch die Kunsthandwerker im Bezirk Südoststeiermark haben mit Billiganbietern im Internet und aus dem Ausland zu kämpfen. Spitzenqualität darf man sich allerdings nur vom "gelernten" Erzeuger und im heimischen Fachhandel erwarten.
Pankraz Schadler in Kirchbach ist spezialisiert auf den Hackbrettbau. In den Erzeugnissen steckt viel Know-how und Arbeitszeit. "Wir erleben es gerade, dass sich die Spreu vom Weizen trennt, sprich Billigstanbieter treffen auf ein qualitativ hochwertiges Angebot, das nur wir Fachhändler bieten können", sagt Rupert Hofer. Der Landesinnungsmeister der Musikinstrumentenerzeuger kennt die Branche wie kein Zweiter.

Beratung ist die Zukunft

Viele der 440 Musikinstrumentenbauer in Österreich existieren nur noch als Einzelunternehmer. Vom Aussterben des Berufes will Hofer – er selbst ist Geigenbauer – allerdings nichts wissen. Die Zukunft liege in der Beratung. Das müsse dem Kunden auch etwas wert sein. Daher stellt Hofer das Fachgespräch dem Kunden in Rechnung. Freilich bekommt man den Betrag im Falle eines Kaufes in seinem Geschäft refundiert. Das Risiko, den Kunden zu beraten, damit der danach online das richtige Rabattangebot in den Warenkorb schieben kann, scheint ihm zu groß zu sein. Wer kann's ihm verdenken – der Preisunterschied zwischen einem vorwiegend asiatischen Billigprodukt im Internet und einer Fachanfertigung macht bis zu 1.000 Prozent aus.


Der Experte vor Ort

Ab 1.000 Euro aufwärts kann man ein original handgefertigtes steirisches Hackbrett bei Hackbrettbauer Pankraz Schadler ersteigern. Der gelernte Tischler eröffnete 2012 seine eigene Werkstatt in Kirchbach. Mit Liebe zum Detail und jeder Menge Herzblut fertigt er hier maßgeschneiderte Einzelstücke. An die 20 Arbeitsstunden stecken in einem "einfachen" steirischen Hackbrett. "Bei extravaganten Kundenwünschen mit speziellen Schnitzmustern können es jedoch an die 40 Stunden werden", so Schadler. Neben steirischen und chromatischen Hackbrettern entstehen in seiner Werkstatt auch eigene Kinderhackbretter und Instrumentenzubehör. Mit seinen individuellen Gestaltungsmöglichkeiten konnte Schadler bereits einen breiten Kundenstamm gewinnen. Sowohl Privatpersonen als auch Musikschulen in ganz Österreich und über die Grenzen hinaus schätzen seine Arbeit.

Der Beruf

In Österreich gibt es 440 aktive Musikinstrumentenerzeuger. Die Lehrzeit beträgt zwischen 3 und 3,5 Jahre. Anschließend folgen die "Wanderjahre" und die Meisterprüfung. Musikinstrumentenerzeuger sind auch Restaurateure und Sachverständige.

Drei Fragen an Pankraz Schadler

Welche Ausbildung haben Sie als Hackbrettbauer?
Ich bin gelernter Tischler und habe an der WK eine Arbeitsprüfung zum Instrumentenbauer eingeschränkt auf Hackbrettbau abgelegt.
Was ist der Unterschied zwischen einem individuellen und einem Industrieprodukt? Meine Instrumente sind handgefertigte Einzelstücke. Bei der Produktion gehe ich auf jeden Kundenwunsch ein.
Ist das Hackbrett typisch für die Südoststeiermark?
Absolut. Besonders aber das steirische Hackbrett.
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