20.09.2016, 18:00 Uhr

Luftgüte-Messstelle statt Laster in Zirl

Richies Cartoon: Hohe Schadstoffbelastung in Zirl durch A12, ASFINAG-Parkplatz, B171, B177 und bald auch LKW-Abstellplatz. (Foto: Cartoon Roman Ritscher)

Zirl darf nicht das „Schadstoff-Mekka Tirols“, fordert Gurgiser: "Luftgütemessstelle statt Lkw-Parkplatz!" In Zirl wird auch das Kommunalsteuergesetz kritisiert: Der betreffende Betrieb Weber Beton Logistik GmbH. steht auf der Grenze zwischen Inzing und Zirl, wobei Inzing die Kommunalsteuer kassiert (Betriebsgebäude/Mitarbeiter), auf Zirler Seite würde der LKW-Parkplatz errichtet, die Marktgemeinde schaut durch die Finger, hat nur die Belatungen zu tragen.

ZIRL. Als wäre Zirl nicht schon genug von Verkehr, von Lärm- und Schadstoffbelastungen gegeiselt, liegen jetzt auch Pläne vor, im Gewerbegebiet der Marktgemeinde (Gp 591) für ein Privatunternehmen einen Parkplatz für rund 180 Lkw über 7,5 t Gesamtgewicht behördlich von der BH genehmigen zu lassen, wie Fritz Gurgiser vom Transitforum Austria-Tirol informiert: "Die müssen täglich zu- und abfahren, was die hohe Lärm- und Luftbelastung weiter steigern würden!" Gurgiser weist auf den dicht besiedelten und bewirtschafteten Zentralraum hin, der seit 1.10.2002 als „Belastetes Gebiet (Luft)“ ausgewiesen ist. Für Gurgiser wäre es weit intelligenter, die längst überfällige Luftgütemessstelle zu errichten statt eines Lkw-Parkplatzes: "Denn Gesundheit ist kein verhandelbares Gut, ein Lkw-Parkplatz sehr wohl!"

Verkehrsbelastetes Zirl

Zirl wird umgeben von der Inntalautobahn, dem ASFINAG-Parkplatz, der B171 mitten durch den Ort und von der B 177 Seefelderstraße (Zirlerberg), die durch viele Ausnahmen auch als „legalisierte Transit-Ausweichstrecke“ (Roadpricing, Vignetten-Flucht) bekannt ist, erklärt Gurgiser. Die hohe Stickstoffdioxidbelastung von der A12 verteilt sich auf das gesamte Tal und das Gemeindegebiet. Gurgiser kritisiert: "Wo man nicht misst, da stinkt es bekanntlich nicht! Bedauerlicherweise weigert sich das Land Tirol seit vielen Jahren sehr konsequent, im Raum Zirl eine Luftgütemessstelle einzurichten. Das hat mittlerweile dazu geführt, dass das seit Dezember 2012 „angekündigte sektorale Lkw-Fahrverbot“ nur mehr bis Ampass gelten soll und der Zirlerberg mit Ausnahmen locker im Transit befahren werden kann. Das führt zu einer weiteren Verschlechterung der Gesundheitsqualität, zu zusätzlicher Lärm- und Schadstoffbelastung der betroffenen Anrainer/innen."

Schallpegelmessung

Von Oktober 2015 bis Jänner 2016 wurden an 6 Standorten in Zirl 275 (!) Schallpegelmessungen durchgeführt, dabei gab es Überschreitungen der gesetzlich höchstzulässigen Grenzwerte (Tag 60 dB, Nacht 50 dB) von plus 30 bis plus 350 %. "Diese tatsächlich gemessenen Schallpegel (und nicht gerechneten) sind auch mit den Lärmkarten des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich verglichen worden und haben eine sehr hohe Übereinstimmung gebracht", bemerkt Gurgiser: "Aus diesen angeführten Gründen und zur Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung einer hohen Gesundheits- und Lebensqualität gemäß der geltenden Rechtslage in der Marktgemeinde Zirl ist es dringend erforderlich, diese Sachverhalte vor einer behördlichen Genehmigung dieses Lkw-Parkplatzes zu überprüfen."

180 LKW Parkplätze in Zirl – ungerechte Verteilung

Die betreffende Fa. Weber Beton Logistik GmbH. steht an der Grenze der Gewerbezone Zirl und Inzing: Gebäude und Mitarbeiter sind auf Inzinger Seite angesiedelt (Kommunalsteuer an Gemeinde Inzing), ein LKW-Parkplatz soll auf Zirler Seite durch die BH genehmigt werden. Zirl hat in diesem Fall nur die Belastungen.
Vize-Bgm. Iris Zangerl-Walser (Zukunft Zirl) dazu: "Es ist ein Gewerbegebiet und da gehören Gewerbebetriebe hin – Produktion, Steuern, Abgaben für Gemeinde und Gemeinwohl – und nicht Lkw-Parkplätze! Und wie sich das in einem Luftsanierungsgebiet mit 180 LKW-Abstellplätze verträgt, ist natürlich noch zu klären. Da Zirl sowieso schon durch drei Hauptverkehrsrouten belastet ist, fordern wir eine Luftgütemessstelle."
Dazu steht auch Bgm. Thomas Öfner (Für Zirl): "Ich bin aber auch für eine neue Regelung, dass bei zusammenhängenden Gewerbegebieten an Gemeindegrenzen beide Gemeinden profitieren, dass nicht die eine Gemeinde profitiert und die andere nur belastet wird."
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