17.08.2016, 00:00 Uhr

Max Simonischek und sein Bau im Stadl

(Foto: Foto: Caspar Urban Weber)
TELFS (bine). „Ich habe den Bau eingerichtet und er scheint wohlgelungen.“ (Franz Kafka) Ob „Der Bau“ im Kranewitterstadl in Telfs auch wohlgelungen sein wird und wie ihn sich der Theater- und Fernsehmime Max Simonischek eingerichtet hat, ist im am 19.8. und 20.8. im Rahmenprogramm der Tiroler Volksschauspiele zu sehen. Das Bezirksblatt bat den in Berlin geborenen Schauspieler und Sohn von Peter Simonischek zum Interview.

„Die Vorsicht verlangt, wie leider so oft, das Risiko des Lebens“, so Franz Kafka in seinem Stück „Der Bau“. Ist es mit Vorsicht zu genießen, Franz Kafka zu spielen, oder ist es stets das Risiko wert?
Max Simonischek: Ich würde behaupten, sich mit Kafka auseinander zu setzen, gleich ob man ihn liest, ihn sich anschaut, ihn inszeniert oder spielt, ist es immer wert. Das Risiko besteht höchstens darin, dass man sich selbst wichtiger nimmt als den Autor.

Warum genau dieses Stück von Franz Kafka?
Allgemein gesehen ist "Der Bau" eine verhältnismäßig unbekannte aber dennoch typische Erzählung für Kafka.
Außerdem interessiert es mich als Schauspieler, das Wesen zwischen Mensch und Tier darzustellen.
Als Regisseur reizt mich die Treffsicherheit, mit der Kafka auf unseren gesellschaftlichen Zeitgeist zielt.
Als Personalunion von beidem fasziniert mich seine einzigartige Sprache.


In dem Wesen, das der Autor ins einem Stück beschreibt, handelt es sich um eines zwischen Mensch und Tier, das sich sein Reich, abgeschottet von der Umwelt, schafft und trotzdem in Angst und Schrecken vor der Entdeckung , vor Angriffen und vor der Realität lebt. Wie bereitet man sich auf so eine Rolle vor?
Man beobachtet unser gesellschaftliches Miteinander noch etwas genauer und erschrickt, man sucht nach Verbindungen zwischen Figur und seinem eigenen Verhalten, erschrickt noch etwas mehr.
Und als Schocktherapie versucht man dann, für beides eine fantasievolle Übersetzung zu finden.


Nach den zwei Auftritten in Telfs ist „Der Bau“ dann am Burgtheater zu sehen. Wie kam Telfs zu dieser Gastspielehre?
Ehrlich gesagt war das die Idee von Familie Steiner aus Telfs, mit der ich sehr eng befreundet bin. Daraufhin habe ich Frau Silvia Wechselberger (GF der Tiroler Volksschauspiel, Anmerkung der Redaktion) einen Brief geschrieben und ihr die Inszenierung angeboten. Frau Wechselberger hatte einen guten "Riecher" und hat glücklicherweise ja gesagt. Und zwar bevor sie wusste, dass "Der Bau" in den Spielplan der Burg aufgenommen werden würde.

Was wird das Publikum im Stadl erwarten, und worin liegt Ihrer Meinung nach die größte Bedeutung des Stückes?
Die Aufführung dauert ca. eine Stunde und ist ein Monolog aus einem Erdloch.
Der Text steht im Mittelpunkt, er ist der Bau, das Zentrum von dem aus sich Spiel und Figur entwickeln.
Was der Abend für eine Bedeutung hat, liegt wohl im Auge des Betrachters, und das soll am besten sehr unterschiedlich ausfallen und lieber nicht von mir erklärt werden. Bitte kommen und selbst werten!
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