16.03.2016, 10:00 Uhr

Richtig heizen mit Holz: "Brennholz sollte ganz trocken sein"

Holzheizer leisten einen Beitrag zur Verbesserung der Luft im Winter, wenn sie ihren Ofen richtig betreiben. BEZIRKSBLÄTTER fragten den Rauchfangkehrer-Meister und Feuerhaus-Chef Rudi Rohowsky, wie man es richtig macht.

TELFS. Falsch betriebene Holzheizungen haben eine negative Auswirkung auf unsere Luftqualität und auf unsere Gesundheit. Besonders in den ländlichen Gemeinden ist die Schadstoffbelastung durch Hausbrand hoch. Mit einem Anteil von 30 Prozent der Feinstaubemissionen liegt der Hausbrand gleichauf mit dem Verkehr, erklärt dazu Umwelt-LT Ingrid Felipe: Dementsprechend groß ist der Anteil, den HolzheizerInnen zur Verbesserung der Luftsituation im Winter leisten können.

BEZIRKSBLÄTTER fragten den Kaminkehrer-Meister Rudi Rohowsky, was beim Heizen mit Holz zu beachten ist:

Wie sollte Brennholz grundsätzlich beschaffen sein?
RUDI ROHOWSKY: Wichtig ist die Lagerung: Im Grunde wussten die „Alten“ genau wie man das Beste aus dem Brennholz herausholen kann: 2 Jahre – am besten bereits als Stückholz. Der Platz sollte gut durchlüftet und überdacht sein. Idealerweise unter einem Vordach an der Süd- oder Westseite des Hauses damit Sonne und Wind die Trocknung für sie durchführen können. Zwischen dem Holz und Wänden oder Boden sollte genügend Platz sein, damit die Luft zirkulieren kann.
Geschlossene Räume wie Garagen oder Kellerräume sind gerade für frisch geschlagenes Holz nicht ideal.
Frisch geschlagenes Holz hat einen Wassergehalt von etwa 50 % nach einem Jahr sinkt dieser auf ca. 30% und nach den klassischen 2 Jahren Lagerdauer sind wir bei den, auch gesetzlich vorgeschriebenen 15 – 20 % angekommen.
Wenn sie sich unsicher sind kann die Holzfeuchte mittels eines einfachen Messgerätes im Fachhandel (z.b. bei uns) gemessen werden.
Ein Tipp: Lagern sie ihren Tagesbedarf in z.B. einem Korb in Ofennähe, so kann sich das Holz erwärmen und nachtrocknen.
Verwenden sie auf keinen Fall lackiertes oder anders behandeltes Holz, diese Bestandteile setzen sich im Ofen, Kamin und der Umwelt ab.

Gibt es Unterschiede beim Brennholz, ob damit ein Heizkessel im Keller oder ein offener Ofen (etwa mit Fenster) etwa im Wohnzimmer beheizt wird?
ROHOWSKY: Holz brennt eben wie Holz brennt, egal in welcher Art von Feuerstätte es verwendet wird. Wichtig ist – wie vorher beschrieben die richtige Lagerung - dadurch kann der Heizwert von etwa 2 kWh/kg auf 4kWh/kg verdoppelt werden (!). Falls zu viel Feuchtigkeit im Holz ist braucht man zu viel Energie für die Wasserverdampfung.
Ein anderer Punkt ist aber der Wirkungsgrad der Feuerstätten. In Österreich dürfen nur Festbrennstoff - Einzelfeuerstätten mit einem Mindestwirkungsgrad von 80 % in Verkehr gebracht werden (ausgenommen sind Herde mit 73 % und Offene Kamine). Leider gibt es immer noch Produkte im Handel, die diesen Wert unterschreiten.
Diesen Wert schaffen naturgemäss alte Öfen nicht, daher bietet die Öffentliche Hand immer wieder sehr großzügige Fördermöglichkeiten für den Kauf neuer Geräte an. Zur Zeit läuft z.B. noch eine Förderung von € 1500 für den Tausch eines mind. 10 Jahre alten Holzofens gegen einen Pelletofen oder einen Holzofen mit kontrollierter Verbrennungsluft.

Wie sollte der Holzstapel im Ofen aufgeschichtet werden, und wie zünde ich richtig an?
ROHOWSKY: Ähnlich wie bei einer Kerze sollte der Holzstapel von oben angezündet werden. Das mag am Anfang ungewohnt sein, reduziert aber den Schadstoffausstoss und ist nach kürzester Zeit rauchfrei – was auch die Nachbarn freut. Der Vorteil ist, dass die Rauchgase vollständig verbrennen können und dadurch auch der Wirkungsgrad erhöht wird, ausserdem haben sie länger den Genuss eines flackernden Feuers.

Welche Anzündhilfen empfehlen Sie?
ROHOWSKY: Im Fachhandel gibt es biologische Anzünder aus mit Wachs getränkter Holzwolle. Diese schauen nicht nur gut aus und riechen gut, sie brennen auch bis zu 12 Minuten. Bei der Verwendung von zuviel Papier haben sie einen weitaus höheren Ascheanteil und müssen den Ofen öfter reinigen. Ich bitte sie auf keinen Fall behandeltes Papier oder Kartonagen zu verwenden; diese schädigen ihre Feuerungsanlage und damit ihr Geldtasche.

Was ist beim Betrieb eines Holzofens noch zu beachten?
ROHOWSKY: Jeder Verbrennung braucht Sauerstoff; daher ist neben dem richtigen Brennstoff die Luftzuführung ein essentielles Thema. Reinigen sie daher vor dem Anzünden den Rost von Asche und öffnen sie alle Luft- und ev. Drosselklappen. Je heller und höher die Flammen sind desto besser ist die Verbrennung. Die Klappen erst dann schliessen, wenn sich ein schöner Glutstock gebildet hat. Der neueste Trend sind Öfen mit kontrollierter Verbrennungsluftführung. Über eine Sonde werden die Temperaturen gemessen und das Gerät regelt die Luftzufuhr automatisch. Sogar das Nachlegen von Holz wird entweder akustisch oder über die Diplaybeleuchtung angezeigt. Um diese Möglichkeit zu nützen brauchen sie allerdings Strom; natürlich funktionieren die Öfen aber auch bei eventuellem Stromausfall händisch.
Bei sehr dichten Häusern oder Häusern mit kontrollierter Wohnraumbelüfung empfiehlt es sich gleich bei der Planung an die Zuluftführung zu denken. Dies kann entweder über ein spezielles Kaminsystem oder eine Luftleitung in´s Freie erfolgen.

Wie oft sollte der Ofen oder der Kamin gewartet werden?
ROHOWSKY: Die Tiroler Feuerpolizeiordnung sieht bei Holzöfen bis zu 4 Kehrungen pro Jahr vor. Dies betrifft jedoch den Kamin. Denken sie daran auch die Herde und Öfen regelmässig reinigen zu lassen.
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