Göttin erregt die Gemüter

Zirl plant ein Kunstprojekt an der Martinswand - dieses stößt auf Gegenwehr

Ein geplantes Kunstwerk an der Martinswand lässt die Wogen hochgehen: der Schriftzug „Grüß Göttin“ soll an der Bergwand angebracht werden.

ZIRL (lr). Kunst soll provozieren - das heißt es immer wieder. Das Kunstwerk, dass jetzt an der Martinswand entstehen soll schafft dies schon bevor es überhaupt aufgestellt wurde.

Heftige Kritik
Es handelt sich bei diesem Kunstwerk um den Schriftzug „Grüß Göttin“, der in 3-4 m großen Buchstaben an der Bergwand befestigt werden soll. Das Projekt der Künstlerin Ursula Beiler wurde schon an der Autobahn im Bezirk Kufstein verwirklicht und soll nun auch bei Zirl aufgestellt werden.

Bereits im Vorfeld löst dieses Projekt Diskussionen aus. Margit Gastl, FPÖ-Ersatzgemeinderätin in Zirl, stellt in einer Aussendung fest: „Auch wenn der Gemeinderat mehrheitlich – es hat 14 Ja- und fünf Nein-Stimmen gegeben – dafür ist, ich lehne das Montieren der Buchstaben an die Felswand ab. Wenn, dann muss die Bevölkerung eingebunden werden. Über ihre Kopfe hinweg darf das Projekt nicht realisiert werden.“

„,Grüss Göttin’ ist kein Tiroler Gruß“, erklärte auch FPÖ-Landespartei- und Landtagsklubobmann Mag. Gerald Hauser. Mit dem Projekt Martinswand setze sich die Geschmacklosigkeit fort, zuvor sei im Gespräch gewesen, Berggipfel zu verkaufen und mit Firmennahmen zu benennen. Die gegenderte Begrüßungsformel sei ein Unsinn, schade dem Land und mache Tirol lächerlich. Gute Werbung sehe anders aus.

Kunst braucht Mut
Ganz anders sieht das die SPÖ: „Ein Kunstwerk darf ruhig ein bisschen provozieren“, sagt SP-Kultursprecherin Lisa Jenewein. Sie gratuliert dem Zirler Gemeinderat zu seiner Entscheidung. „Die Gemeinde beweist mit ihrem Ja zu diesem Projekt Offenheit und Mut. Beides Eigenschaften, die der FPÖ ganz offensichtlich abgehen.“

Die Tiroler SP-Frauenvorsitzende, Gisela Wurm, freut sich, dass die Künstlerin auf das weibliche Element im Land hinweist, denn „Frauen gehen in der öffentlichen Wahrnehmung ohnehin oft genug unter. Unsere Sprache und auch unsere Bilder sind derart männlich dominiert, dass es sehr gut tut, Frauen einmal in Großbuchstaben markant erwähnt zu sehen.“

Es ist einfach Kunst
Bürgermeister Josef Kreiser sieht das Projekt nicht als Politikum. „Es ist ein Kunstprojekt und wurde als solches genehmigt,“ erklärt Kreiser, der das Projekt befürwortet. „Kunst wird immer zwiespältig betrachtet. Ich denke es gibt ganz andere Projekte, die Tirol lächerlich machen. Dieses gehört nicht dazu.“ Er kritisiert auch die mangelnde Offenheit: „Es sollte überhaupt mehr Toleranz gaben, auch für die Kunst.“

Dabei wird es noch eine ganze Weile dauern bis das Kunstwerk angebracht wird. Bisher wurde nur der Plan genehmigt, da es auf Zirler Gemeindegrund aufgestellt werden soll. Man muss jedoch noch die naturschutzrechtlichen, forstrechtlichen und bergbaubehördlichen Genehmigungen abwarten. Vor allem der Betrieb im Steinbruch darf nicht beeinflusst werden. „Es kann noch nicht gesagt werden, wann es montiert wird, aber ich denke, dass es frühestens in einem halben Jahr dazu kommt,“ meint Bgm. Kreiser.
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