20.07.2016, 09:00 Uhr

Am eigenen Leib: Pendeln per Drahtseil

Begegnungszone mit zwei Schienensträngen: Die beiden Wagen halten sich ungefähr im Gleichgewicht.

Einfaches Prinzip und kinderleicht zu steuern: Mit der Standseilbahn auf die Seefelder Rosshütte und retour.

SEEFELD. Jeden Tag von 9 bis 17 Uhr bringt die Standseilbahn im 15-Minuten Takt Schifahrer, Wanderer und Genießer auf die Seefelder Rosshütte. Das "Werkl" funktioniert schon seit fast 50 Jahren zuverlässig!
Die 2.417 m lange Bahn ist einfach zu bedienen, wie ich vorigen Samstag am eigenen Leib erfahren durfte. Am Vormittag melde ich mich beim Betriebsleiter zum Dienst, ich will auch einmal Passagiere von 1.235 auf 1.762 m Seehöhe (527 Hm) bringen und in der Bergstation zum Herz des Werkes vordringen.
Oben angekommen führt mich Jörg Häuslmeier in den Maschinenraum, hier arbeitet der ca. 600 KW starke Elektromotor. Emissionslos treibt er eine Seilscheibe an, über die wird das dicke Drahtseil geführt. Über dieses Seil sind die beiden Wagen miteinander verbunden. Während die eine Passagierkabine (Platz für ca. 100 Passagiere) talwärts fährt, zieht sie mit ihrem Eigengewicht und mit Motorunterstützung die andere Kabine den Berg hinauf. Die beiden Wagen halten sich ungefähr im Gleichgewicht, so werden für den Antrieb nur kleine Kräfte aufgebracht.
Wir gehen in die "Kommandozentrale". Auf einem riesigen Bedienfeld sind nur wenige Knöpfe verteilt. "Mit diesem Drehknopf stellen wir einmal am Tag die Geschwindigkeit ein", erklärt mir Jörg. Im Sommer fährt die Bahn etwa 7 Meter/Sekunde (ca. 25 km/h, Fahrzeit ca. 10 Minuten), bei Hochbetrieb im Winter maximal 12 m/sek (ca. 43 km/h).
Während die Leute einsteigen, steigen wir über den Maschinenraum direkt unter die Gleise und den Wagen. Hier heißt es aufpassen: Sämtliche Teile sind mit Öl verschmiert! Bremsen, Leitungen, Federn etc. - alles wird regelmäßig entlüftet, überprüft und gewartet.
Die Leute sind jetzt alle eingestiegen, ich begebe mich in die Führerkabine. Die Türen schließen auf Knopfdruck, mit dem Start-Knopf geht's los. Für alles gibt es einen Knopf, auch für's Bremsen oder den Modus "langsam", wenn der Wagen in die Station einfährt. Auf der Hälfte der Strecke begegnen sich die tal- und die bergwärts fahrenden Wagen auf der Ausweiche, hier ist die Bahn auf kurzer Strecke doppelgleisig geführt. Ein Zusammenstoß ist ausgeschlossen. "Einmal ist eine Kuh plötzlich auf dem Gleis gestanden, dafür gibt es eine Notbremse", erklärt Jörg.
In der Talstation zeigt mir Jörg noch das tonnenschwere Gewicht, das auf dem Gleisende das Seil spannt. Spannend war's, auch wenn der Betrieb der Bahn so einfach ist.
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