04.10.2016, 11:25 Uhr

Knochenfunde in Zirl: Gräberfeld stammt aus der Römer-Zeit

Bedeutender Fund für Zirl: Kustos Mag. Wolfgang Sölder mit Bgm. Thomas Öfner und Vize-Bgm.in Iris Zangerl-Walser.

Bedeutender Fund in Zirl: Gebeine und Grabbeigaben aus der Zeit um 400 n.Chr. wurden geborgen.

ZIRL. Ein frühgeschichtlicher Fund beschäftigte in den letzten zwei September-Wochen ein Team der Landesmuseen: Unter einem Keller eines Abbruchhauses in der Meilstraße tauchten Menschenknochen auf.
Nach Gerüchten über ein Verbrechen wurde die Öffentlichkeit aufgeklärt: Es handelt sich um einen dörflichen Friedhof um etwa 400 nach Christi, die Zeit der Römer. Einen Zusammenhang mit dem römischen Kastell "Teriolis" auf dem Martinsbühel gibt es hier nicht, wie Kustos Mag. Wolfgang Sölder erklärt, er ist zuständig für die vor- und frühgeschichtlichen und provinzialrömischen Sammlungen im Ferdinandeum.

Keine Überraschung in Zirl

Für die Archäologen war es kein überraschender Fund: Bereits in der Nachbarschaft wurden 2006 zehn Gräber freigelegt. Seit den 90er-Jahren gilt die Fläche als „Funderwartungszone“. In Absprache mit dem Grundeigentümer wurde daher begonnen zu graben. Bis Ende voriger Woche führte das fünfköpfige Team diese „Notgrabung“ zwischen den Häusern durch, um die Baustelle nicht lange zu behindern. Neun Skelette und ihre Grabbeigaben wurden händisch mit Spachtel, Pinsel und Staubsauger freigelegt, die Knochenteile in beschriftete Säckchen gegeben. "Die Knochen werden anthropologisch untersucht, es werden das Sterbealter, das Geschlecht und ev. Krankheiten bestimmt", erklärt Sölder.

Interessante Grabbeigaben

Bisher weisen nur Grabbeigaben auf das Zeitalter des Fundes hin, etwa eine Glasflasche neben den Gebeinen einer Frau sowie ein Bronzearmband. Ihr Skelett wurde nur vom Kopf bis zum Becken freigelegt, die Beine liegen noch unter der Mauer des Nachbargrundstückes. Beim Freilegen von männlichen Überresten wurde eine Zwiebelknopffibel aus Bronze gefunden. "Die hat einen Umhang zusammengehalten, das war eine Männerbestattung", erklärt Sölder. In der Augenhöhle des Mannes lag eine Münze, das Fährgeld für den Toten ins Jenseits.

Ein Skelett ist gut erhalten

Ein Grab lag sehr tief: Viel lockeres Material wurde beiseite geschafft, bis schließlich ein verhältnismäßig gut erhaltenes Skelett auftauchte, Grabbeigaben waren ein Gefäß und ein Messer. "Da der Boden so kalkhaltig ist, wurden hier den Knochen weniger Kalk entzogen, so sind sie recht gut erhalten." Der homogen gewachsene Friedhof setzt sich laut Sölder vermutlich noch über andere Nachbargrundstücke fort.
Großes Interesse an den Funden bekundeten auch Bgm. Mag. Thomas Öfner und Vize-Bgm.in Iris Zangerl-Walser, die am Donnerstag, 29.9., die Stelle besichtigten. Eine Ausstellung der Funde in Zirl ist im Gespräch.

Kleiner Eindruck vom Lokalaugenschein in Zirl:



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